Manchmal schaue ich uns von außen an.
Wie wir miteinander sprechen. Wie wir schweigen.
Wie du mir mein Becher voll machst, ohne dass ich frage.
Wie ich dich ansehe, wenn du gerade dabei bist, die Küche aufzuräumen, als wäre es das Natürlichste der Welt – und es für dich auch ist.
Und dann denke ich:
Unsere Welt ist nicht normal.
Nicht das, was „die Gesellschaft“ als Standard, als Regel, als Erwartung kennt.
Aber sie ist unsere. Und sie ist wunderschön.
In unserer Welt ist mein Mann der, der kocht.
Der einkaufen geht. Der putzt. Der daran denkt, ob noch genug Spülmittel da ist, ob der Müll raus muss, ob wir Butter brauchen.
Und nicht, weil ich es nicht kann – ich kann das alles.
Ich habe es gemacht, als ich allein war. Gekocht, geputzt, geplant.
Aber ich mochte es nie. Nie wirklich.
Ich mochte backen, ja. Und manchmal tue ich das noch heute, mit einem Funkeln in den Augen.
Aber Kochen? Nein.
Und wie glücklich bin ich, dass du es liebst.
Schon immer war es so. Schon bevor ich das alles nicht mehr konnte.
Bevor mein Körper und die Kraft nachließ, die Psyche müde wurde, die Bewegung sich rar machte.
Du kümmerst dich um mich, um alles. Still, selbstverständlich, ohne eine große Sache daraus zu machen.
Du bist Hausmann und mein Pfleger. Du bist mein Ehemann und Retter. Und ich liebe dich dafür.
Wir erfüllen kein Klischee.
Nicht „die Frau gehört in die Küche“.
Nicht „Mutter, Vater, Kind“.
Wir sind nicht das Bild aus der Werbung.
Wir sind das Bild aus dem Leben – ehrlich, anders, echt.
Wir sind kreativ.
Wir basteln. Wir erschaffen.
Du mit deinem handwerklichen Geschick, deinem messerscharfen Verstand, deinem unfassbaren Allgemeinwissen,
deiner Liebe zu Geschichte, Wissenschaft, Astronomie.
Ich mit meinem Herzen, meinem Gespür für Menschen, meiner unbändigen Neugier für das, was man nicht sehen, nur fühlen kann –
das Spirituelle, das Unsichtbare, das Zwischenmenschliche.
Ich bin die, die mit unseren Freunden und Familien schreibt, sich kümmert, zuhört.
Du bist der, der im Hintergrund dafür sorgt, dass alles läuft.
Und wir – wir sind mehr als ein Paar.
Wir sind ein Team.
Zwei Hälften eines Ganzen, die sich nicht verlieren, sondern ergänzen.
Du bist mein bester Freund.
Der Mensch, mit dem ich weinen kann.
Der mich hält, wenn ich falle, und mit mir schweigt, wenn Worte zu viel sind.
Der mir widerspricht, wenn ich mich verliere.
Der mir sagt, wenn ich falsch liege – nicht um zu verletzen, sondern weil er ehrlich ist.
Der mir zuhört, auch wenn ich selbst meine Gedanken kaum ertrage.
Der mich kennt in meiner Zartheit und meiner Wildheit.
Und mich liebt. Trotzdem. Oder vielleicht gerade deswegen.
Du bist mein schlimmster Feind, manchmal.
Weil du meine wunden Punkte kennst.
Weil du mich spiegelst, wenn ich mich verstecke.
Weil du mich kritisierst, wenn ich mir etwas vormache.
Aber du bist auch meine treueste Seele.
Mein sicherer Hafen. Mein Zuhause.
Es gibt Tage, da liege ich einfach neben dir
und staune, dass wir uns gefunden haben.
In einer Welt, die voller Erwartungen ist,
voller Schablonen und vorgezeichneter Wege,
haben wir unseren eigenen Pfad gewählt.
Und er ist nicht immer leicht.
Aber er ist wahr.
Unsere Liebe braucht keine Erklärung.
Aber sie verdient ein Denkmal –
aus Worten, aus Taten, aus kleinen Momenten, die niemand sieht.
Wenn du nachts aufstehst, weil ich nicht schlafen kann.
Wenn du mich mit einem Tee oder Schokolade überraschst.
Wenn du lachst, wenn ich mich in meinen spirituellen Theorien und wirren Gedanken verliere,
aber trotzdem zuhörst. Du bist mein Kompass, wenn ich mich mal wieder Verirrte.
Weil du einfach da bist.
Du bist mein „Wir“.
Mein „Trotz allem“.
Mein „Für immer“.
Wir sind nicht normal.
Wir sind mehr.
Und ich wünschte, die Welt würde aufhören, Menschen in Formen zu pressen,
in Erwartungen, in Geschlechterrollen, in alte Denkmuster.
Denn Liebe hat kein Geschlecht. Kein Muster. Kein Handbuch.
Liebe ist ein Gefühl. Ein Blick. Eine Geste.
Ein Zuhause in einem Menschen.
Und mein Zuhause –
das bist du
