„Wenn die Psyche laut wird und man selbst verstummt“


Eigentlich wollte ich jeden Samstag einen Beitrag in meinen Blog bringen, einen Rhythmus, der mich antreibt. Doch manchmal, da spüre ich so stark eine Emotion, dass sie einfach sofort raus muss. Diese Momente sind wie ein inneres Feuer, das nicht warten kann.
Und obwohl ich den Plan hatte, möchte ich ehrlich sein:
Manchmal sind die Gefühle einfach zu groß, um sie aufzuschieben.
Und das ist okay.
Denn wahre Inspiration kommt oft genau dann,
wenn man sie am wenigsten erwartet.

Also hier …..

Ich schrieb diesen Text abends. Es ist dunkel. Nicht nur im Zimmer, sondern auch in mir.
Der Bildschirm vor mir flackert. Discord ist geöffnet.
In manchen der Voice-Channels sitzen Menschen, die ich mag. Wirklich mag.
Menschen, die ich bewundere, weil sie lachen können, reden, sich zeigen, sich trauen.
Ich sitze davor wie hinter einer Glasscheibe – so nah dran, aber unendlich weit weg.
Mein Herz ruft: „Geh doch rein!“
Aber mein Kopf flüstert: „Du störst nur.“

Meine Psyche hat Macht. Unwahrscheinlich viel Macht.
Und gerade jetzt ist sie wieder stärker als ich.
Ich habe kaum Selbstbewusstsein. Vertraue niemandem so sehr wie mir –
und traue mir selbst nichts zu.

Ironisch, nicht wahr?
Da ist dieser Blog. Meine Worte sind draußen. Ich bin sichtbar.
Ein Teil des Internets, der Szene, des Diskurses.
Menschen lesen mich, hören mir zu. Sie schreiben mir:
„Du bist so stark, so klug, so selbstbewusst.“

Aber was sie sehen, ist nur ein Schatten. Eine Maske aus Buchstaben.
Ich bin nicht stark.
Ich bin müde.
Ich bin nicht klug.
Ich bin überfordert.
Ich bin nicht selbstbewusst.
Ich bin zerfressen von Selbstzweifeln.

Ich habe lange gezögert, das zu schreiben. Es fühlt sich falsch an, so offen zu sein.
Weil ich damit ein Bild zerstöre, das viele von mir haben.
Und weil ich angreifbar werde –
nicht nur von außen, sondern auch von innen.
Denn jedes Wort hier ist auch ein Spiegel.
Und manchmal ist es schwer, sich selbst darin zu erkennen.

Ich bin in einem Strudel.
Ich kämpfe. Jeden Tag.
Mit meiner Gesundheit. Mit meinen Gedanken. Mit der Angst, dass ich zu viel bin.
Zu leise. Zu laut. Zu emotional. Zu zerbrechlich.
Oder einfach: Zu wenig.

Mein Mann und ich – wir kämpfen auch. Nicht gegeneinander, aber miteinander und füreinander.
Nicht, weil wir uns nicht lieben,
sondern weil wir beide gerade zu sehr mit uns kämpfen und den Dämonen
des jeweils anderen.
Weil Liebe manchmal nicht reicht, wenn der Kopf zu laut ist.
Wenn das Herz keinen Weg findet durch all den Lärm im Innern.
Dennoch halten wir uns gegenseitig fest, weil Liebe alles ist.

Ich ziehe mich zurück.
Ich sitze in der Dunkelheit, weil sie mich wenigstens nicht bewertet.
Die Dunkelheit fragt nicht, ob ich genug leiste.
Sie erwartet nichts.
Sie lässt mich einfach sein.

Ich denke an meine Freunde.
Die tollen Projekte, an denen sie arbeiten.
Games, Communities, Events, Hochzeiten, Geburtstage.
Ich liebe ihren Enthusiasmus.
Aber ich finde keinen Anschluss.
Weil mein Kopf mir sagt:
„Du interessierst dich nicht genug dafür. Du bist außen vor.“
Und trotzdem sehne ich mich danach, einfach dabei zu sein.
Still. Zuhörend. Teilhabend.
Doch ich gehe nicht in den Talk, gehe nicht zu treffen und nicht ansTelefon.
Weil ich Angst habe, angst zu stören.
Mit meiner Stimme. Meiner Unsicherheit. Meiner Erschöpfung. Meiner Krankheit.

Ich will niemanden belasten.
Ich will nicht der Grund sein, warum eine Stimmung kippt.
Warum jemand sich fragt:
Was soll ich jetzt sagen? Wie kann ich helfen?“
Denn ich weiß nicht mal selbst, was ich brauche.
Und ich habe Angst, dass meine Schwäche anderen weh tut.

Ich schreibe das alles auf,
nicht weil ich Mitleid will,
sondern weil ich glaube, dass ich nicht allein bin.
Weil da draußen Menschen sind, die sich genauso fühlen.
Die auch abends im Dunkeln sitzen.
Die Discord geöffnet haben, aber schweigen.
Die lieben, aber sich nicht trauen.
Die leben, aber kaum noch Kraft dafür haben.

Unsere Psyche hat Macht.
Sie kann uns klein machen.
Sie kann uns die Freude nehmen an Dingen, die wir lieben.
Sie kann Mauern bauen – aus Selbstzweifeln, Ängsten, und Scham.

Aber ich schreibe das hier,
weil ich nicht schweigen will.
Weil ich gelernt habe: Verletzlichkeit ist keine Schwäche.
Weil jedes „Mir geht’s nicht gut“ ein Akt von Mut ist.

Ich weiß nicht, wie es weitergeht.
Ich weiß nicht, wann ich mich wieder traue, in einen Talk zu gehen.
Oder laut zu sagen: „Ich brauche Hilfe.“

Aber ich schreibe diesen Text als ersten Schritt.
Vielleicht für mich. Vielleicht für dich.
Vielleicht für uns beide.

Und wenn du dich in irgendetwas hier wiedererkennst –
bitte, fühl dich nicht allein.
Du bist nicht falsch. Nicht zu viel. Nicht zu wenig.
Du bist da.
Und das allein ist schon ein kleines Wunder.

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