Es gibt Tage, an denen fühlen wir uns wie in einer Endlosschleife gefangen. Tage, an denen jeder Schritt sich bedeutungslos anfühlt, weil wir keinen Fortschritt sehen. Weil es scheint, als würde die Welt um uns herum in Lichtgeschwindigkeit voranschreiten, während wir selbst auf der Stelle treten. Dann kommt dieser eine Moment – dieser leise, nagende Gedanke:
Warum geht es nicht schneller? Warum komme ich nicht weiter? Warum bin ich immer noch nicht dort, wo ich sein will?
Doch Fortschritt ist nicht immer sichtbar. Er ist nicht immer laut, kein rauschender Applaus, keine triumphale Geste, die jeder sehen kann. Manchmal ist Fortschritt ein leiser Atemzug am Morgen, den du dir gestern vielleicht noch verwehrt hast. Ein Moment der Ruhe inmitten des inneren Sturms. Ein kleines „Nein“ zu etwas, das dir nicht guttut. Ein „Ja“ zu etwas, das du dir lange nicht erlaubt hast.
Ich erinnere mich an einen Moment, als ich mich verloren fühlte. Als ich dachte, ich würde niemals weiterkommen. Mein Mann schaute mich an, nahm meine Hand und sagte:
„Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück.“
Zuerst musste ich lachen. Es klang so banal. Doch als ich darüber nachdachte, wurde mir klar: Alles Große beginnt im Kleinen. Jeder noch so lange Weg beginnt mit einem einzigen Schritt. Und manchmal bedeutet vorankommen nicht, große Sprünge zu machen, sondern einfach nur nicht aufzugeben.
Babysteps sind keine Rückschritte.
Wir sind oft so ungeduldig mit uns selbst. Wir erwarten, dass Heilung in Tagen geschieht, dass Wachstum über Nacht sichtbar wird. Dass wir in Lichtgeschwindigkeit durch unsere Krisen gehen und am anderen Ende als bessere Version unserer selbst herauskommen. Aber genau da liegt der Irrtum.
Wachstum braucht Zeit. Heilung braucht Zeit. Veränderung ist kein geradliniger Weg – sie ist chaotisch, voller Umwege, voller Rückschläge. Und das ist okay.
Ich habe schon oft über Babysteps geschrieben. Und immer wieder muss ich mich daran erinnern: Jeder kleine Schritt zählt. Jeder Tag, an dem du aufstehst, obwohl du nicht willst. Jeder Moment, in dem du liebevoll mit dir selbst umgehst, obwohl dein innerer Kritiker schreit. Jede Entscheidung, die du triffst, um ein kleines Stück mehr du selbst zu sein.
Und das Wichtigste: Jeder Moment, in dem du dich selbst annimmst – so, wie du bist.
Selbstliebe ist kein Egoismus, sondern Frieden mit sich selbst .
Es gibt so viele Missverständnisse über Selbstliebe. So viele glauben, es sei Egoismus. Ein Zeichen von Narzissmus. Doch das Gegenteil ist wahr. Selbstliebe bedeutet nicht, sich über andere zu stellen. Es bedeutet, sich selbst genug zu sein. Sich nicht ständig infrage zu stellen.
Und vor allem: Selbstliebe bedeutet nicht, sich erst dann für wertvoll zu halten, wenn man eine bestimmte Leistung erbracht hat.
Wir wachsen in einer Welt auf, die uns beibringt, dass unser Wert an unsere Produktivität geknüpft ist. Dass wir erst dann genug sind, wenn wir genug tun. Dass wir erst dann Liebe verdienen, wenn wir perfekt sind.
Aber das ist eine Lüge.
Du bist wertvoll, einfach weil du, du bist.
Wir können andere erst lieben, wenn wir uns selbst lieben & akzeptiern.
Hast du schon einmal versucht, jemandem Komplimente zu machen, während du selbst voller Selbstzweifel warst? Es fühlt sich falsch an, oder?
Das liegt daran, dass wir andere erst dann wirklich annehmen können, wenn wir uns selbst annehmen. Wenn wir mit uns selbst im Reinen sind, hören wir auf, in anderen das zu kritisieren, was wir an uns selbst nicht mögen.
Niemand ist perfekt. Jeder macht Fehler. Jeder hat Narben, die nicht jeder sieht. Und genau das macht uns menschlich.
Wir alle sind unfertige Werke. Wir alle entwickeln uns täglich weiter.
Aber wenn wir uns selbst nicht annehmen, werden wir auch bei anderen immer Fehler suchen.
Prioritäten setzen – und den Moment genießen
Wir denken oft, wir hätten unendlich viel Zeit. Wir verschieben Dinge auf morgen, auf nächste Woche, auf irgendwann. Wir sagen uns, dass wir uns später um unsere Träume kümmern, später lernen, uns selbst zu lieben, später damit anfangen, wirklich zu leben.
Doch das Leben passiert jetzt.
Der heutige Moment kommt nie wieder.
Jedes Gespräch, das wir führen. Jedes Lächeln, das wir teilen. Jede Umarmung, die wir geben. All das wird eines Tages eine Erinnerung sein. Und wenn wir zurückblicken, sind es genau diese stillen, unscheinbaren Momente, die uns fehlen werden.
Das Leben ist jetzt.
Ich habe gelernt, dass die wertvollsten Erinnerungen nicht die großen, spektakulären Ereignisse sind. Nicht der eine perfekte Tag, auf den wir so lange gewartet haben. Sondern die stillen Augenblicke dazwischen.
Das Lachen mit einem geliebten Menschen mitten im Alltag.
Der Geruch von Kaffee oder Tee am Morgen.
Der Sonnenstrahl auf der Haut, der für einen Moment alles leichter macht.
All diese Momente sind das, was bleibt.
Warte nicht auf das perfekte Leben – es ist schon da
Lass uns aufhören, darauf zu warten, dass wir „fertig“ sind, dass wir „genug“ sind.
Denn wir sind es bereits.
Hier. Jetzt. In diesem Moment.
Und wenn es dir schwerfällt, das zu glauben, dann erinnere dich an die Worte meines Mannes:
„Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück.“
Und glaube mir, du bist nicht allein. Niemand ist allein.
Ich schreibe diesen Text zwar an dich gewandt, aber auch, um mich selbst daran zu erinnern.
Viele sagen mir, ich sei stark. Dass ich alles im Griff habe. Aber die Wahrheit ist:
Ich bin nicht stark, weil ich es allein schaffe.
Ich bin stark, weil ich das größte Glück auf dieser Welt habe.
Ich habe meinen Mann, der immer an meiner Seite ist.
Ich habe ein riesengroßes, stabiles, wundervolles Umfeld.
Ich habe Familie und Freunde, die mich tragen, wenn ich selbst nicht weiterkomme.
Und das macht mich reich. Wahrhaftig reich.
Du bist genug. Jetzt, Hier & Immer.
Egal, wo du gerade stehst. Egal, wie schwer dein Weg sich anfühlt. Egal, wie oft du denkst, dass du nicht weiterkommst.
Du kommst weiter. Stück für Stück.
Und du bist nicht allein