Zukunft

Die Angst vor einem MRT ist überwältigend, besonders wenn der Grund für die Untersuchung ein austherapierter Hirntumor ist. Schon der Gedanke, dass der Tumor gewachsen sein könnte, lastet schwer auf der Seele. Das Brummen der Maschine, die Enge der Röhre, alles verstärkt die ohnehin schon vorhandene Beklemmung. Jede Sekunde, die vergeht, fühlt sich an wie eine Ewigkeit, in der die Sorgen unaufhörlich kreisen.

Was, wenn der Tumor größer geworden ist? Der Gedanke, austherapiert zu sein, ist kaum zu ertragen. Die Vorstellung, dass die Medizin keine Antwort mehr hat, ist erschreckend und entmutigend. Man fühlt sich hilflos, gefangen im eigenen Körper, der einem fremd und unkontrollierbar erscheint und durch die Querschnittlähmung immer mehr versagt.

Diese Ängste und Sorgen durchlebe nicht nur ich, auch meine Familie und Freunde. Der Wunsch nach Heilung ist da – natürlich, doch gleichzeitig lauert die Furcht, dass es keine weiteren Optionen gibt. Man kämpft mit dem Gefühl, dass die Zeit einem durch die Finger rinnt – wie Sand, während man gleichzeitig um jeden Moment hofft, der noch kommt.

Doch trotz all dieser Ängste gibt es auch Momente der Hoffnung. Die Medizin entwickelt sich ständig weiter, neue Therapien und Behandlungsmethoden entstehen. Auch wenn die Angst vor dem MRT und vor dem, was es zeigen könnte, verständlich ist, darf man die Hoffnung nicht verlieren. Jeder Tag bringt neue Möglichkeiten, und auch wenn der Weg schwer ist, gibt es immer wieder Lichtblicke, die den Mut nähren und die Kraft geben, weiterzukämpfen.

Es ist wichtig, sich diese Ängste einzugestehen und sie nicht zu verdrängen. Doch ebenso wichtig ist es, sich selbst daran zu erinnern, dass man nicht allein ist. Unterstützung von Familie, Freunden und medizinischen Fachkräften kann dabei helfen, diese Ängste zu bewältigen und einen Schritt nach dem anderen zu gehen – immer mit dem Blick nach vorne, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Das Leben mit einem Hirntumor ist eine Reise, die man sich nicht freiwillig aussucht, doch eine, die man irgendwie annehmen muss. Seit 25 Jahren lebe ich mit dieser Diagnose, eine Krankheit, die sich tief in mein Leben eingegraben hat. Die anfängliche Hoffnung auf Heilung, auf das Überwinden dieses dunklen Schattens, hat sich mit der Zeit gewandelt. Heute bin ich austherapiert, die medizinischen Möglichkeiten sind erschöpft. Doch das bedeutet nicht, dass mein Leben zu Ende ist.

Jeden Tag kämpfe ich mit der Realität, dass meine Gesundheit immer weiter abnimmt. Die Vorstellung, meine Träume aufgeben zu müssen, weil mein Körper nicht mehr kann, raubt mir den Atem. Es gibt so vieles, was ich noch erleben wollte, doch die Krankheit zieht mir diese Chancen immer weiter aus der Reichweite. Die Angst vor der Zukunft ist allgegenwärtig. Sie verfolgt mich in jeder stillen Minute, in jedem Moment, in dem ich allein bin mit meinen Gedanken.

Auf Pflege angewiesen zu sein, ist eine der größten Herausforderungen, denen ich mich stellen muss. Es ist schwer, die Kontrolle über das eigene Leben abzugeben, sich in die Hände anderer zu begeben und zu wissen, dass man nicht mehr vollständig selbstbestimmt ist. Diese Abhängigkeit fühlt sich oft erdrückend an, auch wenn ich dankbar für die Unterstützung bin, die ich bekomme.

Diese Krankheit hat mir viel genommen, das ist unbestreitbar. Sie hat meinen Körper geschwächt, meine Lebensqualität beeinträchtigt und mich oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Aber sie hat mir auch viel gegeben – eine andere Perspektive auf das Leben, eine tiefere Wertschätzung für die kleinen Momente und die Erkenntnis, dass Stärke nicht bedeutet, immer kämpfen zu müssen. Manchmal ist Stärke auch, loszulassen, zu akzeptieren und trotzdem weiterzugehen.

In einer Welt, in der die Zukunft oft ungewiss ist, habe ich gelernt, meine eigenen Zukunftspläne zu schmieden. Diese Pläne sehen anders aus als die der meisten Menschen, aber sie sind nicht weniger wichtig. Es geht nicht darum, große Ziele zu erreichen oder ferne Träume zu verwirklichen, sondern darum, jeden Tag bewusst zu leben, die Zeit, die mir bleibt, mit Sinn zu füllen. Ich plane, meine Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind, die Dinge zu tun, die mir Freude bereiten, und mich von der Krankheit nicht definieren zu lassen.

Die Vorstellung, austherapiert zu sein, klingt wie ein Ende, aber für mich ist es ein neuer Anfang. Es ist die Chance, mich von dem ständigen Druck der Behandlungen zu befreien und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe nicht mehr die Illusion, unbesiegbar zu sein, aber ich weiß, dass ich die Kraft habe, mein Leben so zu gestalten, wie es für mich richtig ist.

Meine Zukunftspläne sind vielleicht nicht in Jahrzehnten zu messen, aber sie sind erfüllt von Momenten, die zählen. Ich werde weiterhin lachen, lieben und leben, solange es mir möglich ist. Und wenn der Tag kommt, an dem ich Abschied nehmen muss, dann werde ich es mit dem Wissen tun, dass ich trotz allem mein Leben gelebt habe – mit all seinen Höhen und Tiefen.

Trotz allem versuche ich, den Mut nicht zu verlieren. Es gibt Tage, an denen ich an meine Grenzen komme, an denen ich mich frage, wie lange ich noch die Kraft haben werde, weiterzumachen. Doch dann gibt es auch Momente, in denen ich die kleinen Dinge schätzen lerne, in denen ich das Leben trotz allem noch als wertvoll empfinde.

Das Leben mit einem Hirntumor ist eine Gratwanderung zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Akzeptanz und dem ständigen Wunsch nach mehr Zeit. Ich weiß, dass meine Reise nicht einfach ist und dass der Weg vor mir ungewiss bleibt. Aber solange ich noch die Fähigkeit habe, meine Gedanken zu teilen und meine Gefühle auszudrücken, werde ich nicht aufhören, um jeden Moment zu kämpfen, der mir noch bleibt.

2 Antworten zu “Zukunft”

  1. Wieder ein tiefgreifender berührender Ausschnitt aus Deinem Leben. Ich kann Deine Gefühle und Gedanken förmlich spüren und sie machen mich traurig, aber auch kämpferisch! Aufzugeben kommt nicht in Frage, aber Pausen zu machen und sich für einen Tag einzugestehen, dass man nicht immer die Kraft aufbringen kann, stark zu sein. Denn das Akzeptieren einer solchen Pause, ist auch Stärke und lässt einen wieder einen neuen Anlauf nehmen für den nächsten Tag.

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