Als Frau auf dieser Welt zu sein, war noch nie einfach.
Abgesehen von all den Erwartungen – von der Gesellschaft, von anderen, von uns
selbst – ist das typische Frauenbild immer noch ein enges Korsett.
Wir sollen stark sein, aber nicht zu stark.
Sinnlich, aber nicht zu viel.
Laut genug, um interessant zu wirken, aber nicht so laut, dass es unbequem wird.
Wir sollen gefallen, aber ja nicht auffallen.
Ich bin eine kleine Frau.
Ich sitze im Rollstuhl.
Meine Stimme ist zart, fast kindlich & man nennt sie oft „süß“ als wäre sie ein Accessoire, kein Ausdruck meiner Seele.
Ich habe gelernt, dass mein Körper für viele Menschen mehr spricht, als meine Worte es je dürfen.
Ich lebe online & offline in beiden Welten gleichzeitig und doch ist es, als würde ich in keiner wirklich ganz ankommen.
Im realen Leben werde ich oft übersehen.
In Gesprächen, in Gruppen, in Begegnungen.
Menschen reden über mich hinweg, mit meiner Begleitung, oft meinem Ehemann, nicht mit mir.
Sie nehmen mich zur Kenntnis, aber nicht wahr.
Und im Internet?
Da ist es das Gegenteil.
Da werde ich plötzlich gesehen… aber nicht ernst genommen.
Da schreiben mir Menschen, die nicht mich wollen, sondern eine Fantasie, die sie aus meinen Fotos, meinem Bild in der Cam im Stream, meiner Stimme, meinem Lächeln basteln.
Da wird meine Oberweite zum Thema, meine Art zu sprechen, mein verlegenes lächeln & Rotwerden zur Einladung.
Da sagen Fremde Dinge, die sie sich real nie trauen würden…
Weil das Internet Hemmungen löst, aber leider keine Empathie schenkt.
Ich bekomme Nachrichten, die mich sprachlos machen.
Ein einfaches „Nein, danke“ wird ignoriert.
Ein freundliches „Ich bin verheiratet“ wird belächelt und mit dem Satz abgetan „ach…ein Grund aber kein Hinderniss“.
Und plötzlich befinde ich mich in Gesprächen, die ich nie führen wollte, weil jemand beschlossen hat, dass meine Grenzen nicht zählen. Weil Mann es ja besser weiß als ich.
Es ist eine seltsame Art der Unsichtbarkeit:
gesehen zu werden, aber nicht als Mensch sondern als Objekt.
Ich bin schüchtern.
Was oft belächelt & nicht ernst genommen wird. Was ziemlich verletzt & verunsichert, als ob ich das nur sage, um das süße kleine Mäuschen zu mimen.
Aber Schüchternheit ist kein Spiel, keine Masche. Sie ist ein Teil von mir, gewachsen aus Erfahrungen, aus Angst, aus Verletzungen.
Sie ist die leise Art, mit der ich durch eine viel laute Welt gehe.
Und ja, ich blogge.
Ich zeige mich.
Ich schreibe. Ich streame…
Denn das eine schließt das andere nicht aus.
Ich brauche Zeit, um Vertrauen aufzubauen.
Ich brauche Sicherheit, um sprechen zu können.
Und manchmal, wenn ich keine Worte finde, obwohl ich innerlich schreie…. dann liegt es nicht daran, dass ich nichts fühle, sondern dass ich zu viel fühle.
Wenn jemand in der Straßenbahn „aus Versehen“ meine Knie berührt & sich „festhält“, weil die Bahn wackelt.
Wenn jemand online meine Stimme „niedlich“ nennt, obwohl ich dreimal klar gesagt habe: „Bitte nicht.“
Wenn jemand mein „Nein“ nicht hört, weil er lieber die Fantasie in seinem Kopf hört… dann sind das keine Kleinigkeiten.
Das sind Schnitte, die sich summieren.
Jeder einzelne nagt an einem Teil des Vertrauens, das ich mühsam aufgebaut habe.
Und irgendwann weiß man nicht mehr, wie man reagieren soll.
Weil man müde ist.
