Kategorie: 2026
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Einfach menschlich.
Die Menschen sehen meinen Rollstuhl zuerst und mich erst später. Manchmal glaube ich sogar, manche sehen nur den Rollstuhl. Nicht immer aus böser Absicht. Oft eher aus Unsicherheit. Weil viele Menschen nie gelernt haben, Behinderung als etwas Normales zu betrachten. Ihr Blick bleibt zuerst an den Rädern hängen. An dem, was anders wirkt. Und erst…
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Krokodilstränen am Weidenzaun
Es gibt Erinnerungen, die nach Sommer riechen. Nach warmem Heu, staubigen Feldwegen und kleinen Kinderhänden,die sich fest in eine Pferdemähne krallen, als könnten sie damitdie ganze Welt festhalten. Neulich saßen mein Mann und ich zusammen und sprachenüber unsere Kindheit. Einfach so. Zwischen Tee, Müdigkeit und diesem warmen Abendlicht,das Wohnungen plötzlich weicher wirken lässt.Wir erzählten uns…
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Heimat hat mehr als eine Sprache
Für manche klingt mein Name wie ein fernes Lied, getragen vom Wind über das Meer.Für andere ist er einfach nur ein Klang, ein Wort unter vielen.Für mich ist er mein Zuhause.Ein Ort, an dem sich alles sammelt, was ich bin: meine Herkunft,meine Widersprüche,meine Erinnerungen. Ein Name, der nicht nur mich ruft, sondern auch Geschichten flüstert,von…
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Wenn ein Satz mehr ist als nur ein Witz
Es beginnt oft in Momenten, die eigentlich leicht sein sollen.Stimmen vermischen sich, ein Chat läuft nebenbei, irgendwo lacht jemandund für einen Augenblick fühlt es sich an, als dürfte man einfach dazugehören,ohne sich erklären zu müssen. Für mich war dieser Raum nie selbstverständlich.Es gab eine Zeit, in der ich dachte, dass mein Leben sich nur in…
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Die leise Geschichte, die nie endete
Ich wollte eigentlich über etwas anderes schreiben.Aber dieser Text hat sich dazwischengeschoben.Eventuell, weil er schon lange da war. Es gibt Geschichten, die laut beginnen.Mit einem Ereignis, das alles verändert.Und es gibt Geschichten, die leise entstehen – lange bevor jemand merkt, dass sie erzählt werden müssen. Diese gehört zur zweiten Art. Sie hat keinen klaren Anfang.Keinen…
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Fast gesund ist auch ein Zustand
Es gibt so Sätze, die klingen nach Hoffnung, fühlen sich aber an wie ein Achselzucken. „Das MRT war unauffällig.“ Unauffällig. Dieses Wort hat ungefähr die emotionale Tiefe von trockenem Toast und die Begeisterung eines Montagmorgens. Es bedeutet in meinem Fall nicht: Alles gut. Es bedeutet eher: Ja, der Tumor ist noch da. Macht aber gerade…
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Wenn die Nacht zu laut wird
04:22 Uhr. Die Nacht liegt schwer auf mir, als hätte sie beschlossen, sich nicht einfach nur über die Stadt zu legen, sondern sich in meine Gedanken zu krallen. Das Zimmer ist dunkel, nur das fahle Licht meines Displays zeichnet schwache Konturen in die Stille. Ich kaue auf meinem Kaugummi, viel zu schnell, viel zu hektisch,…
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Die, die angeblich nicht dazugehören
Ich war kürzlich mal wieder in der Stadt unterwegs.Das mache ich mittlerweile selten.Zu laut, zu voll, zu viele Pflastersteine, zu viele Blicke… Die Straßen sind voll, aber gleichzeitig fühlt sich alles leer an, wenn man auf Augenhöhe von Autoreifen lebt.Der Elektromotor meines Rollstuhls summt leise unter mir, dieses konstante Geräusch, das mich begleitet wie ein…
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Vom Mut, Mensch zu bleiben
Es gibt Tage, an denen die Welt sehr laut ist. Nicht nur wegen der Geräusche.Nicht wegen der Autos, der Stimmen oder der Schritte auf dem Pflaster.Sondern wegen der Gedanken, die man mit sich trägt, während man sich durch sie bewegt. Ich sitze in meinem Rollstuhl und beobachte die Menschen.Dieses Sitzen verändert die Perspektive.Man lebt auf…
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Meine Lebenslinien
Ich glaube, ich muss das einmal erzählen, nicht um zu erklären,sondern um festzuhalten, was mich trägt, was mich hält, was mich am Leben lässt,wenn alles andere zu schwer wird. Meine längste Freundin, nennen wir sie Eins, ist genau zwei Wochen nach mir geboren, auf den Tag genau, als hätte das Leben beschlossen, uns von Anfang…