Eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort


Ich blogge, weil Worte meine Rettung sind.
Weil das, was ich nicht ausspreche, mich innerlich auffrisst.
Weil Gedanken, wenn sie zu lange in mir bleiben, schwer werden wie Steine auf meiner Brust.
Aber wenn ich schreibe, bekommen sie Luft.

Dann verwandeln sich Sorgen in Sätze. Schmerz in Zeilen. Tränen in Tinte.

Ich blogge, weil ich überleben will.

Nicht nur körperlich sondern emotional, seelisch, menschlich.
Das Schreiben war nie einfach nur ein Hobby. Es war oft mein einziger Halt.

Mein Anker, wenn der Boden unter mir weggezogen wurde.
In den dunkelsten Momenten war da keine Therapie, kein Rezept, kein

„Es wird schon wieder“.
Da war nur ich. Und eine leere Seite.

Ich blogge, weil ich nicht immer sprechen kann.
Weil meine Stimme manchmal zittert oder ganz versagt aber meine Finger finden die Sprache, die mein Herz versteht.
Weil ich Menschen berühren möchte, ohne sie direkt ansehen zu müssen.
Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, alleine durch eine schwere Zeit zu gehen.
Weil ich tief in mir hoffe, dass jemand da draußen meine Zeilen liest und denkt:
„Danke. Das hab ich gebraucht. Jetzt fühl ich mich weniger allein.“

Ich weiß, dass meine Texte keine leichte Kost sind.
Und ja, ich habe gehört, was man mir sagt:
„Deine Texte gehen mir zu nah.“
„Ich kann das nicht lesen, ohne zu weinen.“
„Das ist so hart, was du durchmachst.“


Und manchmal frage ich mich:
Ist das ein Vorwurf? Oder ein Kompliment?
Ich entscheide mich für Letzteres.

Denn wenn meine Worte etwas in dir bewegen, dann haben sie ihren Zweck erfüllt.
Dann sind sie ehrlich. Dann sind sie lebendig.

Ich kann mein Leben nicht weichzeichnen

Ich kann mein Leben nicht in Pastellfarben pinseln, nur damit es bequemer zu lesen ist.
Meine Geschichte ist kein Roman mit Happy End-Garantie.
Sie ist echt.
Roh.
Unbequem.
Und manchmal sehr, sehr still.

Ich trage keinen Groll.
Aber ich bin müde, immer „die Starke“ zu sein, nur um niemandem zur Last zu fallen.
Das tue ich nämlich oft:
Lächeln, wenn es innen tobt.
Zuhören, wenn ich eigentlich selbst gehört werden will.
Stark wirken, obwohl ich mich manchmal kaum halten kann.

Ich weiß, dass es schwer ist, zuzuhören.
Aber es ist noch viel schwerer, es allein auszuhalten.

Hoffnung ist so ein großes Wort.
Alle sprechen davon.
Alle klammern sich daran.

Aber Hoffnung darf nicht blind machen.
Sie darf nicht die Augen vor der Realität verschließen nicht vor Diagnosen,

nicht vor Zahlen, nicht vor dem, was unausweichlich scheint.


Manchmal bedeutet Hoffnung auch, loslassen zu können.
Offen über Dinge zu sprechen, die Angst machen:
Über Krankheit.
Über Sterben.
Über Abschied.
Über das Leben danach oder das, was davon bleibt.

Das ist kein Aufgeben.
Das ist Mut.
Das ist Liebe in ihrer ehrlichsten Form.
Denn wer die Wahrheit aushält, liebt tiefer als alle, die schweigen.

Ich sage oft:
„Der Tod sitzt schon immer bei uns mit am Kaffeetisch.“


Er ist da. Immer.
Nicht als Drohung sondern als Erinnerung.
Daran, wie kostbar jeder Moment ist.
Daran, dass nichts selbstverständlich ist, nicht das Lachen, nicht das Atmen,

nicht das Aufwachen.

Und ich habe gelernt:
Vom Ignorieren geht er nicht weg.
Aber vom Hinschauen wird er… vielleicht ein kleines bisschen weniger bedrohlich.
Ehrlicher.
Greifbarer.
Erträglicher.

Ich blogge, weil ich lebe
Ja, ich blogge, weil ich verarbeite.
Aber ich blogge auch, weil ich liebe.


Weil ich Hoffnung geben will, die echte, ungeschönte.
Weil ich glaube, dass Geschichten verbinden.
Dass Worte Brücken bauen, wo Schweigen Mauern zieht.
Und dass manchmal ein einziger Satz reichen kann, um jemandem den Tag zu retten.

Ich blogge, weil ich nicht vergessen will.
Nicht, was war. Nicht, wer ich war.
Und auch nicht, was in mir noch lebt.

Trotz allem, was mir genommen wurde.

Und wenn du mich liest…oder hörst….

Dann lies nicht nur meine Geschichte.
Lies & horche zwischen den Zeilen.
Fühl dich gesehen.
Fühl dich verstanden.
Fühl dich gehalten.

Denn wenn du dich je gefragt hast, ob du mit deinen Gedanken zu viel bist
Wenn du dich je geschämt hast für deine Tränen, deinen Schmerz, deine Wut
Dann bist du hier genau richtig.
Denn ich blogge auch für dich.

Weil keiner alleine kämpfen sollte.
Und weil Worte manchmal das Einzige sind, was uns bleibt
und doch so viel mehr geben können,
als wir je gedacht hätten

Eine Antwort zu “Eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort”

  1. Worte verbieten. Ich habe irgendwo geschrieben, dass es beim Blog anders ist, als in der Realität. In der Realität kann man sich riechen und die Gestik und Mimik des Gegenüber auf sich wirken lassen. Das gibt es hier nicht. Hier zählen die Worte. Die Formulierung, die Aussagen. Bei manchen Texten weiß man, die Person passt gar nicht. Bei manchen Worten ist man gleich drin im Leben des Gegenüber. Ich danke dir für deine Worte, für das verständlich manchen deiner Ängste. Ich kann dir keine Hoffnung machen, aber ich kann dich begleiten auf deinem Weg und das bringt (hoffentlich) nicht nur für dich eine kleine Abwechslung, sondern auch für mich.

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