Mitten in der Nacht

Ich schreibe diesen Text, während alles schläft.
Mein geliebter Mann liegt neben mir, atmet ruhig, gleichmäßig.
Ich höre ihn… und ich spüre ihn. Seine Wärme an meinem Rücken.
Und obwohl mein Körper völlig erschöpft ist – gibt mir genau das einen winzigen Funken Ruhe.
Sein Atem.
Sein Dasein.
Dieses stille Versprechen: Ich bin da. Ich bleibe.

Aber sonst ist da viel Lärm.
Mein Tinnitus pfeift und piept, als wolle er mir in dieser stillen Nacht sagen: „Du bekommst keine Pause“.
Die Katze liegt an meinen Füßen, schnurrt, völlig sorgenfrei.
Und ich? Ich liege wach – müde bis in jede Faser, aber der Kopf… der hört einfach nicht auf.

Gestern war Pflasternacht.
Das bedeutet: kaum oder gar kein Schlaf.
Mein Körper rebelliert, mein Kopf fährt Karussell.
Ich bin durch.
Erschöpft.
Leer.
Und doch randvoll – mit Gedanken, mit Sorgen, mit Erinnerungen, mit Fragen.

Ich denke über mich nach.
Über Worte, die ich in den letzten Wochen geschrieben habe.
Über Gespräche, die mich berührt oder verletzt haben.
Über Kommentare, Blicke, Reaktionen – alles zieht vorbei wie ein Film, der sich nicht pausieren lässt.

Viele sagen mir:
„Du bist so mutig. Dass du dein Innerstes bloggst. Dass du dich so zeigst.“
Aber die Wahrheit ist: Ich tue es, weil ich sonst zerbreche.
Weil das, was in mir tobt, sonst kein Ventil hat.
Weil ich irgendwann gelernt habe, dass das Schreiben nicht nur Ausdruck ist –
sondern Rettung.
Ein Stück Halt.
Ein letzter Faden, an dem ich mich entlanghangeln kann, wenn alles zu viel wird.

Ich schreibe, weil ich weiß: Ich bin nicht die Einzige.

Nicht die Einzige, die nachts wach liegt.
Nicht die Einzige, die den eigenen Gedanken nicht entkommt.
Nicht die Einzige, die in einer Welt leben muss, die zu laut ist, zu schnell, zu fordernd –
und doch so taub für das, was wirklich weh tut.

Und wenn dann da draußen auch nur ein einziger Mensch sitzt,
der meinen Text liest und denkt: „Ich fühl das. Ich kenne das.“,
dann war es das wert.

Es ist wie eine stille Selbsthilfegruppe – zwischen Zeilen.
Ein digitales Auffangen.
Ein stummes Nicken durch Bildschirme hindurch.
Ein „Du bist nicht allein.“
Ein „Ich sehe dich.“

Denn dieses Nicht-allein-sein, das kann retten.
Das kann die tiefste Einsamkeit durchbrechen,
das kann einem im dunkelsten Moment das Gefühl geben,
dass irgendwo jemand versteht.

Und ich glaube:
Das ist am Ende das, was uns verbindet.
Nicht die perfekten Tage.
Nicht die durchgetakteten Wochen voller To-dos.
Sondern diese Nächte.
Diese echten, ungefilterten Gedanken.
Dieses menschliche Zerbrechen – und gleichzeitig das stille Weiterleben.

Ich wünsche mir, dass wir lernen, einander wieder mehr zu fühlen.
Hinter die Fassaden zu sehen.
Und dass jemand, der sich selbst verliert, nicht noch erklären muss, warum er nicht „funktioniert“.

Ich wünsche dir – wer auch immer du bist und wo auch immer du gerade liest –
dass du weißt:
Du musst das nicht allein tragen.
Du bist nicht schwach.
Du bist nicht zu empfindlich.
Du bist ein Mensch. Und du darfst müde sein. Du darfst weinen und alles raus lassen.
Du darfst denken, fühlen, zweifeln.
Du darfst in dieser Nacht sein – mit allem, was du trägst.
Und du darfst dich irgendwann wieder ausruhen.

Denn es geht immer irgendwie weiter.

Danke, dass du hier bist.
Danke, dass du meine Worte mit deinen Gedanken teilst.
Danke, dass du weitergehst – auch wenn’s manchmal nur im Schneckentempo ist.

Ich schicke dir ein Stück Wärme –
wie das Atmen meines Mannes an meinem Rücken.
Wie das Schnurren der Katze.
Wie ein leises „Ich verstehe dich“ zwischen zwei Bildschirmen.

Und vielleicht…
vielleicht schlafen wir ja morgen ein kleines bisschen besser.
Oder lachen über irgendetwas, das uns für einen Moment vergessen lässt, wie schwer es manchmal ist.

Gute Nacht, du Herzmensch.
Ich halte dich im Gedanken ganz fest. 🌙🕊️

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