Fester stehen, wenn der Sturm tobt


Manchmal sind es nicht die großen Gewitter am Himmel, die uns aus der Bahn werfen.
Es sind die leisen, stetigen Stürme in unseren Beziehungen, in unseren Gesprächen, in den unsichtbaren Momenten zwischen den Worten.

Es gibt Worte, die wie sanfte Wellen klingen doch darunter verbergen sich Strömungen, die uns in die Tiefe ziehen wollen. Manchmal begegnen wir Menschen, die von uns erwarten, dass wir unsere Gefühle kleinmachen, unsere Verletzungen verstecken, damit es für sie bequemer wird. Vielleicht erkennen wir das erst spät. Vielleicht haben wir es selbst lange nicht wahrhaben wollen.

Doch gerade dann, wenn wir das Gefühl haben, wir müssen schweigen, ist es umso wichtiger, die eigene Stimme nicht zu verlieren.

Ich habe einen kleinen, stillen Anker gefunden eine Geste, die mich zurückholt zu mir selbst, wenn das Gespräch um mich herum zu stürmisch wird. Ich lege Daumen und Zeigefinger zusammen, atme tief ein und wieder aus, und wiederhole leise in meinem Herzen:

„Ich muss nicht klein machen, was mich verletzt, nur damit es für dich bequem ist.“

Das ist kein lauter Schrei. Es ist ein leises Versprechen an mich selbst: dass meine Gefühle zählen, dass meine Wahrheit Raum hat, auch wenn sie nicht immer angenehm ist.


Krankheiten, ganz gleich in welcher Form, fordert uns auf eine Weise heraus, die oft unsichtbar bleibt. Chronische Krankheiten zum Beispiel sind keine Episoden, die vorüberziehen. Sie sind ein ständiger Begleiter, ein leiser Schatten, der unseren Alltag prägt und unsere Energie zehrt.

In dieser Dauerbelastung lernen wir, dass nicht nur unser Körper leidet auch unsere Beziehungen verändern sich.

Manche Freundschaften verblassen, weil sie dem unsichtbaren Kampf nicht standhalten. Andere hingegen wachsen und reifen, werden zu den wertvollsten Schätzen in unserem Leben.

Diese chronischen Freundschaften sind wie feste Wurzeln, die uns Halt geben, wenn wir selbst wanken. Es sind Menschen, die auch dann bei uns bleiben, wenn wir müde sind, still sind oder uns selbst nicht mehr wiedererkennen.

Sie wissen, dass Stärke nicht heißt, unerschütterlich zu sein, sondern immer wieder zurückzukommen zu sich selbst, zu den Menschen, die uns lieben, zu dem Leben, das uns geschenkt wurde.


Wenn ich an diese Freundschaften und an die Herausforderungen denke, fällt mir ein Bild ein: Ein Baum im Sturm.

Nicht der, der starr und unbeweglich im Wind steht und irgendwann bricht. Sondern der, der sich biegt, die Wurzeln tief in die Erde gräbt und trotzdem standhält.

Wir können uns auch so erden mit einfachen Gesten, kleinen Ritualen, die uns in Momenten der Unsicherheit Kraft schenken.

Der Erdungsgriff ist für mich genau so ein Ritual. Eine stille Erinnerung daran, dass ich nicht kleinmachen muss, was mich verletzt, nur weil es für andere bequemer ist.

Und wenn die Worte schwer fallen, die Stille laut wird und das Herz schmerzt dann ist das okay. Das bedeutet nicht Schwäche. Es bedeutet Leben.

Denn am Ende ist es unsere Fähigkeit, immer wieder zu uns zurückzufinden, die uns stark macht.

Hoffnung auf Heilung in Worten und Verbindungen

Es gibt Hoffnung. Hoffnung, dass wir lernen, uns selbst und andere mit mehr Geduld zu begegnen. Dass wir verstehen, dass echte Verbindung nur dann entstehen kann, wenn Raum ist für alle Gefühle auch die unangenehmen.

Dass wir Freundschaften pflegen, die nicht nur in guten Zeiten blühen, sondern auch in den Tagen, an denen alles schwer fällt.

Und dass wir unsere innere Stimme nicht überhören diese leise Kraft, die uns sagt:

„Du bist genug.
Deine Gefühle sind wahr. Und du verdienst es, gehört zu werden.“

Ich wünsche jedem von uns, dass wir in den Stürmen unseres Lebens den festen Boden unter den Füßen finden. Dass wir Freundschaften erleben, die halten, wenn alles wackelt. Und dass wir die Stärke spüren, die aus uns selbst kommt leise, beständig aber unerschütterlich.

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