Anton wird groß

Mit den Jahren ist Anton richtig gewachsen, und ich habe manchmal das Gefühl, dass er sich in seiner kleinen Ecke meines Kopfes ganz wohlfühlt. Vielleicht hat er sich sogar einen kleinen Garten angelegt, wer weiß? Klar, er bringt seine Herausforderungen mit sich, aber immerhin gibt er mir viel Stoff zum Nachdenken – als wäre ich sonst nicht schon beschäftigt genug.

Aber wie das mit alten Bekannten so ist, man arrangiert sich irgendwie. Anton ist inzwischen ein Teil meines Lebens, fast wie dieser Kaktus, den man jahrelang nicht gießt, der aber trotzdem überlebt. Nur, dass Anton eben nicht vertrocknet, sondern eher wie ein Gummibärchen immer ein bisschen mehr ausbreitet.

Na ja, solange er keine Party feiert und noch mehr Freunde mitbringt, kommen wir zwei wohl irgendwie zurecht. Vielleicht kriegt ich ja irgendwann doch noch Miete von ihm….

Um wieder ernst zu werden ….

Das Leben mit einem Hirntumor ist ein ständiger Kampf gegen das Ungewisse. Jeder Tag, jeder Moment wird von der Frage überschattet: Was kommt als Nächstes?

Als ich die Nachricht erhielt, dass das MRT erneut Tumorwachstum zeigt, fühlte es sich an, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Nach all den Therapien, den Operationen und den Hoffnungen, die ich in jede Behandlung gelegt habe, höre ich nun – zum wiederholten Mal – das Wort, das niemand hören möchte: „austherapiert.“

Es ist schwer zu begreifen, dass die Medizin, die mir bisher zur Seite stand, nun an ihre Grenzen gestoßen ist. Der Gedanke, sich bei der Palliativstation vorzustellen, macht die Endgültigkeit meiner Situation schmerzlich bewusst. Es ist ein Moment, in dem die Realität mich mit voller Wucht trifft:

Die Zeit, die mir bleibt, ist begrenzt.

In dieser Dunkelheit gibt es eine seltsame Klarheit. Ich denke über das Leben nach, über die Dinge, die wirklich zählen. Es sind nicht die materiellen Besitztümer, sondern die Erinnerungen, die Menschen, die Momente der Liebe und des Lichts, die ich mit anderen geteilt habe. Es ist die Erkenntnis, dass selbst im Angesicht des Unvermeidlichen, das Leben weiterhin Wert hat. Jeder Atemzug, jeder Sonnenaufgang ist ein Geschenk, das ich mit Dankbarkeit annehme.

Die Vorstellung auf der Palliativstation ist nicht das Ende. Es ist ein neuer Weg, eine neue Reise, die ich mit Mut und Würde antreten will. Es geht darum, den verbleibenden Tagen bzw. Jahren Qualität zu geben, den Schmerz zu lindern und Frieden zu finden – mit mir selbst und mit meiner Situation.

Ich werde die Zeit nutzen, um mich zu verabschieden, um noch einmal die Menschen zu umarmen, die mir am Herzen liegen, und um die Schönheit im Alltäglichen zu sehen. Es mag nicht mehr viel Zeit sein, ein paar Jahre – aber es ist meine Zeit. Und solange ich noch die Kraft habe, werde ich sie mit allem füllen, was mir Freude und Trost schenkt.

Das Leben mit einem Hirntumor hat mir viel genommen, aber es hat mir auch die Augen geöffnet für das, was wirklich wichtig ist: Liebe, Verbundenheit, und der Mut, den eigenen Weg zu gehen – bis zum Schluss.

2 Antworten zu “Anton wird groß”

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