Nach der Mega-Op im Mai mit dem Hammer Ergebnis musste ich in Reha. Klar, ich musste wieder alles lernen. Ich konnte ja nicht mal selbst essen und trinken oder mir die Nase kratzen. Wieder komplett auf Hilfe angewiesen zu sein ist oder war mein persönlicher Albtraum. Ich weiß, dass meine Familie mich unterstützt so gut es geht und mir am liebsten jede Hilfe leistet die sie können aber selbst bei meiner Familie fällt es mir schwer Hilfe anzunehmen oder immer wieder zu sagen „kannst du mir bitte mal helfen?“ Vor allem weil es aktuell eben nicht nur “mal“ ist. Ich brauche so viel Hilfe, dass es mich selbst wahnsinnig nervt. Meine Laune ist deshalb oft im Keller. Ich möchte mir selbst etwas zu essen kochen, mir selbst etwas zu trinken eingießen, selber Gassi gehen! Alleine aufs Klo gehen! Alleine Duschen und mich anziehen! Doch noch geht das nicht. Leider. Noch brauche ich Hilfe wie ein Kleinkind. Und das geht auf die Psyche.
Die Rehaklinik in die ich als Liegentransport gebracht wurde ist in Elzach. Das ist nicht weit von Freiburg. Ich frage mich nur warum man eine solche Klinik auf einem Berg baut mit ca. 20%-25% Steigung? Absolut nicht Rollstuhlgerecht dabei sind in solchen Kliniken sehr viele auf einen Rollstuhl angewiesen. Nun Ja. Ich war „nur“ drei Wochen dort und hatte viel zu wenig Therapie für meinen Geschmack und für das was ich von einer Rehaklinik erwarte. Ich war sehr unglücklich und eckte mit der Ärztin auch mehrfach an. Auch sonst hatte ich meine Schwierigkeiten. Ich war einfach so hilflos und bekam oft nicht die Hilfe die ich brauchte. Ich mein ernsthaft… mein erstes Essen, dass ich versuchte selbstständig zu essen war Reis und das mit einer Gabel. Und das nicht, weil ich es so wollte, sondern weil die Klingel für die Pflege mal wieder sonst wo lag, meine Zimmertür zu war und ich die selbst nicht öffnen konnte und man mir das Essen mit Gabel hinstellte und niemand wiederkam, dabei war das so besprochen. Ich saß da und hatte Hunger und fühlte mich wie Gefangen. Was sollte ich denn tun? Ich versuchte es – mit wenig Erfolg. Der Reis lag am Ende überall und ich hatte immer noch Hunger. Wenn ich das heute irgendwem erzähle… lachen alle, was mir nur zeigt, dass mich niemand versteht. Das war nicht lustig! Hungrig und auf Hilfe angewiesen zu sein, nicht selbständig seinen Bedürfnissen nachgehen zu können ist nicht lustig. Auch wenn ich vielleicht über so manches heute lachen kann, ich kenne auch die andere Seite ich habe das Recht zu lachen! Selbst meine Nichte mit ihren drei Jahren hatte verstanden, dass Tante nicht alleine essen konnte oder gar das Kaubonbon auspacken. Sie fütterte mich ganz selbstverständlich und mit sooooo viel Liebe. Das werde ich nie vergessen.
Meine Familie kam mich sehr oft besuchen, was mein Glück war. Jedes Mal, wenn jemand von meiner Familie da war, waren die Pflegekräfte freundlich und standen ständig in meinem Zimmer, war ich alleine… war ich alleine! Die Pflege und die Ärzte nahmen mich weder wahr noch ernst! Meine Fragen wurden ignoriert genau wie meine Hygiene und sonstigen Bedürfnisse! Als ich einmal nachfragte was, dass den für Tabletten seien hieß es man dürfe mir keine Auskunft geben, sondern nur meinem Vormund. Ich habe keinen Vormund! Die gesamte Situation setzte mir sehr zu! Ich aß nichts mehr, weinte viel und mir fielen die Haare aus. Es wurde auch nicht besser als ich auf eine andere Station verlegt wurde. Im Gegenteil! Da kamen dann auch noch Sprachbarrieren dazu die echt nicht förderlich waren. Wenn man als Patient sagt „man darf überall anfassen nur nicht den Nacken“ und die Schwester versteht kein Wort und greift in den Nacken…. Ich wurde zur Furie vor Schmerzen. Es tut mir leid, dass ich die Dame so angeschrien habe, aber sowas geht einfach nicht. Die Reha wurde aus psychologischen Gründen frühzeitig beendet. Also durfte ich endlich nach Hause wobei es Zuhause nicht leichter wurde, da das warum ich in Reha war ja nicht wirklich besser geworden war und die Reha raus geschmissenes Geld und vergeudete Nerven sowie Zeit war. Mitgenommen und gelernt habe ich für mich nur, dass ich nie wieder in eine Rehaeinrichtung fahren werde!
