Beerdigung von Anton und Fridolin

Es ist so schön, nun ohne sie zu leben und doch schwingt etwas beklemmendes mit.
Ich musste mich schon so früh mit ihnen anfreunden und akzeptieren, dass ich niemals tumorfrei leben würde, irgendwann vermutlich daran zu sterben. Während andere in meinem Alter „nur“ mit der Pubertät kämpften, hatte ich mit den Gedanken an Chemotherapie, Kontrollen und den Tod zu kämpfen.
Und nun ist wieder alles anders! Ich freue mich wirklich!! Trotzdem fällt es mir schwer.
Es dauert, all das zu verarbeiten und dann kommt ein Wort oder ein Foto und ich werde von der eigenen Vergangenheit eingeholt und überrannt. Es ist, als hätte ich ein Seil am Fuß und ich versuche eine Wand hoch zu klettern und auf einmal kommt ein innerer Zwerg, zieht an diesem Seil und ich rutsche wieder etwas nach unten.

Ich habe so lange mit meinen Mietnomaden gelebt – viel länger als ohne! Es war wirklich hart zu akzeptieren, dass ich krank bin und dass ich einen Rollstuhl brauche. Viele Tränen sind geflossen und oft war ich zu meinen Mitmenschen unfair, weil ich frustriert mit mir selbst war. Nun sitze ich hier und „muss“ quasi akzeptieren, dass sich mein Schicksal wie durch ein Wunder geändert hat. Ich kann es nicht begreifen.

Einer meiner Lieblingsmenschen sagte:
„Das ist ein riesengroßer Umbruch! Und da geht es nicht nur darum, dich an diese neue Situation zu gewöhnen. Meiner Meinung nach bringt jeder Umbruch auch die Notwendigkeit mit, sich vom Vergangenen zu verabschieden. Oder es zu würdigen. Oder anzuerkennen. In der Form, die es für einen selbst braucht, um gut zu tun.“

Und genau danach suche ich aktuell. Ich feier dieses Wunder und ich feier jeden Fortschritt!! Trotzdem habe ich das Gefühl, ich muss mich von Anton und Fridolin verabschieden.
Und allein dieser Satz ist doch schon verrückt! Aber hey! Ich habe nie behauptet „normal“ zu sein.

Eine Antwort zu “Beerdigung von Anton und Fridolin”

  1. Das sind doch großartige Neuigkeiten 🍀wer braucht schon Anton und Fridolin als Untermieter. Niemand!!
    Jetzt spickelst mal neugierig in das neue, besondere Leben.
    Bleib ja gesund und fang Dir keinen neuen Scheiß ein. Liebs Grüßle Beate

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