Gedankenmonster

Kennst du das Lied Grapefruit von Julia Engelmann? Das läuft bei mir rauf und runter!

Ich denke, ich schulde euch Ehrlichkeit, auch wenn mir die folgenden Worte schwerfallen und ich selbst noch total neben mir stehe.

Ich musste mich in der Onkologie vorstellen, da ich neurologisch austherapiert bin, aber trotzdem körperlich abbaue, Symptome habe und die Schmerzen weiter zunehmen. Die Schmerzmittel wirken inzwischen leider kaum noch.

Bei meinem Tumor wurde eine Mutation festgestellt. Diese Mutation wurde unter anderem bei schwarzem Hautkrebs näher untersucht. In den USA gibt es eine Therapie, die teilweise anschlägt. Diese Therapie ist in Europa aber (noch) nicht zugelassen, vor allem nicht in Verbindung mit meinem Krebs – bei schwarzem Hautkrebs allerdings schon. Nun möchten die Onkologen einen Antrag für eben diese Therapie bei meiner Krankenkasse stellen für einen „off-label“-Use, also einen nicht standardmäßig zugelassenen, individuelle Therapieversuch. Um was genau handelt es sich dabei? Es geht um eine Kombinationstherapie mit einem BRAF und einem MEK-Inhibitor: Dabrafenib und Trametinib. Es wäre eine Langzeittherapie, für die es noch nicht viele Erfahrungsberichte gibt. Im Internet findet man zu den Nebenwirkungen Folgendes:

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Dabrafenib gehören Befindlichkeitsstörungen wie grippeähnliche Symptome und Magen-Darm-Beschwerden sowie Kopfschmerzen, Schwindel, Haarausfall, Muskel- und Gelenkschmerzen. Schwerwiegendere gelegentlich auftretende Nebenwirkungen von Dabrafenib sind Hautkrebs-Formen wie Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome, Nieren- und Leberfunktionsstörungen Augapfel-, Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Herzrhythmusstörungen.

Klingt doch wie eine mega Party – Ironie Ende. Wir wissen alle, dass nicht alle Nebenwirkungen bei allen Anwendern auftreten, aber die Angst bleibt bei mir trotzdem.

Es wird empfohlen zur Überwachung während der Therapie alle 3 Monate ins MRT und alle paar Wochen in die Haut – und Augenklinik zur Kontrolle zu gehen. Da denke ich persönlich mal wieder über einen Port nach, denn ein MRT bringt ja auch Blutkontrollen und Kontrastmittel mit sich. Meine Venen sind erschöpft vom vielen Anstechen und verstecken sich. Ich kann sie verstehen, aber haben wir eine andere Wahl, als das Spiel mitzuspielen? Zumal ich meiner Leber schon gut zu reden muss, damit sie nicht zickt, kann ich nicht auch noch den Venen einen Vortrag halten. Ich müsste auch weiter versuchen beim Schmerztherapeuten voranzukommen und das Ding in meiner Nebenhöhle wird trotz Kortison Spray nicht besser. Da ist das letzte Wort also auch noch nicht gesprochen. Mein Zuckerhaushalt spinnt seit ein paar Tagen und ich falle in einen Unterzucker, obwohl ich kein Diabetes habe. Zum Glück hat aber mein Mann ein Messgerät und ich kein Problem damit mir alle 3h in den Finger zu piksen.

Wie ihr lest, muss vieles passieren und dass, obwohl ich kaum noch Sitzen geschweige denn die Wohnung verlassen kann. Ich schaffe kein soziales Leben mehr aufrechtzuhalten und kann nicht zum Chor, Streamen, mich mit Freunden treffen…. Es fehlt mir einfach die Kraft zu sitzen oder überhaupt irgendetwas zu machen. Jede Bewegung muss überdacht und geplant werden: Duschen, selbst Zähneputzen (und das trotz Hilfe), …

Ich funktioniere nicht mehr. Und habe wirklich lange überlegt, ob und wie ich das öffentlich mache. Da ich das Gefühl habe, dich damit in meine persönliche Hölle zu lassen und mit in den Abgrund zu ziehen. Aber am Ende ist es deine Entscheidung, ob du hier bist oder nicht. Ich freue mich jedenfalls, wenn du mir die Daumen drückst und eventuell einen Kommentar dalasst.

Ich denke, dass was mich am meisten fertig macht, ist die Tatsache, dass ich im Prinzip keine Wahl habe. Es gibt einfach keine anderen Optionen mehr. Eine Freundin schrieb mir:

„…. Die meisten Menschen mit deiner Erkrankung schaffen es nicht dahin, sonst gäbe es noch zugelassene Optionen.“

Ja, ich bin stolz immer noch da zu sein! Keine Frage. Aber ich kann mich auch nicht von der Unsicherheit und der Angst lossagen. Ich hänge in der Schwebe und versuche weiter zu lächeln und für dich da zu sein, solange meine Kraft es zulässt.

Hab einen schönen Tag. 

8 Antworten zu “Gedankenmonster”

  1. Geht es heute ein bisschen besser? Melde dich mal, wenn die Krankenkasse eine Entscheidung getroffen hat. Würde mich interessieren, ob sie in dringenden Einzelfällen menschlich reagiert, oder eher auf dem Profitprogramm bestehen bleibt.

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    • Ich werde bescheid geben, denke vor dem 8.2 werde ich nichts erfahren. Am 8.2 muss ich wieder in die Onkologie.
      Mir geht’s okay , danke und dir ? Ich hoffe du bist immer noch ohne Erkältungssymptome?

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      • Alles gut, auch wenn unsere Dienstkleidung nur aus einer dünnen Sommerhose und einem Poloshirt besteht. Wir haben uns daran gewöhnt. Gestern waren es Hauptsächlich die Finger, die froh waren, als die Heizung im Auto wieder ging.
        Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dann „schon“ weißt, ob die Krankenkasse zahlt, oder nicht. Aber das ist jetzt wenigstens ein Ziel. 8.2. noch 3 Wochen. Gefühlt noch Monate. 🙄

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  2. Mein Leitspruch, wenn mal irgendwas dumm läuft, ist: alles wird gut. Den werde ich mir hier verbeißen. Ich hoffe die Krankenkasse spielt mit und es kommt so, wie du es dir erhoffst. Ich drücke dir die Daumen und hoffe, dass es dir bald wieder etwas besser geht.

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  3. Liebe Kämpferin,

    Du hast mein tiefes Mitgefühl und wenn es in meiner Macht liegt, dann würde ich Dir gerne zur Seite stehen. Manchmal braucht man nur ein Ohr und keine guten Ratschläge. Dieses leihe ich Dir gerne, wann immer Du mich brauchst und ich es innerhalb meiner Kraft schaffe.

    Wir kennen uns noch nicht lange, aber ich habe Dich als einen wunderschönen und wunderbaren Menschen kennengelernt. Eben, auch Du bist menschlich, und deshalb sind die Ängste auch nur zu verständlich!

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