Wenn das Herz mehr sieht als die Augen


Manchmal frage ich mich: Bin ich sonderbar?

Diese Frage begleitet mich, seit ich denken kann. Schon als Kind spürte ich Dinge, die andere nicht bemerkten. Ich sah sie nicht mit den Augen – sondern mit dem Herzen. Ich fühlte Menschen. Nicht ihre Worte. Sondern das, was sie nicht sagten. Nicht ihr Lächeln – sondern das Zittern darin. Nicht ihre Stärke – sondern das, was sie mühsam versteckten.

Es ist schwer, das zu erklären. Wie beschreibt man etwas, das keine Form hat?

Manchmal glimmt etwas um Menschen herum. Eine Aura, ein Schatten, ein Licht. Eine Schwere, die zwischen uns aufblitzt, noch bevor das erste Wort gesprochen ist.

Früher dachte ich, ich bilde mir das nur ein. Doch je älter ich wurde, desto mehr begriff ich: Nicht jeder fühlt so. Nicht jeder sieht das.

Als Kind wurde ich ausgelacht, weil ich Dinge wusste, die „keiner wissen konnte“. Ich wurde seltsam angeschaut, wenn ich sagte: „Der ist gar nicht glücklich.“ – obwohl jemand gerade herzlich lachte. Oder: „Da stimmt was nicht.“ – obwohl alles äußerlich perfekt schien.

Also schwieg ich. Ich sperrte mein Gespür in eine Schublade und ließ niemanden mehr hinein.

Aber das Gefühl blieb. Es wurde mein Kompass – mein Bauchgefühl. Und es hat mich oft gewarnt. Es hat mich manchmal getäuscht. Doch meistens lag ich richtig.

Ich lese zwischen den Zeilen. Ich höre, was nicht gesagt wird. Ich erkenne das Zittern in der Stimme, den Bruch in der Haltung, den Blick, der zu lange auf dem Boden bleibt.

Manchmal ist es ein Segen. Manchmal ein Fluch.
Denn es tut weh, zu fühlen, was andere nicht zeigen wollen.

Die Eiskönigin und das Chaosherz

Ich wirke auf viele unnahbar. Kühl. Still.

Wenn ich fremde Menschen treffe, bin ich leise. Ich beobachte. Ich taste mich heran. Nicht, weil ich arrogant bin – sondern weil ich vorsichtig bin.

Vertrauen ist für mich kein Geschenk, das ich leichtfertig verteile. Es ist ein zartes Band, das wachsen muss.

Ich muss fühlen, dass ich nicht falle, wenn ich springe. Und wenn ich dieses Gefühl nicht habe – dann bleibe ich still.

Deshalb nennen mich manche die „Eiskönigin“.

Sie sehen nur die Oberfläche. Die kontrollierte Fassade. Die ruhige Stimme.

Doch in mir tobt oft ein Sturm. Ein inneres Feuer, das ich nur zeige, wenn ich mich sicher fühle. Wenn ich wirklich vertraue.

Dann bin ich plötzlich laut. Fröhlich. Aufgedreht. Dann tanze ich durchs Zimmer, lache zu laut, spreche zu schnell, reiße dumme Witze. Dann zeige ich mein Chaosherz.

Dann bin ich echt.

Viele, die mich nur flüchtig kennen, glauben, ich sei widersprüchlich. Doch das bin ich nicht. Ich bin beides. Die schweigende Beobachterin und die überdrehte Clownin.

Ich liebe es, meine Menschen zum Lachen zu bringen – auch, wenn ich selbst innerlich kämpfe.

Weil ich weiß, wie viel ein Lächeln bewirken kann. Manchmal brauchen wir das Licht, das wir anderen schenken, selbst am meisten.

Die Sprache der Seele – und warum Schweigen manchmal lauter ist

Es gibt eine Sprache, die keine Worte braucht. Eine Sprache, die man nicht lernt, sondern spürt.

Die Sprache der Seele.
Ich höre sie.

