Hallo Welt, du wunderschöner Planet,

du Heimat von so vielen Lebewesen, der unendlichen Vielfalt und atemberaubenden Schönheit. Du bist das Zuhause, das uns alle verbindet, egal woher wir kommen oder wie wir leben. Oft vergesse ich, wie beeindruckend du wirklich bist – dein Himmel, der sich in unzähligen Farben zeigt, das sanfte Rauschen des Meeres, die unermüdliche Bewegung des Lebens. Ich wünsche mir, mehr von dir zu sehen, mehr zu erleben, doch meine Tage auf dir sind gezählt.

Die Menschen, die dich bewohnen, sind so faszinierend. Sie sind so unterschiedlich, so komplex in ihrem Denken und Fühlen, und doch haben wir alle eines gemeinsam: Wir brauchen Liebe. Wir brauchen Respekt. Nur damit können wir in Harmonie leben. Unsere Welt hat so viele Kulturen, Bräuche und Traditionen, und doch verbindet uns alle die gleiche Sehnsucht nach Frieden und Zugehörigkeit.

Ich bin nur eine kleine Frau in einem Rollstuhl, die vielleicht in den Augen vieler nicht auffällt. Doch mein Vater, der aus Afrika kam und mir Werte vermittelte, die ich mein Leben lang in mir trage, hat mich gelehrt, dass jeder Mensch, unabhängig von Herkunft, Religion oder körperlichen Einschränkungen, das Recht auf ein würdiges Leben hat. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, und manchmal ist das Zuhören das größte Geschenk, das wir einander machen können. Mein Vater ist nicht mehr hier, aber seine Worte klingen weiter in mir. Durch das Zuhören lerne ich, durch das Aufnehmen der Geschichten anderer wachse ich. Jede Begegnung, selbst mit einem Fremden, ist eine Gelegenheit, mehr über das Leben und über mich selbst zu erfahren.

Darum habe ich, trotz meiner Herausforderungen, versucht, diesem Leben immer ein Lächeln zu schenken. Mein Körper mag mich im Stich gelassen haben, aber mein Herz ist noch voller Liebe, mein Geist ist wach. In jeder Begegnung, in jedem Moment, finde ich etwas, das mich bereichert. Manchmal nur ein Lächeln oder ein freundliches Wort, doch es gibt mir das Gefühl, lebendig zu sein.

Trotzdem spüre ich den kalten Wind der Veränderung. Unsere Gesellschaft verändert sich, und nicht zum Guten. Der Rechtsruck, den ich heute beobachte, lässt mich erstarren. Wie kann es sein, dass wir nach all den Schrecken der Vergangenheit nichts gelernt haben? Warum müssen Menschen noch immer wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Behinderung leiden? Ich habe Angst, meine Religion offen zu leben. Ich habe Angst, noch mehr Anfeindungen zu erleben, als Frau, als jemand im Rollstuhl.

Manchmal frage ich mich, wie wir diese Welt je heilen können, wenn wir uns nicht gegenseitig die Hand reichen. Wie können wir zusammenleben, wenn uns die Angst und der Hass so oft im Weg stehen? Aber dann erinnere ich mich an das, was mein Vater immer gesagt hat. Denn jeder Mensch trägt die Fähigkeit in sich, Gutes zu tun. Wir müssen es nur wollen.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir bleibt. Aber ich hoffe, dass ich diese Welt mit einem Funken Hoffnung verbessern kann. Dass eines Tages das Lächeln eines Fremden mehr zählt als die Angst vor dem Unbekannten. Dass wir lernen, uns gegenseitig wieder als Menschen zu sehen, nicht als Fremde.

Und ich möchte noch etwas von Herzen mit dir teilen. Es fällt mir nicht leicht, meine Gedanken in Worte zu fassen, denn in mir schwingt so vieles – Dankbarkeit, Schmerz, Freude und auch Angst.

Denn Freundschaft, dass habe ich gelernt, ist nicht an Raum oder Zeit gebunden. Sie existiert dort, wo Herzen sich begegnen.

Ein Freund sagte kürzlich zu mir:

„Manchmal ist das Schicksal positiv! Wir haben uns nicht gesucht und doch gefunden.“

Diese Worte klingen noch lange in mir nach, denn sie erinnern mich daran, wie wertvoll Begegnungen sind, selbst wenn sie unerwartet und auf Umwegen geschehen. Wir kannten uns nicht, und trotzdem sind wir jetzt eng verbunden – nicht durch gemeinsame Erlebnisse im Alltag, sondern durch tiefe Gespräche und gegenseitige Unterstützung. Eine Freundschaft, die trotz der Distanz so viel Halt gibt, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

Ich bin dankbar für diese und viele andere Freundschaften, auch wenn sie nur virtuell existiert. Denn was bedeutet schon „nur“? Die Verbindungen, die ich im Internet geknüpft habe, sind mir oft näher als manche Menschen, die physisch bei mir sind. Ich möchte hier niemanden angreifen. Es spielt keine Rolle, dass wir uns nie die Hand gereicht oder uns in die Augen geschaut haben – Freundschaft ist etwas, das im Herzen stattfindet, nicht an einem bestimmten Ort. Die Kilometer zwischen uns lösen sich auf, wenn wir miteinander sprechen, und ich spüre, dass ich nicht alleine bin. Was aber auch nicht bedeutet, dass meine realen Freunde nicht mindestens genauso viel bedeuten.

In meinem Leben gibt es viele Herausforderungen, die sich nicht ignorieren lassen. Der Tumor, der mich an mein Bett fesselt und die Tatsache, dass ich nie wieder „gesund“ oder laufen werde – das sind Realitäten, die mich begleiten. Und ja, manchmal gibt es diese dunklen Stunden, in denen die Last zu schwer erscheint. Doch inmitten dieser Dunkelheit gibt es auch Licht – und das kommt oft von den Menschen, die ich „Freunde“ nennen darf.

Wir wissen alle nicht, wie lange wir leben, aber ich möchte, dass ihr wisst, wie wichtig ihr mir seid. Jeder Moment des Austauschs, jede Nachricht, jedes Zeichen der Nähe bedeutet mir mehr, als ich in Worte fassen kann. Ich habe gelernt, dass das Leben nicht in der Länge gemessen wird, sondern in der Tiefe der Verbindungen, die wir knüpfen. Und diese Verbindungen geben mir Trost und Kraft in einer Zeit, in der mein Körper schwächer wird, mein Geist aber noch voller Leben ist.

Vielleicht liest du dies und fragst dich, was du einem Menschen wie mir geben kannst? Die Antwort ist einfach: deine Freundschaft. Sie gibt mir das Gefühl, dass ich noch immer Teil dieser Welt bin, auch wenn mein physisches Dasein immer mehr schwindet.

Ich möchte, dass du weißt: Auch wenn mein Leben schwer und kompliziert ist, fühle ich mich gesegnet. Gesegnet durch Freundschaften, die Grenzen überschreiten, und durch Menschen, die in meinem Leben sind, auch wenn wir uns nie persönlich begegnen.

Und bis zum Schluss werde ich versuchen, diese Liebe zu leben. Für mich, für meinen Vater, für alle, die kämpfen. Auf die Freiheit und das Recht individuell zu sein.

Mit Liebe, 

Eine kleine Frau im Rollstuhl.

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