Weil man gelernt hat, dass Widerspruch oft nur noch mehr Rechtfertigung nach sich zieht.
Ich habe irgenwann angefangen mich für alles zu entschuldigen.
Für meine Existenz, für mein Lachen, für meine Stimme, für meinen Körper.
Für Dinge, die nicht falsch waren, nur weil sie mich ausmachten.
Ich sagte „Entschuldigung“, wenn ich anderer Meinung war.
Ich sagte „Entschuldigung“, wenn ich jemandem Grenzen setzte. Und mache mir bis heute Gedanken um niemanden zu verletzen.
Ich sagte „Entschuldigung“, wenn ich traurig war, sprachlos war, nicht funktionierte. Und hatte Angst nicht mehr willkommen zu sein deswegen. Ich wollte nur dazugehören.
Und irgendwann wurde mir klar, wie tief das sitzt.
Wie sehr Frauen – besonders wir sensiblen, leisen, verletzlichen – darauf konditioniert sind, klein zu bleiben, um niemanden zu stören.
Um bloß nicht unbequem zu sein.
Ich arbeite heute noch immer daran, das zu ändern so unsicher mit mir selbst zu sein.
Ich darf Grenzen haben.
Ich darf sagen: „Das tut mir nicht gut.“
Ich darf auf mein Gefühl hören, auch wenn jemand anderes es kleinredet oder verdreht.
Ich schulde niemandem Erklärungen.
Nicht für meine Gesundheit, nicht für meine Ängste, nicht für meine Wunden.
Ich bin nicht „zu empfindlich“.
Ich bin nicht „zu schwierig“.
Ich bin nicht „zu viel“.
Ich bin jemand, der fühlt.
Jemand, der überlebt hat.
Und das allein ist Stärke.
Aber manchmal ist es nicht die Fremdheit, die weh tut.
Sondern die Nähe.
Nicht die Fremden, die mich missverstehen… sondern die, die ich Freunde nannte.
Es sind diese Momente,
in denen Menschen, von denen ich glaubte, sie würden mich kennen,
mich plötzlich mit Worten treffen,
die tiefer schneiden als jede fremde Nachricht.
„Du verurteilst alle Männer als Täter“….. weil ich mich zurückziehe, weil ich keinen Ton mehr raus bekam, weil ich Abstand hielt, weil ich flüchte,
wenn mir ein fremder Mann zu nah kommt.
Aber das ist kein Urteil.
Das ist Selbstschutz.
Ich verurteile niemanden.
Ich überlebe nur.
Ich höre auf meine innere Stimme, die mich warnt, wenn Nähe sich nicht sicher anfühlt.
Diese Stimme ist kein Zeichen von Hass, sondern von Erfahrung.
Es tut weh, wenn Freundschaft das nicht erkennt.
Wenn Menschen meine Vorsicht als Misstrauen deuten,
anstatt als das, was sie ist:
Ein Versuch, heil zu bleiben.
Ich urteile nicht über Männer.
Ich urteile über Verhalten.
Über Grenzen, die überschritten werden.
Über Blicke, die zu lange dauern.
Über Worte, die zu tief schneiden.
Und wer das nicht unterscheiden kann,
der hat mich und meine Geschichte nie wirklich verstanden.
Manchmal ist es nicht die Erinnerung, die weh tut,
sondern die Reaktion anderer darauf.
Wenn sie sagen:
„Aber nicht alle Männer sind so.“
Als müsste ich mich entschuldigen,
dass mein Körper Angst kennt.
Ich weiß, dass nicht alle Männer Täter sind.
Aber ich weiß auch,
dass nicht alle Frauen sicher sind.
Und wenn ich Abstand halte,
dann tue ich das nicht, weil ich hasse…. sondern weil ich heile.
Selbstschutz ist kein Angriff.
Er ist ein Akt der Selbstachtung.
Ein stilles „Ich will mich sicher fühlen“.
Ein „Ich will leben, ohne ständig auf der Hut zu sein“.
Ich darf flüchten,
wenn mir jemand zu nah kommt. Egal ob real oder virtuell.
Ich darf Nein sagen,
auch wenn jemand das persönlich nimmt.
