27 Jahre – eine Ewigkeit, und doch fühlt es sich manchmal an, als wäre es gestern gewesen. Aber es war am 22.12.1997 – vor 27 Jahren. Ich sehe es vor mir, als hätte jemand diesen Moment in mein Herz eingebrannt: Der Anruf aus der Klinik, Mamas ersticktes Schluchzen, ihre zittrige Hand, wie sie den Hörer nicht loslassen wollte, als könnte sie dich mit einem festen Griff zurückholen. Sie saß da, im Flur, ganz klein, als hätte der Schmerz sie in sich selbst zusammengedrückt. Und ich stand versteckt hinter meiner Tür und schaute durch einen Spalt, zu klein, um zu begreifen, was es bedeutet, dich zu verlieren, aber groß genug, um die Schwere zu spüren.
Krebs – dieses Wort hat sich in mein Leben gebrannt wie ein Fluch. Es war nicht nur der Grund, warum du gehen musstest, sondern der Schatten, der seitdem über unserer Familie hängt. Es hat dich mir genommen, Papa, und mich gleichzeitig mit so viel Schmerz zurückgelassen. Als ob es nicht genug gewesen wäre, hat es mich selbst nicht verschont. Es quält mich seit 25 Jahren und ich frage mich manchmal, ob es jemals aufhört? Oder ob das Leben einfach ein ständiger Kampf ist, bei dem ich hoffe, dass ich irgendwann, irgendwo in deinem Namen siegen kann.
Ich weiß, wir hatten nicht viel Zeit zusammen. Viel zu wenig, um all die Erinnerungen zu schaffen, die ich heute so dringend brauche. Aber du hast mir in der kurzen Zeit, die wir hatten, so viel mitgegeben. Ich erinnere mich an dein Lächeln, an deine Wärme, an die Stärke, die du ausgestrahlt hast – als wäre sie unerschütterlich. Aber sie war es nicht, oder? Nicht gegen den Krebs, diesen unerbittlichen Gegner.
Es gibt so viele Momente, in denen ich dich brauche, Papa. Momente, in denen ich mir wünsche, ich könnte dich anrufen, deinen Rat hören oder einfach nur deine Stimme, die mir sagt: „Ich bin stolz auf dich.“ Es sind die kleinen und großen Dinge – Entscheidungen, die mich nachts wachhalten, Tage, an denen die Welt zu schwer auf meinen Schultern lastet, und Erfolge, die ich mit dir teilen möchte. Aber du bist nicht da. Nur die Stille.
Und doch trage ich dich in mir. Jeden Tag. Ich habe geschworen, 4% für dich zu leben, Papa. 4%, die mir sagen: „Gib nicht auf. Du lebst nicht nur für dich.“ 4% für jedes deiner Kinder. Und dann kommen noch 4% für Opa, für Nenna, für Manu und für Sarai – fünf Menschen, die mich geprägt haben, die fehlen, aber die immer da sind, irgendwo tief in meinem Herzen. Ich hoffe, ich mache euch alle stolz. Ich hoffe, du siehst mich, wo auch immer du bist, und denkst: „Das ist mein Mädchen. Sie kämpft. Sie gibt nicht auf.“
Aber ehrlich gesagt, Papa, manchmal fällt es mir schwer. Manchmal will ich nicht kämpfen. Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich nicht stark genug, als würde die Welt mich erdrücken. Und dann denke ich an dich. An dein Lächeln, an den Mut, den du hattest, bis zum Ende. Und ich finde ein kleines bisschen Kraft – gerade so viel, dass ich weitermachen kann.
27 Jahre ohne dich, Papa. 27 Jahre, in denen du gefehlt hast – bei jedem Geburtstag, bei meiner Hochzeit, bei den Hochzeiten meiner Geschwister, bei den Geburten deiner Enkel, bei jeder Entscheidung, bei jedem Moment, in dem ich mir so sehr gewünscht hätte, dass du da bist. Ich frage mich oft, was du sagen würdest, wenn du mich jetzt sehen könntest. Wäre ich die Tochter, die du dir erhofft hast? Würdest du stolz auf mich sein? Ich hoffe es. Denn ich gebe mein Bestes, auch wenn es manchmal nicht genug scheint.

Du fehlst, Papa. Du fehlst hier auf der Erde, in meinem Leben, in all den Momenten, die ohne dich einfach unvollständig bleiben. Aber ich trage dich in mir. In meinem Lächeln, in meiner Stärke – auch wenn sie manchmal nur gespielt ist – und in meinem Willen, trotz allem weiterzumachen.
Ich liebe dich, Papa. Und ich hoffe, dass du irgendwo bist, wo es keinen Schmerz mehr gibt, keinen Krebs, keine Tränen. Nur Frieden. 27 Jahre ohne dich – und doch bist du nie wirklich weg