Leben !

Definiere Leben! Was ist das Leben? Wo liegt der Sinn darin? Gibt es überhaupt einen Sinn des Lebens? Wo liegt der Schwerpunkt? Das alles sind Fragen, die man nicht beantworten kann, da jeder Mensch individuell ist. Ich finde es ist wichtig, sich das noch mal vor Augen zu führen. Zumal ich hier über eine Krankheit schreiben möchte, in der diese Sicht sehr wichtig ist, denn jeder sieht, fühlt und handelt anders. Jeder muss das Leben der anderen, die Taten und Meinungen so annehmen und akzeptieren. Man könnte auch sagen, jeder Mensch ist sein eigener Picasso, den jeder Mensch kann die Farben seines Lebens selber bestimmen, er allein hält in einer Hand die grauen und schwarz, weißen Stifte und in der anderen Hand die verschieden Farben, es liegt bei jedem einzelnen mit welcher Hand er sein eigenes Kunstwerk namens Leben malt und genauso liegt es bei jedem einzelnen ob er sich sein Bild kaputt machen lässt. Er alleine entscheidet wer mit Malen darf und wer nicht. Nur leider wissen nur wenige von diesem Recht und nur wenige akzeptieren, dass jeder Mensch dieses Recht hat. Das ist das große Problem dieser Gesellschaft.
Aber vielleicht fange ich erst mal bei mir an. Ich wurde am 11. Februar 1988 geboren. Meine Geburt war kompliziert, ich kam per Kaiserschnitt auf die Welt, da ich sehr lange ohne Fruchtwasser im Bauch meiner Mutter lag und fast als Totgeburt geendet hätte. Ich kam mit 1280 g und nur 38 cm auf die Welt.
Meine Kindheit war wundervoll. Ich hatte immer viele Freunde und Freizeit. Meine Geschwister und ich, wir waren immer glückliche Kinder. Wie viel wir gelacht haben und toben durften. Unsere Wohnung lag genau an einem See. Eine Spielstraße trennte unseren Häuserblock von der Grund- und Hauptschule. Der Schulhof war mit einer Mauer umrandet auf der wir oft saßen oder sie bemalt hatten, aber nur wenn man hoch kam. Ich habe es nie aus eigener Kraft geschafft und wurde damit immer aufgezogen. Dieser Häuserblock hatte drei Häuser die alle vier Stockwerke hatten. Wir wohnten im ersten Haus ganz oben. Ich teilte mir mein Kinderzimmer immer mit einem meiner Geschwister, dass ist halt das Los der Mittleren. Aber schlimm fand ich es eigentlich nie. Wir hatten ein riesiges Kinderzimmer in dem wir fast alles machen durften was wir wollten. Einmal haben wir in den sechs Wochen Sommerferien eine Hütte in dem großen Zimmer gebaut. Wir haben in dieser Hütte oder besser gesagt Höhle verschiedene Zimmer eingebaut. Alles mit Bettlaken und Tüchern. Mama konnte sechs Wochen nicht Putzen in dem Zimmer und das währe dringend notwendig gewesen, da wir wirklich alles darin gemacht haben. Gegessen, geschlafen, gespielt, wirklich alles. Als die Schule dann wieder anfing und Mama die Höhle abgerissen hatte, mussten wir fast den Teppichboden raus reisen so verdreckt war alles. Aber meine Eltern haben selbst da nicht mit uns geschimpft. Genau unter meinem Kinderzimmer hatte meine Freundin B. ihr Zimmer mit ihrer kleinen Schwester Ch. Wir hatten uns so Kindertelefone gekauft und von uns aus durchs Fenster nach unten in B. Zimmer angebracht. So konnten wir immer in Kontakt sein und heimlich die Hausaufgaben zusammen machen, die am Ende aber dann doch immer falsch waren. Insgesamt wohnten dort ungefähr 60 Kinder im Alter zwischen 3 und 17 Jahren. Aber schon als Kind war ich zierlicher gebaut als andere Kinder.
Meine Mutter sagte immer: “Dieses Kind lebt von Luft und Liebe“. Sie musste mich immer zum Essen zwingen. Zu meinem Glück und ihrem Ärger hatte ich einen ganz tollen Vater. Immer, wenn ich heulend vor meinem Teller saß und alle andern schon fertig waren und meine Geschwister wieder spielen waren hatte er mir geholfen den Teller leer zu bekommen. Immer, wenn Mama die Küche verlassen hatte oder uns den Rücken zu drehte hatte er einen vollen Löffel genommen. So ging das bis der Teller leer war. Klar wusste meine Mutter, dass mein Vater es für mich gegessen hatte, aber das war mir als Kind nie bewusst. So kam es auch, dass meine Mutter anfing uns das Essen mit einem Korb der an einer Schnur befestigt war aus dem Fenster nach unten zu schicken. Wir, besonders ich, wollten ja nie was essen also hat sie es auf diesem Wege versucht. Sie hatte uns auch die Schuhe aus dem Fenster geworfen, wenn wir mal wieder zu faul waren mit den Inlinern vier Stockwerke hoch zu Kraxen. Dabei hatte sie einmal unsere Nachbarn