Ich darf mich abgrenzen,
ohne mich erklären zu müssen.
Meine Grenzen sind keine Mauern.
Sie sind Zäune mit Türen,
die sich öffnen,
wenn Vertrauen gewachsen ist.
Und wer Geduld mitbringt,
wird feststellen,
dass hinter diesen Türen kein Misstrauen lebt..
sondern ein Herz, das nur lernen musste,
sich selbst zu schützen.
Heilung ist ein Prozess, der Zeit braucht… oft mehr Zeit, als andere für möglich halten.
Ich habe gelernt, dass meine Verletzlichkeit kein Makel ist.
Dass meine Sensibilität kein Fehler ist.
Dass meine leise, „süße“ Stimme Gewicht hat, Bedeutung trägt und gehört werden darf.
Ich habe begonnen, mich selbst zu sehen.
Nicht durch die Augen der Welt, nicht durch die Kommentare im Internet, nicht durch die Fantasien anderer.
Sondern durch meine eigenen Augen.
Und es ist befreiend, zu wissen:
Ich darf sein, so wie ich bin.
Ich darf meine Grenzen haben.
Ich darf meine Tränen zeigen.
Ich darf mich freuen, lachen, verzweifeln…. das alles gehört zu mir & macht mich aus.
Im Internet werde ich noch immer oft falsch gesehen.
Die Hemmungslosigkeit der digitalen Welt zieht Menschen an, die mich nicht wirklich kennenlernen wollen.
Ich könnte wütend werden, mich zurückziehen, verzweifeln aber ich habe gelernt, mich zu schützen, ohne mich selbst zu verlieren.
Selbstschutz ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Zeichen von Mut.
Es bedeutet, dass ich meine Energie, mein Herz & meine Stimme für Menschen bewahre, die mich wirklich sehen möchten.
Die mich nicht definieren durch meinen Körper oder meine Stimme sondern durch mein Wesen, durch mein Denken, durch mein Fühlen.
Ich habe gelernt, klare Grenzen zu setzen. „Nein“ ist ein vollständiger Satz und bedarf keine weitere Erklärung.
Ich muss mich nicht rechtfertigen.
Ich muss mich nicht entschuldigen.
Ich darf gehen, wenn ich mich unwohl fühle.
Und ich darf bleiben und/oder wieder kommen, wenn Respekt &Verständnis da sind und ich mich wohl fühle.
Vertrauen ist ein zartes Pflänzchen.
Ein zu oft übersehener Funke, der leicht erlischt.
Ich habe gelernt, dass Vertrauen Zeit braucht… Zeit, um zu wachsen, Zeit, um Wurzeln zu schlagen, Zeit, um nicht sofort verletzt zu werden.
Meine Freundschaften – online wie offline – sind wie kleine Gärten.
Ich gieße sie mit Geduld, Verständnis & Liebe.
Und ich lerne, loszulassen, wenn jemand meine Grenzen nicht respektiert.
Denn wahres Vertrauen kann nicht erzogen werden.
Es muss freiwillig kommen, aus Respekt, aus Achtung, aus echtem Sehen.
Es ist nicht leicht, die Balance zwischen Online- und Offline-Welt zu halten.
Online bin ich sichtbar… aber oft falsch verstanden.
Offline werde ich manchmal übersehen aber dort zählt jede kleine Geste, jeder echte Blick.
Ich habe gelernt, diese Balance zu schätzen.
Die Welt ist nicht schwarz oder weiß.
Sie ist voller Grautöne.
Und in diesen Grautönen finde ich mich selbst:
Leise, zart, verletzlich, aber stark.
Klein in der Statur, groß in der Seele.
Ich habe mir erlaubt, meinen Raum einzunehmen. Zum Beispiel hier auf meinem Blog & in meinem Podcast. Auf Twitch und im Discord innerhalb meiner Community.
Nicht laut, nicht groß, nicht dominant…. aber bestimmt.
Nicht um zu gefallen, nicht um Erwartungen zu erfüllen, sondern um ich selbst zu sein.
Ich habe mir erlaubt, meine Stimme zu benutzen, auch wenn sie leise ist.
