Mein Weg – Ein Blick zurück

Viele von euch kennen meine Geschichte. Oder glauben, sie zu kennen.
Aber was oft bleibt, ist die Oberfläche:
Ein Lächeln, ein starker Spruch, ein weiteres „Ich schaff das schon irgendwie“.

Deshalb möchte ich heute einen kleinen Ausschnitt teilen.
Nicht, um Mitleid zu ernten. Sondern, um zu zeigen, wie schwer ein Weg sein kann, den man selbst gehen muss, während andere nur zuschauen können.

6. März 2018
Ein Anruf. Mehr nicht. Und doch bricht eine Welt ein.
„Wir trauen uns nicht zu operieren.“
Die Worte hallten nach. Keine klare Richtung. Keine Lösung. Nur Übergabe an eine andere Klinik „Vielleicht Strahlentherapie?“
Ich warte. Mal wieder. Und denke nur: Verarschen kann ich mich selbst.

7. März 2018
Die Strahlenklinik lehnt ab.
„Zu riskant“, sagen sie.
„Die Bestrahlung könnte Sie querschnittsgelähmt machen. Oder schlimmer.“
Und plötzlich hängt mein Leben zwischen Protokollen und Zweifeln.
Ein Tumor, den man nicht wirklich fassen kann – aber der mein Leben längst in der Hand hält.

26. März 2018
Chemo beginnt. Sechs Zyklen. Sechs Monate.
Ich nenne es mein zweites Studium nur ohne Abschluss, ohne Freude, ohne Pause.

17. September 2018
Chemo verlängert. Tumor gewachsen. Zyste auch.
Aber wenigstens liegt es nicht an der Halswirbelsäule. Nur – wieso bekomme ich dann keine Luft mehr?
Antworten? Fehlanzeige.

7. Januar 2019
Chemo verschoben. Blutwerte zu schlecht.
Ein Arztgespräch steht an. Wieder das „Was wäre wenn…“ – Was wäre, wenn wir operieren?
Was wäre, wenn ich einfach mal eine Pause bekäme?

21. Mai 2019
Die Ü-Ei Op

6.Dezember 2019
Op wegen Liquorkissen

20.Dezmber 2019
Op wegen Hirnwand

07.Januar 2020
Shunt Op

29. März 2023
Die Ärzte sind sich endlich einig: Sie sind sich uneinig.
Ein Radiologe sieht Wachstum. Der andere sieht: nichts.
Chemo lohnt nicht. OP wird abgelehnt.
Vielleicht Bestrahlung.
Vielleicht Hoffnung.

August 2024
Austherapiert.
Ein Wort wie ein Urteil.
Schlicht. Hart. Endgültig.
Nicht mal mein Tumor bekam so einen offiziellen Titel. Jetzt bin ich nicht mehr Patientin. Jetzt bin ich nur noch ein Fall.

Und heute?

Heute ist 2025. Und ich habe einen Zettel mit einer Nummer in der Hand:
Palliativklinik.
Ich soll dort anrufen.
Aber meine Finger weigern sich. Mein Herz schreit: Noch nicht. Noch nicht jetzt.
Denn wenn ich dort anrufe, mache ich einen Schritt, vor dem ich mich seit Jahren fürchte:
Ich gebe zu, dass der Kampf vielleicht wirklich endet.

Und ich weiß, viele werden sagen:
„Du bist stark.“
„Du hast so viel durchgestanden.“

Ja. Das habe ich.
Aber Stärke ist nicht das, was man zeigt
Stärke ist, wenn man morgens trotzdem aufsteht, obwohl alles in einem sagt:
Ich kann nicht mehr.

Ich weiß nicht, ob ich den Anruf heute schaffe.
Oder morgen.
Aber irgendwann werde ich es tun.
Nicht, weil ich aufgeben will.
Sondern, weil ich endlich Frieden brauche.

Dies ist mein Weg.
Er ist nicht geradlinig.
Er ist nicht fair.
Aber er ist meiner.
Und solange ich noch schreibe, erzähle ich ihn.

Für mich.
Für euch.
Für alle, die schweigen müssen.

Nachtrag…. ich habe diesen Text im August geschrieben und dann… kam vieles dazwischen.
Nun habe ich, vor zwei Tagen den Mut gehabt und einen Termin auf der Paliativ für September gemacht.

Nun begint der nächste Schritt…

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