Hochzeitstage sind immer etwas Besonderes.
Aber dieser hier fühlt sich anders an.
Nicht größer. Nicht lauter. Sondern tiefer.
Zehn Jahre.
Zehn Jahre „Wir“.
Und seit Jahren trage ich einen ganz bestimmten Traum in meinem Herzen.
Ich wollte dich zum zehnten Hochzeitstag noch einmal heiraten.
Noch einmal ein Kleid tragen.
Noch einmal auf dich zukommen und diesen einen Blick sehen – den Blick, der damals alles verändert hat.
Ich wollte noch einmal dein nervöses Lächeln sehen, wenn die Musik beginnt.
Noch einmal deine Hand nehmen.
Noch einmal mit dir tanzen.
Nicht für die Gäste.
Nicht für Fotos.
Sondern für uns.
Für all das, was zwischen unserem ersten Ja-Wort und heute passiert ist.
Aber manchmal schreibt das Leben andere Pläne, als wir sie uns wünschen.
Meine Gesundheit lässt diesen Traum nicht zu.
Das zu akzeptieren hat wehgetan.
Also haben wir einen neuen Plan gemacht.
Wir wollten dort essen gehen, wo wir geheiratet haben. Zurück an den Ort, an dem unser gemeinsames Leben offiziell begonnen hat.
Wir haben ein Rollstuhltaxi gebucht.
Einen Tisch reserviert.
Und uns vorgestellt, wie wir dort sitzen würden, vielleicht mit einem Glas in der Hand, vielleicht mit Tränen in den Augen, vielleicht einfach nur dankbar.
Doch dann kam die Hitze.
33 Grad.
35 Grad.
Eventuell sogar 37.
Für viele Menschen ist das einfach Sommer.
Für meinen kranken Körper ist es eine Grenze, die er nicht ignorieren kann.
Also mussten wir auch diesen Plan loslassen.
Der zweite Traum.
Der zweite kleine Abschied.
Und weil Aufgeben nie unsere erste Sprache war, suchten wir weiter.
Kino.
Klimaanlage.
Ein später Abend, wenn die Luft endlich etwas kühler wird.
Vorher wollten wir gemeinsam die Sonnenfinsternis anschauen – ein kleiner magischer Moment nur für uns beide.
Wir öffneten die Kinoseite.
Und dann stand dort dieser unscheinbare Satz:
Mittwoch – letzte Vorstellung: 19:45 Uhr.
Kein Drama.
Keine Katastrophe.
Nur eine Uhrzeit.
Und trotzdem fühlte es sich an, als würde auch der dritte Plan leise in sich zusammenfallen.
Drei Ideen.
Drei kleine Träume.
Dreimal dieses stille: „Schade.“
Und ja – es ist frustrierend.
Es tut weh, wenn Krankheit selbst die einfachen Dinge kompliziert macht.
Wenn man nicht an großen Abenteuern scheitert, sondern an Temperaturen, Uhrzeiten und der Frage, ob der eigene Körper einen Ausflug überhaupt mitmacht.
Aber während ich all das aufschreibe, merke ich etwas anderes.
Trotz allem ist das unser zehnter Hochzeitstag.
Und eventuell liegt seine Schönheit nicht in dem, was wir geplant haben, sondern in dem, was geblieben ist.
Wir haben uns ein kleines Schloss machen lassen.
Ein Symbol für etwas, das stärker ist als geplatzte Pläne.
Wir werden es an eine Brücke hängen, irgendwo zwischen Himmel & Wasser, zwischen Vergangenheit & Zukunft.
Unsere Eheringe werden vergoldet.
Nicht, weil Gold eine Ehe perfekter macht.
Sondern weil auch Liebe mit den Jahren Spuren bekommt und gerade dadurch kostbar wird.
Und jetzt möchte ich etwas direkt zu dir sagen.
Schatz,
wenn ich auf unsere zehn Jahre zurückblicke, sehe ich keine perfekte Liebesgeschichte.
Ich sehe Arzttermine.
Krankenhausflure.
Schlaflose Nächte.
Sorgen, die wir manchmal nicht einmal laut ausgesprochen haben.
Ich sehe Tage, an denen wir beide erschöpft waren und trotzdem versucht haben, füreinander stark zu sein.