In der Stille eines Chats. In den Pausen zwischen zwei Sätzen. In der Art, wie jemand „Mir geht’s gut“ sagt – und wie es sich nicht gut anfühlt.

Manchmal sehe ich den Schmerz in einem Gesicht, bevor der Mensch ihn selbst zulässt. Manchmal fühle ich, dass jemand zerbricht – auch wenn er es perfekt versteckt.

Und manchmal weiß ich nicht, ob ich das aussprechen darf.

Denn nicht jeder ist bereit, gesehen zu werden. Nicht jeder will, dass man hinter die Fassade blickt.

Aber ich kann es nicht abstellen.

Es ist wie bei Tieren: Sie spüren, wer es gut mit ihnen meint. Sie brauchen keine Beweise, keine großen Reden.

Ich bin ein bisschen wie sie. Ich rieche Misstrauen. Ich schmecke Unehrlichkeit. Ich fühle, ob jemand echt ist.
Und ja – das macht das Leben manchmal schwer.
Weil ich kaum etwas „einfach so“ nehmen kann. Weil ich hinterfrage. Weil ich fühle.

Aber es ist auch ein Geschenk. Denn in einer Welt voller Lärm, Fassaden und Oberflächlichkeit kann dieses Gespür eine Brücke sein – zu dem, was wirklich zählt.
Ein Herz, das tief fühlt – und schwer vergisst

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen: Mein Herz ist kein Fehler. Es ist meine Stärke.
Es ist ein Resonanzraum. Es reagiert auf alles. Es liebt zu tief, leidet zu ehrlich, hofft zu lange.
Und gerade deshalb bin ich vorsichtig.
Ich öffne mich nicht leicht. Ich schenke keine zweiten oder dritten Chancen – nicht aus Stolz, sondern aus Schutz.

Denn jedes Mal, wenn jemand mein Herz achtlos betreten hat, blieb eine Narbe zurück.
Und wer viele Narben trägt, wird vorsichtiger mit seiner Haut.
Aber trotzdem weiß ich:

Wer sich nicht traut, sein Herz zu öffnen, wird nie erfahren, was richtig ist.

Nicht nur in der Liebe. Auch in Freundschaft. In Familie. In der Leidenschaft für das, was wir tun.
Die tiefsten Begegnungen entstehen nicht aus Logik – sondern aus Gefühl.

Aus dem Moment, in dem zwei Herzen sich erkennen. In dem man jemanden sieht – wirklich sieht – und sich selbst dabei nicht mehr so allein fühlt.
Echtsein – auch wenn es unbequem ist

Vielleicht bin ich sonderbar.
Aber vielleicht bin ich auch einfach nur echt.
Ich bin nicht perfekt. Ich bin nicht einfach. Ich bin viel – und manchmal zu viel.
Aber ich bin ehrlich.

Ich zeige, was ich fühle – wenn ich darf. Ich spüre, was du versteckst – ob du willst oder nicht. Ich bin vorsichtig – aber wenn ich vertraue, dann ganz.
Ich bin kein Mensch für halbe Sachen.
Ich will Tiefe. Verbindung. Wahrheit.
Auch wenn sie weh tut. Auch wenn sie mich angreifbar macht.

Denn ich habe gelernt: Das Herz ist nicht dafür gemacht, in Schubladen zu liegen.
Es will schlagen. Lieben. Fühlen. Leuchten.
Und manchmal auch – leiden.

Aber vor allem:
Es will leben

2 Antworten zu “Wenn das Herz mehr sieht als die Augen”

  1. Hallo. 🔆😊
    Mir gefallen sehr viele Beiträge von dir, du hast eine so angenehme Art, wie du dich mitteilst.
    Das was du hier beschreibst & durchlebst, mit deinen offenen Antennen, kann ich so gut nachempfinden. Leider manchmal, aber ich sehe es auch mehr als Geschenk an. 🤗

    Alles Liebe 🙌🏻❤️

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