Auch wenn sie als „süß“ oder „kindlich“ bezeichnet wird.
Denn diese Stimme gehört mir.
Und sie sagt Dinge, die ich gehört wissen möchte:
Ich bin hier.
Ich bin genug.
Ich habe Rechte, Gefühle & Grenzen.
Ich schreibe diesen Blog, um mich daran zu erinnern
aber auch, um dich daran zu erinnern:
Du darfst deine Verletzlichkeit zeigen.
Du darfst klein sein und trotzdem stark.
Du darfst deine Grenzen
ziehen & Nein sagen.
Du darfst dich selbst lieben, bevor andere es tun.
Du darfst heilen. Schritt für Schritt.
Jeder kleine Fortschritt zählt.
Jeder Moment des Selbstschutzes ist ein Akt der Stärke.
Jedes bewusste Atmen, jeder bewusste Blick in den Spiegel, jede bewusste Entscheidung, für dich zu stehen… ist ein Sieg.
Und wenn du heute denkst, dass du zu viel bist, zu empfindlich, zu klein, zu leise…. dann erinnere dich:
Du bist groß in deinem Herzen.
Du bist mutig in deiner Verletzlichkeit.
Du bist genug, so wie du bist.
Atme.
Lächle.
Sei du.
Die Welt mag oft laut,
ungerecht & überwältigend sein… aber du hast die Macht, dein Licht leuchten zu lassen.
Auch leise, auch sanft, auch zerbrechlich.
Denn gerade diese Leichtigkeit, diese Sensibilität, dieses echte Ich…. das ist dein wahres Licht.
Am Ende dieses langen Weges, nach all den Worten, Tränen und leisen Momenten,
möchte ich einfach Danke sagen.
Danke an meinen Ehemann
der mir immer den Rücken stärkt, mir Mut und Sicherheit schenkt, mich sieht, wenn ich mich selbst verliere und mir ehrlich begegnet, auch wenn es manchmal weh tut.
Du bist mein Anker in dieser lauten Welt, mein sicherer Ort, an dem ich atmen kann, mein Zuhause…. in jeder Bedeutung dieses Wortes.
Danke, dass du mich ermutigt hast, diesen Text zu teilen, auch wenn ich gezögert habe, weil ich Angst hatte, wieder zu viel zu fühlen, zu viel zu sagen, zu viel zu zeigen.
Du hast mir gezeigt, dass meine Stimme zählt.
Danke an mein Moderatoren-Team die im Internet an meiner Seite stehen, die mich auffangen, fordern, schützen und stärken.
Ihr seid wie ein unsichtbares Netz aus Vertrauen,
das mich hält, wenn der Sturm zu laut wird.
Trotz Entfernungen seid ihr mir so nah,
dass ich euch oft näher spüre als viele Menschen um mich herum.
Ihr gebt mir das Gefühl, nicht allein zu sein in dieser digitalen Welt,
und das ist unbezahlbar.
Und danke an meine Freunde an die, die bleiben,
auch wenn ich still bin.
An die, die mich nicht fragen, warum ich weine,
sondern einfach eine Hand reichen.
Ihr alle seid meine Farben in dieser manchmal so grauen Welt.
Ihr bringt Licht in meine Schatten, Wärme in meine
Stille & Hoffnung in meine Angst. Ihr seid der Beweis, dass Nähe nicht immer laut sein muss, dass Freundschaft nicht Perfektion braucht,
sondern Echtheit, Ehrlichkeit, Geduld und Herz.
Danke, dass ihr mich seht….
nicht durch die Linse einer Kamera, nicht durch Filter oder Fantasien, sondern so, wie ich wirklich bin.
Mit all meinen Ecken, Kanten, Schwächen und Träumen.
Mit meiner leisen Stimme,
meinem zögerlichen Mut,
und meinem unerschütterlichen Willen,
mich selbst nicht mehr zu verstecken.
Danke, dass ihr bleibt.
Danke, dass ihr mich erinnert, wer ich bin.
Danke, dass ihr mich tragt
wenn ich selbst vergesse, wie stark ich eigentlich bin.