Wo Flocken fallen & Gedanken bleiben

Diese Woche werde ich wieder im MRT liegen.
Dieses surrende, vibrierende, eingeengte Universum, das gleichzeitig so laut und so still ist, dass man fast vergisst zu atmen. Schon jetzt kriecht die Nervosität in mir hoch, wie kaltes Wasser an einem Wintermorgen. Sie berührt zuerst die Füße, dann die Knie, dann das Herz. Und irgendwann sitzt sie da, mitten in der Brust, und ich weiß nicht, wohin mit ihr.
Manchmal frage ich mich, wie ein Gefühl so groß werden kann, obwohl es keinen Namen hat. Angst? Erwartung? Hoffnung? Ein Gemisch aus allem, was man sich nicht erklären will und doch fühlt.

Und draußen, in Bestimmten Regionen, schneit es.
Es schneit so sanft, als wolle der Himmel uns streicheln.
Es schneit so leise, dass man fast meint, die Welt würde für einen Moment vergessen zu atmen.
Ich sehe die Flocken fallen und denke: Wie schön.
Und im nächsten Atemzug: Wie weh.
Denn Lea liebte Schnee. Und wenn die ersten Flocken tanzen, tanzen auch die Erinnerungen…. laut, zärtlich, unerbittlich.
Der Riss in meinem Herzen, von dem ich glaubte, er sei ein wenig verheilt, öffnet sich wie eine alte Wunde, die den Winter nicht verträgt.
Vielleicht ist es so: Schnee legt sich auf alles, aber nicht auf den Schmerz.



Gleichzeitig war da die letzen Tage dieser Spendenmarathon.
30 jahre RTL Spendenmarathon.
Die bunten Lichter, die Stimmen, die Bewegung und mittendrin meine Freundin.
Zum dritten Mal ist sie nach Köln gefahren, um für etwas Gutes zu laufen.
24 Stunden, in Etappen.
Nicht, weil sie musste.
Nicht, weil es jemand es verlangte. Sondern weil ihr Herz genau so schlägt: groß, warm, unermüdlich.
Ich staune über sie.
Jedes Jahr wieder.
Während sie rennt, den Wind auf der Haut, die Kälte im Gesicht, die Spenden im Blick, übernahm ich ihr Instagram.
Ich teilte ihre Schritte, ihre Momente, ihr Lachen, ihre kleinen Pausen.
Und während ich poste, fühle ich mich ihr nah… obwohl wir an zwei verschiedenen Orten stehen.
Es ist ein schönes Gefühl, Teil ihrer Mission zu sein. Ein warmes. Ein echtes.
Und dann macht sie auch noch Werbung für meinen Blog. Einfach so. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Ich merke, wie mein Herz bei diesem Gedanken weicher wird.
Wahre Freundschaft ist wie eine unsichtbare Decke: Man merkt erst, wie sehr sie wärmt, wenn man sie wirklich braucht.

Doch dann höre ich es knirschen.
Nicht unter meinen Schuhen, sondern in mir.
Der Dezember kommt.
Und mit ihm zwei Tage, die sich anfühlen wie zwei Welten:
Am 3. das MRT… ein Tag voller Fragen, Sorgen, Möglichkeiten, die in der Luft hängen wie schwere Wolken.
Und am 4. mein neues Tattoo…. ein Tag voller Symbolik, Farbe, Schmerz, Bedeutung.
Zwei Tage, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch zusammengehören.
Vielleicht, weil beides Teile von mir sind:
Das Zittern und der Mut.
Das Warten und das Werden.
Die Angst und die Kraft.

Manchmal glaube ich, dass der Dezember uns besonders prüft.
Er lässt Erinnerungen lauter werden, lässt Hoffnungen zittern, lässt die Kälte näher rücken.
Und gleichzeitig schenkt er Licht…. nicht immer dort, wo man es sucht, aber oft dort, wo man es braucht.
Im Schnee, der still vom Himmel fällt.
In einer Freundin, die läuft, weil ihr Herz so schlägt.
In einer Nachricht, die unerwartet gut tut.
In einem Tattoo, das sagt: „Ich bin hier. Ich gehe weiter.“

Vielleicht ist das Leben genau diese Mischung:
Ein zarter Tanz aus Trauer und Trost.
Aus Schnee und Herzschlag.
Aus Loslassen und Festhalten.
Aus all dem, was uns bricht, und all dem, was uns heilt.

Während der Schnee draußen die Welt leiser macht, wird mein Inneres lauter. Es rattert, denkt, fürchtet, hofft.
Und doch gibt es etwas in mir, das sagt:
Du schaffst das.
Schritt für Schritt. Babysteps.
Gedanke für Gedanke.
Tag für Tag.
Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück.

Der Dezember wird kommen.
Er bringt MRT-Räume und Tätowiernadeln.
Er bringt Erinnerungen und Neuanfänge.
Er bringt Schnee, der leuchtet und Schatten, die bleiben.
Aber ich werde hindurchgehen.
Mit wackeligen Knien, aber mit offenen Augen.
Mit einem Herzen, das manchmal brennt, manchmal friert, aber immer weiterschlägt.

Und irgendwo, zwischen all dem, findet sich vielleicht ein Moment, der sagt:
Es wird gut. Vielleicht nicht sofort. Aber irgendwann.

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