Mein Geheimnis


Ich bin eine von denen, die schreiben, wenn Worte fehlen.
Ich bin eine von denen, die Gefühle in Sätze gießen, weil sie sonst überlaufen würden.
Ich bin Bloggerin.
Und andere lesen oder hören meine Texte.

Vielleicht in der Bahn, zwischen zwei Haltestellen.
Vielleicht nachts, wenn sie nicht schlafen können.
Vielleicht leise – vielleicht laut.
Vielleicht, um sich verstanden zu fühlen.
Vielleicht, um mich zu verstehen.

Doch nur weil ich veröffentliche, heißt das nicht, dass ich alles teile.
Es gibt Texte, die ich schreibe und dann schweigend speichere.
In einem Ordner, der keinen Namen trägt.
Texte, die nie das Licht der Welt sehen.
Weil sie zu ehrlich sind. Zu nackt. Zu nah.

Texte, die aus Angst geboren wurden.
Texte, die ich schreibe, wenn ich zittere.
Wenn ich nicht die Bloggerin bin – sondern einfach nur ich.

Texte, die ich verstecke,
weil ich mich nicht erklären kann,
und vielleicht auch nicht erklären will.

Manche davon sind schmerzhaft ehrlich.
Manche grausam klar.
Manche voller Schuldgefühle – für etwas, das ich nicht ändern kann.
Für ein Leben, das sich nicht zurückspulen lässt.

Ich bin Bloggerin. Und ich bin Mensch.
Ich bin verletzlich, auch wenn meine Worte manchmal stark klingen.
Ich weiß, wie man Sätze formt – aber ich weiß nicht immer, wie man sie aushält.

Drei Zitate aus einem unveröffentlichten Text:

„Ich greife zurück zur Maske. Ich lächle, mache Witze, bin ‚die Starke‘ – aber das ist nur die Hülle.“

„Warum entschuldige ich mich dafür, dass ich lebe, wie ich leben muss?“

„Ich brauche Menschen, die sich trauen zu bleiben – auch dann, wenn ich nichts anderes zu geben habe als meine wackelige Stimme und mein müdes Herz.“

Diese Worte habe ich aufgeschrieben – nicht für die Welt, sondern für mich.
Aber manchmal frage ich mich:
Ist die Welt wirklich nicht bereit?
Oder bin ich es, die Angst hat, dass meine Wahrheit zu viel ist?

Ich habe gelernt, dass es einfacher ist, stark zu wirken, als ehrlich zu sein.
Denn Ehrlichkeit bedeutet, dass andere dich sehen.
Mit all dem Chaos.
All dem Schmerz.
All dem, was du sonst versteckst.

Vielleicht denken manche:
„Du bloggst doch, du teilst doch schon so viel!“
Aber was sie nicht wissen:
Die wahren Kämpfe finden oft hinter den Kulissen statt.
Im Kopf.
Im Herzen.
Zwischen zwei Atemzügen.
Weinend unter der Bettdecke.

Manche Texte schreibe ich nur für mich.

Weil ich mich erinnern muss.
Oder weil ich mich festhalten will.
Weil ich nicht schreien kann – aber schreiben.
Weil ich nicht zerbrechen will – aber kurz davor bin.

Ich bin Bloggerin.
Und doch bleibe ich manchmal stumm.
Weil ich weiß:
Worte können trösten –
aber sie können auch erschüttern.
Und ich will niemanden verletzen, nicht einmal durch meine eigene Wahrheit.

Und dann gibt es diese Texte…

…die ewig in mir schlummern.
Die ich nachts schreibe, in einem halbdunklen Zimmer,
mit Musik, die mich nicht heilt, aber wenigstens versteht.
Texte, die so roh sind, dass sie wie Splitter in der Brust sitzen.
Texte, die so wahr sind, dass sie mich fast selbst erschrecken.

Vielleicht sind es Briefe an mich selbst.
Oder an Menschen, die nie lesen werden, was ich denke.
Vielleicht sind es Geschichten über Einsamkeit, Krankheit, Verlust.
Über Hoffnung, die sich manchmal nur noch an einem Faden hält.

Ich weiß nicht, ob die Welt diese Texte je lesen wird.
Ob sie bereit ist.
Ob ich es bin.

Aber ich weiß:
Sie sind da.
Und sie sind ein Teil von mir.

Denn ich bin nicht nur Bloggerin.

Ich bin auch Tochter.
Partnerin.
Kämpferin.
Patientin.
Träumerin.
Und manchmal: einfach nur müde.

Ich bin nicht die Stimme von „den Kranken“.
Ich bin nicht das Gesicht von „den Starken“.
Ich bin nicht …..
Ich bin nur ich – ein Mensch, der durch Worte atmet.

Und auch wenn viele meiner Texte gelesen werden – manche werden für immer nur gefühlt.

Denn nicht jede Wahrheit braucht ein Publikum.
Manche brauchen nur einen Raum.
Und den gebe ich mir – Zeile für Zeile.
Tag für Tag.

Ich bin Bloggerin.
Und ich schreibe nicht, um stark zu wirken.
Ich schreibe,
um nicht zu zerbrechen.

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