
14 Jahre alt bist du geworden. 11 davon durften wir an deiner Seite sein.
Vor elf Jahren hast du mein Herz erobert. Deine traurigen braunen Augen haben direkt in meine Seele geblickt, als wüsstest du, dass ich dich brauche – genauso sehr, wie du mich brauchtest. Du saßt dort im Tierheim, verloren, erschöpft, als hätte das Leben dich längst aufgegeben. Vielleicht war es genau das, was uns zusammengeführt hat. Zwei verletzte Seelen, die sich gefunden haben, um sich gegenseitig zu heilen.
Elf Jahre sind wir gemeinsam durch dieses Leben gegangen. Du hast mir Sicherheit gegeben, und ich dir Vertrauen. Wir waren nicht einfach nur Hund und Mensch – wir waren eins. Zwei Herzen, die im selben Rhythmus schlugen, zwei Wesen, die sich auch ohne Worte verstanden. Ich musste dich nicht rufen, du wusstest, wann ich dich brauchte. Ich musste nicht sprechen, du hast meinen Schmerz gespürt, lange bevor ich selbst wusste, dass er da war.
So viele Nächte hast du bei mir gelegen, hast meine Albträume verscheucht, hast mich beschützt, ohne dass ich es aussprechen musste. Du warst einfach da. Bedingungslos. Immer. Und ich? Ich fühlte mich nur sicher, wenn du mit mir im Raum warst. Dein Blick folgte mir, egal wohin ich ging. Und ich wusste: Solange du da bist, werde ich nicht untergehen.
Wir waren mehr als ein Team. Wir waren eine Seele in zwei Körpern.
Jetzt bist du fort. Und mit dir ist ein Stück von mir gegangen. Die Welt fühlt sich leer an ohne dein leises Atmen neben mir, ohne deine Augen, die mich verstehen, ohne deine Nähe, die mich hält. Ich greife nach Erinnerungen, versuche, dein Fell noch einmal unter meinen Fingern zu spüren, dein Gewicht an meiner Seite, deinen vertrauten Blick. Du hast uns durch so viele Höhen und Tiefen begleitet, immer da, immer treu.
Doch alles, was bleibt, ist Stille. Deine Pfoten, die immer leise hinter uns her tapsten, werden wir nie mehr hören. Doch in unseren Herzen wirst du immer bei uns sein, unsere Lea.
Bis zum allerletzten Moment haben wir dich gehalten, dich begleitet und dir gezeigt, dass du niemals allein bist. Der Abschied tut weh, mehr, als Worte es jemals ausdrücken könnten. Aber wir wissen, dass wir uns eines Tages wiedersehen.
Bis dahin tragen wir dich in unseren Herzen, in unseren Gedanken, in all den Erinnerungen, die du uns geschenkt hast. Wir lieben dich, Lea. Und wir werden dich niemals vergessen.
Was die Raupe das Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling. Fliege frei, Lea. Und tobe ordentlich über die Wolken.
Heute habe ich bei Google nachgesehen, wie man einen Blog löscht. Einfach so. Ein paar Klicks und alles, was ich je geschrieben habe, alles, was ich je geteilt habe, könnte verschwinden. Und ich war überrascht, wie leicht es wäre. Keine Kurzschlusshandlung, keine Panik. Nur eine bewusste Entscheidung, mich zurückzuziehen, um niemanden mehr zu verletzen. Und nun folgt dieser Beitrag um dich teilhaben zu lassen….
Denn Trauer bringt unser hässlichstes Gesicht zum Vorschein. Sie frisst sich in die Gedanken, in die Worte, in die Art, wie wir Menschen behandeln, die es eigentlich nur gut mit uns meinen. Und mein Herz… mein Herz ist am Dienstag gebrochen. In einer Art und Weise, die ich nicht in Worte fassen kann.
Es gibt keinen Schmerz, der sich in Worte fassen lässt, wenn ein Herz in tausend Stücke zerbricht. Kein Satz, keine Umschreibung, kein Trost kann das auffangen, was sich anfühlt wie ein endloses Fallen. Ich stehe inmitten dieser Leere, dieser Stille, dieser Kälte, die alles durchzieht.
Seit Dienstag bin ich nicht mehr ich. Ich existiere, ja, aber ich funktioniere nicht mehr. Die Welt dreht sich weiter, als wäre nichts passiert, als wäre meine Seele nicht auseinandergerissen worden. Ich sehe Menschen lachen, höre Gespräche, sehe das Leben draußen weitergehen – aber es erreicht mich nicht. Ich stehe am Rand, als wäre ich aus meinem eigenen Dasein herausgerissen worden, und alles, was bleibt, ist dieses Loch in mir, das nichts füllen kann. Ich schaffe es, in kurzen Momenten am Telefon zu Überspielen. Um meinen Mitmenschen keine Sorgen zu bereiten. Aber immer nur kurz.
Ich wollte schreien, aber meine Stimme versagt. Ich wollte weinen, aber irgendwann sind die Tränen versiegt, und jetzt bleibt nur noch diese taube Leere. Ich wollte die Zeit anhalten, zurückdrehen, alles ungeschehen machen – aber was bleibt mir außer der grausamen Wahrheit, dass nichts von alledem möglich ist? Nicht falsch verstehen, Lea zu erlösen von ihrem Leid war richtig. Ich wünsche mir die Zeit zurück die wir hatten. Nicht ihre Schmerzen.
14 Jahre. 11 Jahre, in denen du mich begleitet hast, mich gehalten hast, mir Sicherheit gegeben hast. Du warst nie nur ein Hund. Du warst Familie. Mein Schatten, meine Stütze, mein Herz. Du warst da, wenn ich gefallen bin, hast mich durch Nächte getragen, in denen ich dachte, dass es keinen Morgen gibt. Du hast mich bedingungslos geliebt, mit einer Treue, die tiefer ging als Worte. Und jetzt bist du weg.
Ich weiß nicht, wie ich atmen soll ohne dich. Wie ich diese Wohnung verlassen soll ohne deine Sicherheit, ich werde deine Schritte nicht mehr hören. Wie ich morgens aufstehen soll, ohne dass du mich mit diesem Blick ansiehst, der mir sagt, dass die Welt vielleicht doch nicht so schlimm ist.
Es ist still. So still, dass es mich zerreißt.
Ich will mich zurückziehen. Ich will niemanden sehen, nichts hören, nichts erklären müssen. Denn was gibt es zu sagen, wenn die Worte sowieso nicht reichen? Ich habe mein Herz verloren, und alle sagen mir, dass es irgendwann besser wird. Aber was, wenn ich nicht will, dass es besser wird? Was, wenn ich mich an diesem Schmerz festhalte, weil es das Letzte ist, was mir von dir bleibt?
Seit Dienstag ist alles anders. Und egal, wie sehr ich es mir wünsche – nichts wird jemals wieder so sein wie vorher.
Ich liebe dich, Lea. Und ich werde dich niemals vergessen.
So geht es mir gerade. Und bitte, komm mir nicht mit *Therapie* oder *du musst darüber reden*. Ich brauche keine Therapie. Ich brauche Zeit. Zeit, um das zu verarbeiten, um irgendwie wieder klarzukommen, um nicht ständig das Gefühl zu haben, mich für meinen Schmerz entschuldigen zu müssen.
Ich weiß, dass meine Lieben es gut meinen und ich danke euch. Aber ich brauche Zeit.
