Ein Wiedersehen nach 25 Jahren – Ein Tag voller Liebe, Erinnerungen und Abschiedsschmerz

Es gibt Momente im Leben, die sich anfühlen, als würde die Zeit für einen kurzen Augenblick stehen bleiben. Als würde das Universum dir eine Tür öffnen, von der du längst geglaubt hast, sie sei für immer verschlossen. Gestern (08.02.25) war einer dieser Momente.

Ich wusste nicht, dass es passieren würde. Ich wusste nicht, dass ich plötzlich vor Menschen stehen würde, die einst meine Welt waren, die mich geprägt, geformt und geliebt haben – und die dann so lange so weit weg waren, dass ich sie nur noch in Erinnerungen festhalten konnte.

Als ich hörte, dass meine Cousine kommt, war ich schon voller Vorfreude. Sie, die durch ihre Ehe nun in Frankreich lebt, war immer ein Teil meiner Kindheit in Algerien. Sie und ihre Schwestern, meine Tante – sie waren meine Bezugspersonen, meine sicheren Häfen, meine Lehrerinnen im Leben. Ich habe von ihnen gelernt, was es heißt, eine Familie zu sein. Ich habe durch sie Werte mitbekommen, die mich bis heute begleiten. Ihre Mutter, meine Tante, war für mich immer wie eine zweite Mutter. Alle sagen, ich sehe ihr ähnlich, und in gewisser Weise fühle ich mich ihr auch ähnlich. Ich habe von ihr gelernt zu backen, zu kochen – Dinge, die so viel mehr sind als nur Handgriffe. Sie sind Erinnerungen, die nach Heimat schmecken, nach Kindheit, nach Liebe.

Und dann stand sie plötzlich vor mir. Nicht nur meine Cousine, sondern auch ihre Mutter – meine Tante. Die Frau, die ich über 25 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Die Frau, von der ich dachte, ich würde sie nie wiedersehen, weil das Leben so viele Grenzen setzt. Weil Reisen für uns nicht einfach ist. Weil Algerien für mich zu weit weg und für sie das Verlassen des Landes zu kompliziert ist. Ich hatte mich mit diesem Gedanken abgefunden, hatte mich daran gewöhnt, dass es Dinge im Leben gibt, die man einfach akzeptieren muss – auch wenn sie wehtun.

Doch gestern hat das Leben mich überrascht.

Da war sie. In meiner Stadt. In meiner Nähe. Nicht mehr nur eine vage Erinnerung, sondern real, greifbar, da. Ich kann kaum beschreiben, was das mit mir gemacht hat. Es war, als würde eine Wunde, die ich so lange in mir getragen habe, für einen Moment geheilt werden. Als würde ich für einen Augenblick die Zeit zurückdrehen können.

Die Stunden verflogen, und ich wollte jede einzelne Sekunde aufsaugen. Ich wusste, dass sie nicht lange bleiben würden. Nur zwei Tage. Zwei Tage nach 25 Jahren. Das ist nichts. Und doch ist es alles.

Ich saß gestern den ganzen Tag bei meiner Mutter, spielte mit meinem Neffen, hörte die Stimmen meiner Familie um mich herum. Es war chaotisch, laut, eng – neun Menschen in einer kleinen Wohnung, darunter drei Kinder, eines davon ein Baby mit Pseudokrupp. Und trotzdem war es wunderschön.

Heute kamen sie zu mir nach Hause, um zu sehen, wie ich lebe. Es war surreal. Mein Zuhause, mein Leben – und sie, die so lange nicht mehr Teil davon waren. Ich sah in ihre Augen und erkannte so viel wieder. Ihre Wärme, ihre Liebe, ihre unerschütterliche Stärke.

Und doch hing über allem der Schatten des Abschieds. Denn ich wusste, dass diese Zeit nur geliehen war. Dass sie bald wieder fahren würden. Zurück nach Frankreich. Und ich würde wieder zurückbleiben mit Erinnerungen, mit einem Herzen, das sich gleichzeitig so erfüllt und so leer anfühlt.

Ich bin durch für heute. Mein Kopf ist voller Gedanken, mein Herz ist schwer. Aber ich weiß eines: Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen.

Ich werde diese Stunden festhalten, in meinem Herzen, in meiner Seele. Denn solche Momente sind selten, und sie sind unbezahlbar. Sie sind ein Geschenk, das mir niemand mehr nehmen kann. Und auch wenn der Abschied schmerzt – das Wiedersehen war es wert.

Hinterlasse einen Kommentar