Manchmal sagen wir Sätze, von denen wir wissen, dass sie nicht fair sind.
Aber sie kommen trotzdem. Weil Schmerz keine Logik kennt.
Kürzlich hatte ich ein Gespräch, das mir tief ins Herz ging.
Es ging um Krankheit – um all die unterschiedlichen Wege, die Körper nehmen können, um zu zerbrechen.
Und da fiel dieser eine Satz, der sich so roh, so ehrlich und so wahr anfühlte:
„Egal welche Krankheit man hat – es ist alles scheiße.“
Und ja.
Es ist so.
Jede Diagnose, jeder Einschnitt ins Leben, jedes Wort, das du nicht kommen siehst – es verändert alles.
Dein Alltag. Deinen Körper. Deine Seele.
Deine Zukunftspläne, deine Identität, dein Selbstwertgefühl.
Nichts bleibt unberührt.
Und doch…
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich auch schon diese Gedanken, über die man nicht laut spricht.
Die, für die man sich fast schon ein bisschen schämt.
Ich dachte manchmal auch:
„Wäre es nicht leichter gewesen, wenn es ein anderer Krebs gewesen wäre? Einer, den man einfach rausschneidet – und weg ist er? Zum Beispiel Brustkrebs.“
Schnipp. Schnipp. Fertig.
Ein klarer Anfang.
Ein klares Ende.
Ein Krebs, bei dem man sagen kann: „Wir haben alles erwischt. Fertig“ und das Leben läuft „normal“ weiter.
Natürlich weiß ich, dass das Blödsinn ist.
Kein Krebs ist besser als ein anderer.
Kein Tumor ist fair.
Keine Diagnose kommt mit Bedienungsanleitung oder Garantie.
Jede Krankheit ist ein Rätsel. Ein Risiko. Ein Schicksalsschlag.
Und ja – diese Gedanken sind naiv.
Vielleicht sogar ungerecht.
Aber sie sind menschlich.
Sie kommen aus Hilflosigkeit. Aus Erschöpfung.
Aus diesem Wunsch, wenigstens ein kleines bisschen Kontrolle zurückzuholen.
Aus der tiefen Sehnsucht, dass irgendetwas an dieser Situation einfacher sein könnte.
Aus Angst.
Und genau darum will ich das sagen – für mich, für dich, für jeden, der solche Gedanken kennt:
Es ist okay.
Es ist okay, auch mal neidisch zu sein.
Es ist okay, sich zu wünschen, dass das eigene Leid leichter wäre.
Es ist okay, traurig, wütend, verzweifelt oder müde zu sein.
Es ist okay Angst zu haben.
Denn wir sind nicht aus Stahl.
Wir sind keine Helden aus einem Marvel Film.
Wir sind Menschen.
Mit Träumen, mit Schmerzen, mit Sehnsüchten, mit Grenzen.
Wir sind weich. Wir sind zerbrechlich. Wir sind ehrlich.
Und genau darin liegt unsere Stärke.
Was uns wirklich trägt in all dem, ist Menschlichkeit.
Die ehrlichen Gespräche.
Das gemeinsame Schweigen.
Das Verstandenwerden – ohne dass man sich erklären muss.
Die Umarmung, die bleibt, auch wenn der Körper schwach wird.
Das „Ich bin da“, wenn Worte nicht mehr reichen.
Wenn du also irgendwann mal denkst, dass deine Gedanken „falsch“ oder „unfair“ sind – halt kurz inne. Und erinnere dich:
Du darfst so fühlen.
Du darfst zornig sein auf die Ungerechtigkeit.
Du darfst müde sein von der Hoffnung und dem Kampf.
Du darfst zweifeln, trauern, stolpern, kämpfen – und wieder aufstehen.
Und wenn du nicht mehr aufstehen kannst, ist es auch okay, einfach mal zu liegen.
Denn das Leben ist kein Wettlauf.
Und schon gar kein Vergleich von Schmerzen.
Was zählt, ist, dass wir uns gegenseitig halten.
Mit all dem, was wir sind.
Unperfekt. Ehrlich. Zerbrechlich.
Und voller Würde.
Du bist nicht allein.
Und du musst dich für keinen deiner Gedanken schämen.
Denn sie zeigen nur eins:
Du bist ein Mensch.
Mit einem Herzen, das fühlt.
Mit einer Seele, die leidet und die kämpft.
Und mit einer Geschichte, die zählt.
❤️