ICH BIN EINE FRAU UND ICH HABE GENUG


Vorweg:
Ich bin stolz, eine Frau zu sein.
Ich werde geliebt genauso, wie ich bin.
Aber ich bin auch wütend.
Wütend über das, was uns Frauen angetan wurde und wird.
Und ich bin nicht bereit, zu schweigen.

Was bedeutet es, eine Frau zu sein?

Es klingt so simpel.
Doch in Wahrheit ist diese Frage ein Abgrund.
Ein Netz aus Erwartungen, Rollen, Verletzungen und einem tiefen Schmerz, den wir gelernt haben, mit einem Lächeln zu tarnen.

Eine Frau zu sein bedeutet:
Früh zu lernen, sich selbst hintenanzustellen.
Sich klein zu machen.
Sich „zu benehmen“.

„Hilf deiner Mutter in der Küche.“
„Lach nicht so laut.“
„Zieh das Kleid an, das steht dir besser.“
„Sei höflich, sei still, sei süß.“

Und wehe, du bist laut.
Wehe, du nimmst Raum ein.
Wehe, du willst mehr als die vorgegebene Rolle.

Und selbst wenn du dich durchsetzt, stark bist, dein Leben selbst gestaltest dann kommt irgendwann die Frage:
„Willst du denn keine Kinder?“
„Wie, du bleibst zu Hause?“
„Wie, du arbeitest so viel wer kümmert sich um dein Kind?“

Wir Frauen können es nicht „richtig“ machen.
Nicht in den Augen der Gesellschaft. Nicht in den Augen anderer Frauen.
Denn oft sind wir selbst unsere schlimmsten Kritikerinnen.

Frauen gegen Frauen… warum?

Wir haben vergessen, dass wir Schwestern sind.
Dass wir dieselben Wunden tragen, nur an anderen Stellen.

Wir vergleichen.
Wir lästern.
Wir verurteilen.

„Zu jung für Kinder.“
„Zu alt für Kinder.“
„Hat keine Kinder, wie egoistisch.“
„Hat Kinder und macht nichts aus ihrem Leben.“

Statt zu heilen, reißen wir neue Wunden.
Warum?

Weil uns beigebracht wurde, dass es nicht genug Raum für alle gibt.
Weil wir gelernt haben, dass wir kämpfen müssen gegeneinander, statt miteinander.
Weil wir verletzt wurden. Immer wieder. Und niemand hat uns gezeigt, wie man heilt.

Was heißt es, im Patriarchat zu überleben?

Es heißt, sich jeden Tag neu zu behaupten.
Zwischen „zu schwach“ und „zu fordernd“.
Zwischen „zu sexy“ und „zu prüde“.
Zwischen „zu laut“ und „nicht ambitioniert genug“.

Und dann kommt diese eine Frage. Diese grausame, alte, widerliche Frage:

„Was hattest du an?“

Wenn du belästigt wurdest.
Wenn du vergewaltigt wurdest.
Wenn dir jemand deine Sicherheit,

deine Würde genommen hat
Dann sollst du dich rechtfertigen.

Nicht der Täter.
Nie der Täter.

Wir leben in einer Welt, in der Frauen lernen, dass ihr Körper nicht ihr gehört.
Dass ein Rock eine Einladung ist.
Dass ein Lächeln als Zustimmung gilt.
Dass ein klares Nein nicht reicht.

Und wir schweigen… nicht weil wir wollen, sondern weil wir Angst haben.
Weil uns oft niemand glaubt.
Weil man uns fragt:

Warum bist du nicht früher gegangen?“

Femizid; ein Wort, das endlich gesagt werden muss

Mord ist Mord, sagen sie.
Mensch ist Mensch, behaupten sie.
Aber Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind.

Weil sie Nein gesagt haben.
Weil sie frei sein wollten.
Weil sie jemandem nicht mehr gefallen haben.

Und dann steht in der Zeitung:
„Familiendrama.“
„Beziehungstat.“
„Er war überfordert.“

Er hat sie gestalkt.
Er hat sie bedroht.
Er hat sie geschlagen.
Er hat sie getötet.

Das ist kein Drama. Das ist ein Femizid.

Es war keine Überforderung.
Es war ein System, das ihn geschützt hat.
Es war eine Justiz, die weggesehen hat.
Es war eine Gesellschaft, die sie nicht ernst nahm.

