Sechs Jahre.
Zwei Ziffern – und doch ein ganzes Universum voller Erinnerungen, Schmerz, Kraft, Tränen, Lachen, Rückschlägen und kleinen Siegen.
Sechs Jahre sind vergangen seit der Operation, die ich liebevoll und mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors meine „Ü-Ei-OP“ nenne – weil niemand so recht wusste, was drinsteckt. Nicht einmal die Ärzte. Sechs Jahre, seit ich dem Tod ins Gesicht geschaut habe und beschlossen habe: Nein. Nicht jetzt. Nicht so.
Wenn ich heute zurückblicke, fällt es mir schwer zu begreifen, dass diese Zeitspanne wirklich vergangen ist. Denn sie war so voll, so intensiv – jede Woche, jeder Tag ein kleines Abenteuer. Oft kein schönes, manchmal bitter, häufig schmerzhaft. Aber auch voller Momente, die ich nicht missen möchte.
Mein Leben, ein kurvenreiches Abenteuer
31 Jahre ist es her, dass ich eingeschult wurde. Damals bekam ich eine Tüte voller bunter Überraschungen, neuer Stifte, Süßigkeiten, Hoffnung. Heute, viele Jahre und viele Schlachten später, denke ich darüber nach, mir wieder eine Tüte zu kaufen – nicht für ein neues Schuljahr, sondern für ein neues Lebenskapitel.
Denn mein Leben war keine gerade Strecke. Es war ein Weg mit scharfen Kurven, tiefen Tälern und steilen Anstiegen. Und trotzdem bin ich hier. Weil ich nie ganz aufgegeben habe. Weil irgendetwas in mir – ein kleiner, zäher Funken – sich immer geweigert hat, liegen zu bleiben.
Wenn Stolz sich wie Trommeln anfühlt
Ich bin stolz.
Leise, schüchtern, im Versteckten.
Aber auch Laut. Spürbar. Wie Trommeln in meiner Brust.
Denn ich bin noch hier.
Trotz allem.
Trotz der Tage, an denen nichts mehr ging. Trotz der Nächte, in denen ich geweint habe, bis mir die Tränen ausgingen. Trotz der Sätze von Ärzten, die ich nie vergessen werde. Trotz all der Male, in denen ich nicht mehr ich war – sondern nur noch ein müder Körper, der einfach funktionieren sollte.
Aber ich habe es überlebt. Ich habe es gelebt. Und ich habe dabei nie vergessen zu fühlen.
Dunkelheit ist kein Ort – sie ist ein Zustand
Es gab Phasen, in denen ich mich verloren fühlte. Wo meine Gedanken mich gefangen hielten wie ein Raum ohne Türen. Ich wusste nicht, wie ich wieder herauskomme. Manchmal habe ich sogar gehofft, dass es einfach still wird. Dass ich verschwinden darf. Dass der Schmerz aufhört.
Doch dann kam etwas. Oder jemand. Ein Satz. Eine Umarmung. Ein Sonnenstrahl. Mein Mann.
Und ich erinnerte mich, warum ich kämpfe.
Mein Ehemann – mein Leuchtturm
Ich wüsste nicht, wo ich wäre, wenn er nicht gewesen wäre.
Er hat nicht versucht, mich zu reparieren.
Er hat mich gehalten, so wie ich war.
Er hat mich angeschaut, selbst wenn ich mich nicht anschauen konnte.
Er hat mit mir geschwiegen, wenn keine Worte passten, und gesprochen, wenn meine Gedanken zu laut wurden.
Er war der Mensch, der mich nicht getragen hat – sondern mir beigebracht hat, wieder selbst zu gehen.
Ich habe gelernt, dass wahre Liebe nicht in den großen Gesten liegt – sondern in der Geduld, der Beständigkeit, dem Bleiben.
Das Leben feiern – trotz allem
Ich habe oft das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen muss. Für meine Müdigkeit. Für meine Tränen. Für mein Überleben. Dabei sollte ich einfach feiern dürfen.
Und genau das tue ich.
Mit dieser imaginären Einschulungstüte in der Hand, wie ein Symbol für all die neuen Schritte, die noch vor mir liegen.
Weil ich mich entschieden habe, mein Leben nicht mehr als etwas zu betrachten, das ich „hinter mich bringen“ muss. Sondern als etwas, das ich erleben darf.
Ich habe die schlimmsten Kapitel überstanden – und auch wenn neue Herausforderungen warten, weiß ich heute: Ich bin bereit.
Ein Fest – für das Leben, für uns
Ich freue mich, dass wir gemeinsam feiern werden. Nicht mich – sondern das Leben selbst. Denn jede und jeder, der heute bei mir ist – bzw. morgen, hat auf seine Weise zu meinem Weitergehen beigetragen.
Ich danke euch. Von ganzem Herzen.
Für jede Nachricht, jedes Lächeln, jede stille Geste.
Und ich hoffe, dass wir an diesem Tag nicht nur die Vergangenheit ehren – sondern auch in die Zukunft schauen.
Denn egal, was noch kommt: Ich bin hier.
Mit meiner Einschulungstüte.
Mit meiner Geschichte.
Mit meinem Stolz.
Und Mit meinen Ehemann den ich über alles lieb.
Ich bin nicht geheilt – aber ich bin ganz.
Ich bin nicht immer stark – aber ich bin mutig.
Ich bin nicht perfekt – aber ich bin lebendig.
Sechs Jahre.
Ich feiere das Leben.
Und ich feiere mich.
und ich feier Euch – die ihr alle dabei seid.