Ein ehrlicher Blick ins Herz – über Freundschaft, Schmerz und das nicht enden wollende Mitgefühl
Es gibt Tage, an denen ich mich frage:
Was stimmt mit mir nicht?
Warum lasse ich es immer wieder zu, dass andere mir so nahe kommen, dass sie mich verletzen könnten? Warum öffne ich Türen, hinter denen nicht Liebe, sondern Kälte wartet? Warum höre ich zu, wenn andere längst nicht mehr zuhören? Und warum denke ich an Menschen, die mich längst vergessen haben?
Dabei müsste ich mich doch glücklich schätzen.
Ich habe so viele Freunde – so viele Kontakte, Menschen um mich herum. Und vor allem: Ich habe den besten Ehemann der Welt. Einen Menschen, der mich hält, wenn ich falle. Der da ist, wenn ich leise werde. Ich habe Liebe in meinem Leben. Sicherheit. Wärme.
Aber irgendwas… irgendwas tut trotzdem weh.
Denn manche dieser „Freunde“ entpuppten sich als falsch.
Und obwohl ich es besser wissen müsste, falle ich immer wieder auf genau solche Menschen rein. Menschen, die sich meine Nähe nehmen wie ein Getränk aus dem Kühlschrank: aufmachen, austrinken, wegstellen. Menschen, für die ich nur dann von Bedeutung bin, wenn es in ihrem Leben stürmt – nicht in meinem.
Und weißt du, was das Schlimmste ist?
In meinen stillen Momenten – mitten in der Nacht, wenn alles schläft, auch die Wut – denke ich an sie.
Ich sorge mich um sie.
Ich frage mich, wie es ihnen geht. Ob sie lachen. Ob sie weinen. Ob sie manchmal an mich denken.
Und ich hasse mich dafür
Ich hasse, wie mein Herz so laut ruft nach Menschen, die mich wie eine Puppe behandelt haben.
Eine Puppe, die man aus dem Schrank holt, wenn man jemanden braucht, der zuhört, schweigt, trägt, erträgt – und dann verstaut, sobald es einem wieder gut geht.
Wie egoistisch ist das?
Wie naiv bin ich?
Wie tief muss mein Bedürfnis nach Verbindung sein, dass ich selbst da noch Mitgefühl empfinde, wo andere längst Gleichgültigkeit zeigen?
Ich sage mir: Sei wütend! Sei laut!
Und gleichzeitig flüstert etwas in mir: Aber was, wenn es ihnen schlecht geht?
Ich will schreien. Ich will „Nein“ sagen. Ich will mich abgrenzen.
Und doch sitze ich hier – mit einem weichen Herzen und einer gebrochenen Erwartung.
Nicht, weil ich schwach bin.
Sondern, weil ich nie aufgehört habe zu fühlen.
Und das fühlt sich manchmal wie ein Fluch an.
Manchmal glaube ich wirklich: Vielleicht verdiene ich es sogar, benutzt zu werden.
Weil ich es immer wieder zulasse.
Weil ich „Ja“ sage, wenn ich „Nein“ denke.
Weil ich helfen möchte, auch wenn ich selbst kaum noch Luft bekomme.
Aber tief in mir weiß ich:
Das ist nicht wahr.
Niemand verdient es, verletzt zu werden.
Niemand verdient es, nur ein emotionaler Mülleimer für andere zu sein.
Niemand verdient es, benutzt zu werden – nur weil das Herz ein bisschen weicher ist als bei den meisten.
Ich bin kein Spielzeug. Kein Objekt. Keine Notlösung.
Ich bin ein Mensch.
Mit Gefühlen, Gedanken, Grenzen.
Und ja – vielleicht bin ich naiv. Vielleicht auch nur sehr mitfühlend.
Vielleicht sehe ich in anderen zu oft das Gute, auch wenn sie mir das Schlechte zeigen.
Vielleicht glaube ich zu lange an Verbindungen, die längst gerissen sind.
Aber weißt du was?
Das ist kein Fehler.
Das ist meine Menschlichkeit.
Meine Fähigkeit, immer wieder zu lieben.
Immer wieder zu hoffen.
Immer wieder an das Gute zu glauben, auch wenn das Schlechte lauter schreit.
Und ja, ich werde mich weiter schützen müssen.
Ich werde lernen dürfen, klarer „Nein“ zu sagen.
Mich nicht mehr klein zu machen für andere, die meinen Wert nicht sehen.
Aber ich will nicht aufhören, zu fühlen.
Denn das bin ich.
Und das ist – trotz allem – schön.
Vielleicht werde ich noch oft an die falschen Menschen denken.
Vielleicht werde ich auch noch öfter an ihnen zerbrechen.
Aber eines weiß ich jetzt:
Ich werde nicht mehr glauben, dass mit mir etwas nicht stimmt.
Ich bin nicht zu viel.
Ich bin nicht zu weich.
Ich bin nicht zu gutgläubig.
Ich bin ein Herz mit offenen Händen.
Und das ist alles, was ich sein muss