Warum wir so laut sein müssen, wie es nur geht

Weil wir sonst untergehen.
Weil wir sonst verschwinden.
Weil die nächste, die stirbt, unsere Freundin sein könnte. Unsere Schwester. Unsere Tochter.
Oder wir selbst.

Weil Mädchen heute noch hören:
„Zieh dich nicht so aufreizend an.“
„Lass dich nach der Party nach Hause bringen.“
„Pass auf, mit wem du redest.“

Warum sagen wir ihnen nicht:
„Du hast das Recht, sicher zu sein egal, was du trägst.“
„Du hast das Recht, laut zu sein, stark zu sein, nein zu sagen; ohne dafür zu sterben.“

Ich bin eine Frau. Und ich habe genug.

Genug von den Regeln.
Genug von den Urteilen.
Genug vom Schweigen.

Ich will nicht länger darum bitten, ernst genommen zu werden.
Ich will nicht beweisen müssen, dass mein Schmerz echt ist.
Ich will kein weiteres Mahnmal für ein System sein, das uns immer wieder sagt:
„Ihr seid zu viel.“

Nein.
Wir sind genau richtig.

Und wenn das jemand nicht erträgt, dann ist es nicht unser Fehler.
Dann ist es ein Problem dieses Systems. Und dieses Systems haben wir satt.

Wir sind viele. Und wir sind nicht mehr leise.

Wir sprechen aus, was man uns aberzogen hat:
Wut. Schmerz. Kraft. Wahrheit.

Für die Frauen, die nicht mehr sprechen können.
Für die Frauen, die kämpfen.
Für die, die überlebt haben.
Für die, die Angst haben.
Für die Mädchen, die aufwachsen und endlich frei sein sollen.

Wir werden nicht mehr schweigen.
Wir sind laut. Wir sind wütend.
Und wir sind hier.

3 Antworten zu “ICH BIN EINE FRAU UND ICH HABE GENUG”

  1. Kein Kommentar, UPS, da muss ich was ändern.
    Frauen werden mit Sicherheit nicht verschwinden, denn dann würde die Menschheit aussterben.
    Ich stimme dir zu und ich kenne die Probleme, die manche Frauen ertragen müssen.
    Leider ist die Gesellschaft auf manchen Ebenen noch immer auf das starke und das schwache Geschlecht gestrickt. In meinem Arbeitsbereich sind die Frauen mit den Männern gleich. Im Arbeitsbereich der Missi, ist dem nicht so. Sie ist diejenige, die die Rechnungen schreibt und das ist weniger wert, als die Handwerker, die die Sachen bei den Kunden macht. Sie hat sich gefallen lassen, dass sie 4 Jahre ohne Lohnerhöhung gearbeitet hat, weil sie angeblich Fehler gemacht hat. Wenn sie einen Fehler macht, dann steht der Chef gleich im Büro und motzt sie an. Muss sie sich das gefallen lassen?
    Muss eine Frau sich Dinge gefallen lassen, die sich ein Mann nicht gefallen lassen würde? Nein. Es gibt Situationen, da muss man einfach durchgreifen und sich wehren und wenn man das nicht macht, dann, Entschuldigung, ist man selbst Schuld.
    Wie gesagt, ich stimme dir zu, aber es gibt immer wieder Situationen, egal ob für Männer oder Frauen, dann muss man Stärke beweisen und wer das nicht macht, der fällt in den Bereich: wer sich nicht wehrt, der hat einer Sache zugestimmt, bzw will sich der Unterdrückung nicht entziehen. Das beziehe ich explizit NICHT auf Gewalt, das ist wieder ein ganz anderes Thema. Es geht mir hier um das Zwischenmenschliche, bzw um die Arbeit. Ein NEIN bedeutet immer ein NEIN. Ein Schweigen bedeutet aber weder ein NEIN, noch ein JA. Es wird allerdings, in der Gesellschaft immer als JA angesehen.

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    • Eine Frau, und ja niemand muss sich etwas gefallen lassen und Gleichberechtigung fängt früh an…

      Ja, im Kaufmännischen heißt es ja schon „schweigen ist Zustimmung“ was eben nicht stimmt

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      • Da liegt das Problem, denn in einem Bereich ist Schweigen Zustimmung, in dem Bereich, den du beschrieben hast, eben nicht und die Gesellschaft muss einfach lernen, dass das zwei Welten sind.

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