Aber vor allem sehe ich Dich.
Dich, der geblieben ist.
Dich, der meine Hand gehalten hat, wenn ich Angst hatte.
Dich, der gelernt hat, meine Erschöpfung an einem einzigen Blick zu erkennen.
Dich, der mich nie auf meine Krankheit reduziert hat.
Es gibt Tag, an denen ich völlig ausgelaugt bin.
Dann setzt du dich einfach zu mir.
Keine großen Worte.
Kein „Das wird schon“.
Nur deine Nähe.
Und manchmal ist genau das die größte Form von Liebe.
Nicht die spektakulären Gesten.
Sondern das stille Bleiben.
Das gemeinsame Durchhalten.
Das leise „Ich bin da“, selbst an den schwersten Tagen.
Früher dachte ich, Liebe zeigt sich in besonderen Momenten.
Heute weiß ich:
Liebe zeigt sich in den ganz gewöhnlichen Augenblicken, die man nur gemeinsam tragen kann.
In kaltem Tee auf dem Wohnzimmertisch.
In Medikamentenschachteln neben den Eheringen.
In einem müden Lächeln nach einem anstrengenden Tag.
In deinem Arm um meine Schultern, wenn Worte nicht mehr reichen.
Womöglich bekommen wir heute keinen zweiten Hochzeitstanz.
Eventuell gibt es kein romantisches Dinner an unserem Hochzeitsort.
Vielleicht keinen perfekten Kinoabend unter dem Sternenhimmel.
Aber weißt du was?
Ich würde trotzdem wieder Ja sagen.
Ja zu dir.
Ja zu unserem chaotischen, manchmal schweren, oft ungeplanten Leben.
Ja zu all den Umwegen, die wir gemeinsam gegangen sind.
Denn am Ende sind es nicht die perfekten Pläne, die eine Ehe tragen.
Es ist die Entscheidung, einander immer wieder zu wählen – auch dann, wenn das Leben die ursprünglichen Träume umschreibt.
Und deshalb sage ich heute, zehn Jahre nach unserem ersten Ja-Wort:
Ich liebe dich nicht trotz allem, was wir durchmachen mussten.
Ich liebe dich vielleicht sogar noch ein bisschen mehr wegen all dem, was wir gemeinsam durchgestanden haben.
Ich bin stolz auf uns.
Stolz darauf, dass wir nicht nur schöne Zeiten geteilt haben, sondern auch die schweren.
Stolz darauf, dass aus Verliebtheit eine Liebe geworden ist, die Krankenhausflure, Schmerzen, Ängste und Enttäuschungen überstanden hat.
Auf die nächsten zehn Jahre.
Auf weitere Brücken und weitere Schlösser.
Auf vergoldete Ringe und ungeplante Abende.
Auf Hoffnung, selbst wenn Pläne zerbrechen.
Und vor allem:
Auf uns.
In Zehn Jahre möchte ich dich wieder ansehen, wieder deine Hand nehmen und wieder Ja sagen.
Immer wieder.
Zusammen.

6 Antworten zu “Zehn Jahre – und ich würde dich immer wieder wählen”
Herzlichen Glückwunsch an euch beide.
Ja, leider könnt ihr all die Dinge, die ihr geplant hattet, aus genannten Gründen nicht machen.
Das ist sehr schade.
Aber und jetzt kommts, es gibt Dinge, die man nicht plant, die noch viel, viel besser sind.
Hä?
Ihr seid heute Abend auf eurem Balkon und bewundert zuerst eine Sonnenfinsternis, um danach noch Sternschnuppen zu bewundern.
Extra für euch hat die Natur dieses Schauspiel auf euren Hochzeitstag gelegt. Für zwei besondere Menschen zwei außergewöhnliche Dinge an einem Tag.
In diesem Sinne wünsche ich einen tollen Hochzeitstag.
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Oohh wie lieb!!
Vielen lieben Dank.
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Ich ahnte, dass mein Name nicht auftaucht. 🙄🙄
Liebe Grüße und viel Spas vom Heaven.😇
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Ich hab vermutet, dass Du es warst.
Danke
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Ich würde auch immer wieder Ja zu dir sagen. Danke für diese wunderschöne Hommage an uns. Ich liebe dich
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Ich Liebe Dich auch
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