Mens Humanus

Die hroßartigste Fähigkeit des menschlichen Geistes ist vielleicht die, mit Schmerzen fertig zu werden. Die klassische Philosophie spricht hier von den vier Pforten des Geistes die man durchschreiten kann. Die erste Pforte ist die des Schlafs. Der Schlaf bietet uns Zuflucht vor der Welt und all Ihrem Leid. Im Schlaf vergeht die Zeit und das verschafft uns Abstand zu den Dingen die uns Schmerz zugefügt haben. Wenn Menschen Verletzungen erlitten haben werden sie oft bewusstlos und jemand der vielleicht eine schlimme Nachricht erhält fällt vielleicht in Ohnmacht. Der Geist schützt sich also vor dem Schmerz, indem er diese erste Pforte durchschreitet.
Die zweite Pforte ist die des Vergessens. Manche Wunden sind zu tief um wieder verheilen zu können oder zumindest zu tief für eine schnelle Heilung. Hinzu kommt, dass manche Erinnerungen ausschließlich Schmerzhaft sind und sich da nichts heilen läßt. Das Sprichwort „Zeit heilt alle Wunden“ entspricht nicht der Wahrheit. Die Zeit heilt die meisten Wunden, die übrigen sind hinter einer dieser Pforten verborgen.
Die dritte Pforte ist die des Wahnsinns. Manchmal erhält der Geist einen so verheerend Schlag, dass er sich in den Wahnsinn flüchtet. Das ist nützlicher als es zunächst scheint. Manchmal besteht die Wirklichkeit nur noch aus Schmerz und um aus diesem Schmerz zu entrinnen muss der Geist den Schmerz hinter sich lassen.
Die vierte und letzte Pforte ist die des Todes. Der letzte Ausweg. Wenn wir erst einmal tot wären könne uns nichts mehr etwas anhaben – heißt es jedenfalls.

Oft weinen Menschen bei seelischen oder körperlichen Schmerzen. Weinen ist eine Art loslassen. Es löst innere Spannungen und zeigt unserem Gegenüber wie wir uns fühlen. Es ist authentisch und ehrlich.

Für mich war Weinen eine sehr lange Zeit etwas peinliches. Ich konnte nur weinen , wenn ich alleine war. Ich schämte mich für meine Tränen weil ich sie als Schwäche ansah und ich mir nicht erlaubte schwach zu sein. Ich erlaubte mir nicht, Hilfe anzunehmen und wollte alles mit mir alleine ausmachen. Das war wohl einer meiner größten Fehler. Niemand schafft alles alleine und Hilfe anzunehmen ist keine Schande. Das habe ich gelernt. Es fällt mir immer noch schwer um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen. Sei es körperliche Hilfe (etwas aus einem Regal zu holen oder mir eine Mütze auf setzen zu lassen) oder seelische Hilfe (reden, weinen, mich öffnen). Aber ich habe dazu gelernt und bin gewillt weiter zu lernen.
Schwäche zeigen ist Schwierig…

2 Antworten zu “Mens Humanus”

  1. Gefühle zeigen ist niemals eine Schwäche! Es ist eine Stärke 🙂 Gefühle jeglicher Art gehören zum Leben dazu und man muss sie ausleben um von ihnen zu lernen oder zu profitieren. Wie auch immer, du bist eine der stärksten Persönlichkeiten die ich kenne und du bist nicht allein, wenn du reden willst, du hast meine Nummer ❤️

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