Eigentlich sollte hier regulär ein anderer Blogbeitrag stehen. Etwas Nachdenkliches. Etwas Bewegendes. Etwas das mich beschäftigt. Vorbereitet. Vorgrdreht & Geplant. Worte, die mir auch auf der Seele brennen, aber aus anderem Anlass. Ein Text mit Struktur, mit Ruhe, mit wohlgesetzten Gedanken.
Aber manchmal…
Manchmal kommt es anders.
Und manchmal sind es gerade die spontanen, ungefilterten, rohen Momente, die am tiefsten in uns nachhallen.
Deshalb schreibe ich heute nicht das, was geplant war –sondern das, was mein Herz gerade fühlt.
Letzten Samstag haben wir zum sechsten Mal das Fest des Lebens gefeiert.
Sechs Jahre.
Sechs Jahre, die nicht nur eine Zahl sind, sondern ein einziger riesiger Meilenstein.
Sechs Jahre Überleben.
Sechs Jahre Weitermachen.
Sechs Jahre Lächeln, auch wenn es wehtut.
Tanzen mit zitternden Beinen.
Leben inmitten von Schmerz und Hoffnung.
Ich habe mich in diesen Jahren neu zusammensetzen müssen.
Wie ein zerbrochenes Mosaik – Splitter für Splitter.
Manches passte nicht mehr wie früher. Manches war ganz verloren. Und dennoch…
Es wurde etwas Neues daraus.
Zerbrechlich. Und gleichzeitig so viel stärker als alles, was vorher war.
Und dann wart da ihr.
Letzten Samstag.
So viele liebe Menschen.
So viele von euch, die da waren – wirklich da waren.
Ihr habt nicht gefragt, ob das alles Sinn ergibt.
Ihr habt nicht gewertet.
Ihr habt euch nicht von Diagnosen oder Einschränkungen abschrecken lassen.
Ihr wart einfach… da. Ihr habt uns zu eurer Priorität gemacht und den weg – egal wie weit er war – auf euch genommen nur um da zu sein.
Ihr habt das Leben mit uns gefeiert.
Laut. Herzlich. Wild.
Ein Tag voller Kuchenkrümel und Tränenglitzernd.
Voller Kinderlachen und Umarmungen, die sich nach Zuhause anfühlten.
Ihr wart an diesem Tag nicht einfach Gäste.
Ihr wart Familie.
Und nicht, weil ihr es müsstet – sondern weil ihr es seid.
Denn Familie ist mehr als Genetik.
Familie ist das Gefühl von „Ich seh dich.“
Das Gefühl von „Ich bleib.“
Das Gefühl von „Du bist nicht allein.“
Und genau das habt ihr mir gegeben.
Eigentlich uns allen – auch euch selbst. Denn, niemand war an dem Tag alleine. Niemand saß alleine. Obwohl sich viele fremd waren. Ein bunter Haufen – das ist wohl die ehrlichste Beschreibung für diesen Tag. Verschiedenste Menschen aus verschiedensten Lebenswegen, Herzenswegen, Kreuzungen. Manche kannten sich, viele nicht. Und doch saßt ihr da zusammen, habt gelacht, geredet, euch begegnet und gemeinsam Erinnerungen erschaffen. Ganz ohne Masken, ohne Vorurteile. Ohne Schubladen. Einfach Mensch neben Mensch. Dass ist für mich das größte Wunder und gleichzeitig das größte Geschenk.
Denn, während draußen in der Welt so viel Hass, Neid, Misstrauen und Gleichgültigkeit herrscht, saßt ihr mit uns am Tisch.
Ihr habt Kuchen, Geschichten, lachen und eure Zeit geteilt. Einfach so, aus Liebe. Und das zeigt doch was ihr für tolle Menschen seid!
Heute, einen bis zwei Tag danach, brennt mein Körper.
Die Schmerzen sind laut.
Mein Kopf rauscht.
Meine Kräfte sind dünn wie Papier.
Aber mein Herz…
mein Herz leuchtet und mein Lächeln bekomme ich nicht aus dem Gesicht.
Ich bin müde – aber tief erfüllt.
Ich bin erschöpft – aber innerlich voller Glanz.
Denn das, was ihr mir gestern geschenkt habt,
kann kein Medikament, kein Arzt, keine Therapie je leisten:
Ihr habt mir gezeigt, dass mein Leben zählt.
Dass mein Weg – so schwer er manchmal auch sein mag – Spuren hinterlässt.
Wirkung hat. Bedeutung hat.
Ihr habt mit eurem Dasein Räume mit Liebe gefüllt,
die oft so leer wirken.
Ihr habt mich aufgefangen – ohne Netz.
Ihr wart – ihr seid meine Medizin.
Ohne Nebenwirkungen.
Wenn ich könnte, würde ich jeden Moment dieses Tages in eine Schneekugel packe
und immer wieder schütteln –
damit ich sehen kann, wie der Glitzer dieser Erinnerungen tanzt.
Und wenn ich einmal zweifle – was immer wieder passiert –
dann werde ich genau an diesen Tag denken.
An eure Augen.
An eure Stimmen.
An euer Lächeln.
An dieses „Wir feiern das Leben – und dich.“ Und ich werde mir unsere Bilder anschauen und vor Glück lächeln.
Ich weiß nicht, wie es weiter geht medizinisch, wie lange ich noch schreiben kann.
Wie oft ich euch noch danken darf.
Aber solange ich atmen kann,
solange ich schreiben und sprechen kann –
werde ich euch danken.
Danke, dass ihr bleibt.
Danke, dass ihr tragt.
Danke, dass ihr lacht, wo ich oft nicht mehr kann.
Danke, dass ihr da seid.
Das Leben ist kein gerader Weg.
Es ist oft ein Labyrinth aus Hoffnung, Angst, Liebe, Schmerz, Kraft.
Aber mit euch fühlt es sich weniger eng an.
Weniger dunkel.
Weniger schwer.
Ihr seid mein Licht.
Mein Grund.
Meine Familie.
Mein Zuhause.
Ich liebe euch.
Von tiefstem Herzen.
Und ich trage euch – jeden einzelnen –
in jedem neuen Morgen mit mir.
Auf das Leben. Auf euch. Auf uns.
Möge dieser Tag nie verblassen.
Und möge unsere Liebe die Krankheit überstrahlen.
Ich wünsche mir nur noch, dass es euch allen genauso gut erging wie mir. Dass ihr euch genauso geliebt, gehalten und geborgen gefühlt habt und immer noch fühlt, durch unseren Samstag.

Und jedem Kämpfer, der hier liest oder hört, um Mut oder Hoffnung zu finden, wünsche ich so ein starkes Umfeld wie ich es habe. Denn damit gewinnt man jeden Kampf und ist niemals allein.
In tiefer Dankbarkeit und Liebe,
Eure
Däumi