fast erschlagen. Das war lustig. Da mein Bruder ein Fan von Asterix und Obelix war und noch immer ist, haben wir das natürlich immer geschaut. Hey mein großer Bruder, mein Vorbild mochte es, also mochte ich es natürlich auch. Meine Mutter hatte das ausgenutzt, sie machte uns ein Zaubertrank und meinte immer, danach seien wir so stark wie Obelix und wir könnten dann auch Hinkelsteine mit uns rum tragen. Das hatte uns natürlich animiert den Zaubertrank zu trinken und so übel hatte der auch nicht geschmeckt. Eigentlich ist der ganz einfach zu machen und sehr nahrhaft. Man nimmt eine Orange, presst die aus, macht etwas Traubenzucker und ein rohes Ei dazu. Mixt das gut zusammen und fertig ist das Wundermittel. Hätte ich damals gewusst was da drin ist, ich hätte es nie getrunken. Aber da ich es nicht wusste hab ich es natürlich getrunken. Danach haben wir immer so getan als sei ich Mega stark. Das war immer sehr lustig und meine Geschwister hatten immer mitgespielt. Wir haben auch oft Turtles gespielt. Uns ein Rucksack auf den Rücken geschnallt, mit einem Kissen drin, als Panzer und ein Kochlöffel als Waffe. Und dann ab durch die Wohnung kämpfend und schreiend. Ganz toll waren auch unsere Sommer, wir hatten nie nur ein Planschbecken draußen auf dem Rasen, sondern immer drei bis acht Stück. Dazu hatte jede Mutter immer etwas zum Essen raus gebracht für alle. Es war immer so als hätte man 59 Geschwister. Ich glaube mit 7 Jahren hatte ich eben in der Straße meine erste Schlägerei mit meiner Freundin N. Überhaupt die einzigen Schlägereien die ich als Kind hatte waren in dieser Zeit. Erst mit N. und dann mit B. Meine Mutter hatte immer Angst, dass mir etwas zustößt, da ich zu klein, leicht und ihrer Meinung nach, zu schwach war. Ich weiß nicht, wie oft sie mich zum Kinderarzt geschleppt hat, aber die Ärztin hat nie etwas ungewöhnliches gefunden. Heute wissen wir, die Frau Doktor hat gravierende Fehler gemacht. Wie es heute wäre, wenn sie damals ihren Job richtig gemacht hätte, weiß ich nicht, aber es wäre bestimmt anders.
Schon in der Grundschule stellte sich heraus, dass ich mich nicht lange konzentrieren konnte. Im Sportunterricht habe ich immer gemogelt. Ich konnte einfach nicht wie die anderen Kinder über den Barren springen. Da hab ich mich immer zu doof angestellt und ich wollte nie auffallen. Mein Sportlehrer hatte es die gesamten vier Jahre auch nie gemerkt. Was hätte er auch machen können? Er hielt mich eh für “zu unsportlich“, woher sollte er es denn auch besser wissen? Zudem waren die Lehrer bei mir immer mit anderen Dingen beschäftigt gewesen. Erstens kam ich immer zu spät, dabei musste ich ja nur über die Straße gehen. Aber das lag zum größten Teil an B. und N. Die zwei waren irgendwie nie fertig, wenn ich sie abgeholt hatte. Und zum andern mussten die Lehrer immer mich oder N. aus dem Raum stellen, da wir die ganze Zeit nur gelacht oder geredet hatten. Das änderte sich auch nicht großartig als ich eine Klasse wiederholen musste. Denn da war ja dann St., meine noch heutige beste Freundin.
Im Sommer 1997 sind wir zum ersten Mal so richtig in den Urlaub gefahren. Es war eigentlich immer so, dass wir nach Algerien zu Verwandten sind oder zu Mamas Verwandtschaft ins Erzgebirge. Und in diesem Sommer sind wir, nur unsere Familie nach Südfrankreich gefahren. Wir hatten uns ein Bungalow gemietet das ganz nah am Strand lag. Es waren herrliche Tage und es hätte ein super Urlaub werden können wäre mein Vater nicht krank geworden. Er war eigentlich schon länger krank, aber in diesem Urlaub hat er und wir es erst bemerkt. In Frankreich wurde er dann gleich ins Krankenhaus gebracht und schon dort wurde Krebs diagnostiziert. Aber er wollte sich da nicht behandelt, geschweige den Operieren lassen und somit wurde er schnellst möglich nach Freiburg gebracht. Dort hatte er dann OP, Chemo usw. Leider starb er vier Monate später. Das war am 22.12.1997.

Eine Antwort zu “Leben !”

  1. Das ist so ein toller Eintrag liebe Djami!! Ich wurde gerade richtig emotional während des Lesens und musste an all‘ die wundervollen Kindheitserrinnerungen mit dir denken. Schön, dass ein paar von ihnen auf Papier und somit verewigt wurden:) und weist du noch als Vögel das Kabel von unserem Telefon zerbissen haben und wir untröstlich darüber waren.

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu B Antwort abbrechen