Bevor ihr den eigentlichen Text zum lesen bekommt, möchte ich ihn einer ganz besonderen Frau widmen.
Einer Freundin, die mir ihre Gedanken geschenkt hat. Die den Mut hatte, ihre Gefühle mit mir zu teilen. Die mir vertraut hat, obwohl manche Gedanken so tief sitzen, dass sie oft unausgesprochen bleiben.
Danke, dass ich einen Blick in dein Herz werfen durfte.
Danke für deine Ehrlichkeit, deine Offenheit & deine Freundschaft.
Und vor allem danke, dass es dich gibt.
Wenn ich Medaillen zu vergeben hätte, würdest du heute keine für zehn Jahre ADAC-Mitgliedschaft bekommen.
Du würdest eine für zehn Jahre Leben bekommen.
Zehn Jahre seit deiner Diagnose.
Zehn Jahre voller Kämpfe, Rückschläge, Hoffnungen, Tränen, Ängste, kleiner Siege und unendlich viel Mut.
Zehn Jahre, in denen du jeden einzelnen Tag bewiesen hast, dass Stärke oft ganz leise ist.
Nicht laut.
Nicht spektakulär.
Sondern einfach da.
Du bist noch hier.
Und das ist keine Selbstverständlichkeit.
Das ist eine Leistung, die sich mit keiner Mitgliedskarte, keiner Urkunde und keiner Auszeichnung aufwiegen lässt.
Ich bin unendlich dankbar, dass das Leben unsere Wege zusammengeführt hat und dass ich dich Freundin nennen darf.
Diese Worte haben mich tief berührt und zu dem Text inspiriert, der jetzt folgt.
Und deswegen gehört dieser Text dir.
Für zehn Jahre Leben.
Für zehn Jahre Hoffnung.
Und für die Freude darüber, dass es dich gibt. ❤️
Neulich hat mir eine Freundin etwas erzählt.
Sie bekam Post vom ADAC.
Erst hat sie gelacht.
Eine neue schwarze Mitgliedskarte.
Zehn Jahre Mitgliedschaft.
Goldene Schrift, Offizieller Brief.
Herzlichen Glückwunsch.
Und dann musste sie plötzlich schlucken.
Nicht wegen der Karte.
Sondern wegen dem Gedanken dahinter.
Zehn Jahre Mitgliedschaft werden gefeiert.
Zehn Jahre Überleben nicht.
Ich habe sie verstanden.
Wahrscheinlich sogar ein bisschen zu gut.
Seit 27 Jahren lebe ich mit meinem Hirntumor.
27 Jahre voller Operationen, Untersuchungen, MRTs, Therapien, Hoffen, Bangen, Schmerzen und immer wieder diesem einen Gedanken:
Bitte einfach noch ein bisschen.
In all den Jahren habe ich nie Blumen bekommen.
Nie eine Karte.
Nie einen Brief aus der Klinik, auf dem stand:
„Schön, dass Sie noch da sind.“
„25 Jahre geschafft.“
„27 Jahre – was für ein unglaublicher Weg.“
Nichts.
Der einzige offizielle Brief, den ich zu diesem Thema bekommen habe, kam von der Kinderhirntumorforschung in Kiel.
Nach 25 Jahren.
Ich öffnete den Brief und dachte für einen Moment: Ach… vielleicht ist das so etwas wie ein Jubiläum.
War es auch, nur anders.
Sinngemäß stand dort:
Herzlichen Glückwunsch… Sie sind jetzt zu alt.
Mit 25 Jahren Kampf passe ich nun leider nicht mehr in die Kinderhirntumorforschung.
Na danke.
Immerhin.
Irgendjemand hat registriert, dass ich noch lebe.
Nur eben, um mich aus der Statistik zu streichen.
Versteht mich nicht falsch.
Ich erwarte keine Parade.
Kein Feuerwerk.
Keine Medaille.
Aber manchmal frage ich mich schon, warum wir Menschen jeden möglichen Meilenstein feiern.
10 Jahre im Sportverein.
25 Jahre Betriebszugehörigkeit.
Goldene Hochzeit.
10 Jahre ADAC.
Alles bekommt eine Urkunde, eine Karte oder wenigstens einen Händedruck.
Aber wer jeden Morgen mit einer schweren Krankheit aufwacht und trotzdem weitermacht…
Wer Ängste aushält, Schmerzen trägt, immer wieder aufsteht und einfach lebt…
Der bekommt meistens nur den nächsten Termin.
Eventuell ist genau das die eigentliche Leistung.
Nicht der Marathon.
Sondern überhaupt die Laufschuhe anzuziehen.
Nicht der Gipfel.
Sondern morgens überhaupt aufzustehen.
Nicht etwas Außergewöhnliches zu schaffen.
Sondern trotz allem da zu sein.
Manchmal wünsche ich mir keine Blumen.
Keine Geschenke.
Keine große Bühne.
Nur einen kleinen Brief.
Einen Satz.
„Wir sehen, was Sie leisten.“
„Schön, dass Sie noch da sind.“
Denn für Menschen mit einer chronischen oder lebensbedrohlichen Erkrankung ist das Leben selbst oft die größte Errungenschaft.
Und irgendwie finde ich, dafür dürfte es ruhig auch mal eine Karte geben. Vielleicht keine schwarze mit goldener Schrift wie vom ADAC.
Aber eine, auf der einfach steht:
„Du bist immer noch hier. Und das ist alles andere als selbstverständlich.“
Ein kleiner Nachsatz noch….
Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auch direkt als Podcast aufnehmen. Aber im Moment spielt mein Körper leider nicht mit.
Bei den aktuellen Temperaturen wird das Arbeitszimmer durch den PC zusätzlich aufgeheizt. Für viele ist das einfach nur unangenehm – für mich ist es gesundheitlich leider nicht machbar.
Deshalb muss der Podcast noch ein kleines bisschen warten.
Es tut mir wirklich leid, denn ich weiß, dass viele von euch meine Texte lieber hören als lesen.
Aber versprochen: Sobald es etwas kühler wird und mein Körper es zulässt, nehme ich ihn auf.
Manchmal gibt eben auch mein Kopf den Takt vor und mein Körper das Tempo.
Danke, dass ihr so geduldig seid und mir die Zeit gebt, die ich manchmal einfach brauche.
2 Antworten zu “Wo bleiben eigentlich unsere Jubiläumskarten, liebes Leben?”
Ich kann es gut nachempfinden, auch wenn ich erst oder schon den 7. Überlebenstag feiern durfte.
Nach Feier war mir nicht.
Zu alt für dieses. Zu gesund für jenes. Zu krank für den Arbeitsmarkt. Und so weiter und so weiter.
Themen, die wenig auf den Tisch kommen.
Du hast mich gerade inspiriert, das Thema Langzeitüberleben aufzugreifen.
Und Glückwunsch zum Überleben, zum Blog und allem was du tust. ♥️
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Danke liebe Anett,
dir ebenso Glückwunsch. 7 Jahre… ich verstehe dein gefühl total. Diese innere Zerrissenheit
Eigentlich hatte ich meine „Feier des Lebens“ eingeführt aber nicht jedes Jahr fühlt man es….
Ich bin auf deinen Text gespannt und freue mich darauf bald bei dir deine Gedanken lesen zu können. Und danke für die Glückwünsche
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