Zwischen Hoffnung und Endgültigkeit – das ist mein Leben mit Anton, meinem polyzystischen Astrozytom. Manchmal frage ich mich, ob das alles wirklich passiert, ob ich wirklich diejenige bin, die in diesem Körper steckt, der sich so radikal verändert hat. Oft fühlt es sich an, als würde ich von außen auf mich selbst blicken – auf diese Frau, die seit 25 Jahren mit einem Tumor kämpft, der so selten ist, dass er nur einen Menschen unter 300.000 trifft. Aber dennoch traf es mich. Anton wächst seit Jahren langsam, tief verankert in meinem Nacken und Rückenmark. Der Kampf begann damals und hat seither nie aufgehört.
Ich wurde zur Expertin für Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen – in meinem Körper. Ich kenne jede Herausforderung, jede Grenze, die ich durchbrochen habe – aber auch, welchen Preis das alles hatte. Meine erste OP, bei der die Ärzte meine Halswirbel entfernen und wieder einsetzen mussten, hat mein Leben komplett verändert, ja vielleicht sogar zerstört? Zumindest mein altes Leben, die alten ‚Träume. Seitdem lebe ich mit einer inkompletten Querschnittslähmung, eingeschränkt in allem, was ich tue. Doch diese Grenze erinnert mich auch daran, dass ich noch lebe, dass ich mir noch Zeit erkämpft habe.
Die Jahre vergingen, und immer wieder schien es, als wäre ich am Ende, nur um dann doch weiterzukämpfen. 2019 war die letzte große OP. Danach sagte man mir, es sei alles so gut wie nie zuvor. Doch dann kam 2024, und die Ärzte sprachen zum ersten Mal davon, dass es keine weiteren Therapien mehr gäbe. Dass Anton seit Jahren unaufhaltsam wächst und man nichts mehr tun könne. Als ich das hörte, zerbrach etwas in mir. Was macht man, wenn einem gesagt wird, dass alle Optionen ausgeschöpft sind? Wenn man das Leben, an das man sich geklammert hat, loslassen soll?
Seit Wochen warte ich auf einen Rückruf, irgendetwas von der Onkologie, einen Hinweis darauf, wie es weitergeht. Doch nichts. Der Tumor wächst langsam und die Zeit verstreicht. Ich sitze da und das Warten zehrt an mir. Bestrahlung ist keine Option mehr – zu riskant. Eine weitere Bestrahlung könnte die letzte Bewegung nehmen, die ich noch habe. Die Entscheidung, weiterzuleben oder sich dem Risiko zu stellen, das eigene Leben weiter zu verlieren – diese Frage schwebt über mir, Tag für Tag, Nacht für Nacht.
Ist das, was ich noch gewinnen kann, den Preis wert? Ein paar Monate oder Jahre, ein wenig Zeit, vielleicht gefüllt mit Schmerzen und weiteren Einschränkungen? Meine Ärzte raten davon ab und doch ist da dieser Drang in mir, jede Möglichkeit zu ergreifen, um weiterzuleben. Doch die Kraft, noch einmal den langen Weg zu suchen, Ärzte zu überzeugen und alles zu durchstehen, oder meinen Ärzten zu vertrauen – manchmal weiß ich nicht, ob die Kraft noch da ist.
Ich habe gelernt, dass Stärke oft nicht bedeutet, unerschütterlich zu sein. Stärke bedeutet, immer wieder aufzustehen, auch wenn die Dunkelheit schwer auf einem lastet. Ein Held ist nicht der, der ohne Schwierigkeiten lebt – es ist der, der im Schatten kämpft, der sich mit den eigenen Grenzen und Ängsten auseinandersetzt, auch wenn der Sieg ungewiss ist. Ein Held ist jemand, der sich durch das Feuer kämpft und nicht zulässt, dass es ihn zerstört.
So sitze ich hier, warte und hoffe, dass doch noch etwas passiert. Ich habe schon so oft gehofft, schon so viele Kämpfe geführt – aber jeder Tag, an dem ich die Sonne sehe, ist ein Tag, den ich gewinne. Ich bleibe, weil das Leben es wert ist, auch wenn es so hart und schmerzvoll ist. Denn manchmal geschehen kleine Wunder. Menschen treten in mein Leben, teilen Momente mit mir, die mich vergessen lassen, dass ich krank bin. – ein hoch auf das Internet.
Manchmal frage ich mich, was die Zukunft bringt, was dieser endlose Kampf noch für mich bereithält? Aber ich weiß auch, dass ich nicht am Ende bin. Vielleicht ist es nur ein Lichtschimmer am Horizont, eine Erinnerung daran, dass das Leben, so schwer es ist, auch Freude bringt. Und so kämpfe ich weiter – nicht nur für mich, sondern auch für jeden Moment, der noch kommen könnte…
Und dann passieren ganz nebenbei kleine Wunder
Es sind oft die unscheinbaren Momente, die unser Leben prägen. Wenn wir durch den Alltag streifen, nehmen wir die kleinen Wunder manchmal gar nicht wahr. Ein Lächeln von einem Fremden, ein unerwartetes Gespräch oder das Geräusch von Regen, der auf das Fenster prasselt – all das sind kleine Zeichen des Lebens, die uns verbinden.
Freundschaften entstehen in den unerwartetsten Augenblicken. Vielleicht in der Warteschlange im Café, wo zwei Menschen zufällig ins Gespräch kommen und sich plötzlich mehr als nur gemeinsame Vorlieben für Kaffee und Kuchen entdecken. Oder in einem Kurs, in dem die Leidenschaft für ein gemeinsames Hobby die ersten Brücken baut. Diese Verbindungen sind wie zarte Fäden, die sich um unsere Herzen winden und sie warm halten.
Doch nicht alle Freundschaften bleiben bestehen. Manchmal zerbrechen sie genauso schnell, wie sie entstanden sind. Missverständnisse, unterschiedliche Lebenswege oder einfach die Veränderung im eigenen Herzen können dazu führen, dass wir uns voneinander entfernen. Diese Momente sind schmerzhaft, sie hinterlassen eine Leere, die schwer zu füllen ist. Doch auch das ist ein Teil des Lebens. Wir lernen, loszulassen, zu vergeben und manchmal sogar, uns selbst neu zu finden.
In all dem liegt eine gewisse Magie. Jedes Lächeln, jede Umarmung, jede Träne lehrt uns etwas über uns selbst und über die Welt. Es sind diese kleinen Wunder, die uns daran erinnern, dass wir nie wirklich allein sind. Sie sind das Gewebe, das unser Leben zusammenhält – ein Netz aus Begegnungen, die uns formen und stärken.
Lasst uns also offen sein für diese Wunder, die uns im Alltag begegnen. Lasst uns die Momente der Verbindung schätzen und die Lektionen aus den Trennungen annehmen. Denn das ist auch eine Art von Leben – ein Kaleidoskop aus Freundschaften, Erinnerungen und den kleinen Wundern, die uns daran erinnern, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen sind.
In der Stille der Nacht, wenn wir zurückblicken auf die Tage, die vergangen sind, wird uns bewusst: Es sind die Menschen, die unser Herz berührt haben, die das Leben lebenswert machen. Jeder von ihnen hinterlässt eine Spur – ein kleines Wunder, das uns ein Stück weit mitnimmt auf der Reise des Lebens.