Geburtstag 2.2

Der 21.Mai steht vor der Tür.

Zwei Jahre ist meine „Ü-Ei“ OP nun her.

Was waren das für wahnsinnig emotionale, aufregende, spannende zwei Jahre.

Es dreht sich in meinem Kopf, wenn ich darüber nachdenken, was diese Op verändert hat und was danach alles passiert ist.

Ich hatte so, so große Angst vor dieser OP und unbeschreiblich viele emotionale Gespräche!!

Die Angst anschließend 100% auf Hilfe und Pflege angewiesen zu sein, ist wahr geworden – aber dank toller Unterstützung gerade von einer bestimmten, für mich sehr wichtigen Person ist die Abhängigkeit und völlige Hilflosigkeit nicht mein absoluter Overkill geworden! Ohne Dich wäre ich mehr als einmal durchgedreht und wäre nicht da, wo ich heute bin! Danke Bärchen!

Es ist verrückt, wie schnell der Kopf verdrängt und sich nicht erinnern möchte.

Am letzten Abend vor der OP ist das obige Bild entstanden (das andere ist das erste Bild nach der OP und meine Narbe 2019)! Ein Teil meiner Herzensmenschen saß bei mir bis lange nach Besuchszeit und als sie gingen, spürte ich bei jedem einzelnen, wie schwer es ihnen fiel, mich dort zurück zu lassen. Und auch mir fiel es schwer, nicht einfach mit zu gehen und mich vor meinem Schicksal zu verstecken. Es konnte ja niemand ahnen, was die OP bringen würde…

Aber fangen wir am Anfang an!

Im Dezember 2018 hatte ich ein MRT und ein nicht so schönes Arztgespräch.  Im Tumor wuchs eine Zyste! Woher sie kam, wieso sie da war oder mit was sie gefüllt war, konnte niemand sagen. Fakt war allerdings, dass sie der Grund für meine Lähmungserscheinungen war, ebenso wie das unaufhaltsame Wachstum der Zyste. Es war klar, dass sie den Tumor zerreißen würde. Dabei würde ich innerlich, ohne es zu merken, verbluten oder die Lähmungen würden rapide schlimmer, sodass selbst das Atmen nicht mehr funktionieren würde. Damit stand fest, dass operiert werden musste! Das erschien in meinen Augen jedoch absolut undenkbar. Jahrelang wurden mir und meiner Mutter erklärt, dass nie wieder operiert werden könne, da der Tumor an einer riskanten Stelle und zu nah an den Nerven sei. Natürlich wehrte ich mich gegen die OP! Ich hatte Panik!

Auf der Suche nach Alternativen war direkt klar, dass eine Chemotherapie keinen Effekt hätte. Der folgende Termin in der Strahlenklinik war für mich auch nicht hilfreich. Noch hatte ich die Hoffnung durch eine Bestrahlung um die OP drum herum zu kommen. Aber nein der Strahle(fach)mann (Radioonkologe) sagte mir mit einem Grinsen, das ich nie mehr vergessen werde, dass die Schnittstelle die selbe sei wie 1999 und man mich damit umbringen würde. Meinen Kommentar „na entweder Sie oder der Tumor“ hat sein Grinsen merkwürdigerweise gelöscht – seltsam…

Ja, ich habe ihn der Zeit verbal um mich geschlagen – heute würde ich auch anders reagieren.

Die OP war also alternativlos. Mein betreuender Arzt wollte am liebsten schon im Januar operieren. Aber ich sagte, dass ich frühestens im Mai wollte. Denn es war eine Hochzeit geplant, bei der ich unbedingt dabei sein wollte. Die Wochen bis zur OP verbrachte ich bewusst. Ich setzte mich mit aktiver Sterbehilfe auseinander, schrieb Patientenverfügungen, führte sehr emotionale Gespräche, suchte meinen Grabstein aus und versuchte eine Sterbeversicherung zu bekommen. Die Dame am Telefon sagte mir ohne mich zu kennen: „Sie sind zu jung! Sterbegeld- Versicherungen gibt es erst ab 40.“

Ja, ich fand auch das ich zu jung zum Sterben sei und wollte leben! Meine Nichte aufwachsen sehen, meine Familie weiter ärgern und so vieles mehr.

Nein, ich hatte nicht mit dem Leben abgeschlossen. Ich wollte meinen Lieben nur so viel wie möglich abnehmen! Also habe ich – kleiner Kontrollfreak- alles selbst geplant. Für den Fall der Fälle.

Ich weiß nicht mehr, wie viele Tränen geflossen sind.

Die Nacht vor der OP, alleine in diesem großen Zimmer: Ich hatte Angst, mich ins Bett zu legen, weil ich genau wusste, so schnell verlässt du dieses Bett und dieses Zimmer nicht mehr…

Meine Familie kam am Morgen noch vor dem Frühdienst. Das war so abgesprochen. Ich wollte unbedingt vor der OP duschen, weil ich wusste, das wird lange Zeit nicht mehr gehen. Kaum war ich aus der Dusche, wurde ich auch schon zur OP abgeholt. Wie gerne hätte ich das – dieses Bild und dieses Gefühl, das man dabei hat, wenn ein geliebter Mensch abgeholt und ins Ungewisse geschoben wird – so gerne hätte ich das meinen Lieben erspart, aber das stand nicht in meiner Macht.

An die OP Vorbereitung kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Wir wissen ja zum Glück alle, wie die OP ausging!

Zwei Jahre fast komplett Tumorfrei!! Das ist ein Grund zu feiern (am Freitag den 21.5.)!

Also lasst uns alle feiern! Ob mit Wasser oder Saft – einfach mal einen großen Schluck auf das Leben nehmen und für die kleinen Dinge danken.

Erst kürzlich sagte jemand zu mir: „Wenn man nur will, gehen plötzlich Dinge, die vorher unmöglich erschienen.“ Diesen Satz, der mir viel bedeutet und für mich leuchtet, möchte ich als Schlusswort setzen und der Person danken.

2 Antworten zu “Geburtstag 2.2”

  1. Liebe Mila, ich werde einen auf Dich trinken. Das ist einen kleinen Schwips wert.Weiter so.Freu mich sehr für Dich und Deine Familie. Beate

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