Es ist ruhiger geworden, wie alles um mich herum. Es kommt selten vor, dass mir die Worte fehlen, aber derzeit bin ich oft sprachlos.
Dies liegt nicht nur an meiner Gesundheit, sondern auch daran, was in dieser Welt passiert. Dass hier wird kein politischer Blog. Keine Sorge, dennoch…
Ich sehe Menschen, aber keine Menschlichkeit.
Jeder ist jemand, aber niemand möchte er selbst sein.
Früher hatte ich Angst vor Monstern, heute vor Menschen. Wenn mein kindliches Ich mich heute fragen würde, ob es Monster unter dem Bett gibt, würde ich antworten: „Nein, sie leben nicht unter unseren Betten, sondern in unserer Gesellschaft.“
Ich kämpfe immer noch um ein paar Bonusjahre Leben, um diese Welt zu sehen und möglicherweise den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen. Jeder von uns hinterlässt einen Fußabdruck auf dieser Welt.
Kürzlich schrieb ich mit einer Freundin über das Sterben und meine Gedanken über das Wort Palliativ. Eine andere Krebsinfluencerin – so nennt sie sich auf Insta – postete: „Palliativ bedeutet nicht, morgen tot.“
Dieser Satz hat mich sehr berührt und bewegt. Lange Zeit konnte ich nicht erklären, warum.
Nun, ich bin nicht erst Palliativpatient, seit mein Arzt es aussprach, ich bin es eigentlich seit dem Moment, als mir gesagt wurde, dass ich niemals tumorfrei sein würde. Meine Mutter sagte einmal, dass ihr das von Anfang an klar war. Dieser Satz wirkte im ersten Moment kühl, aber heute verstehe ich, dass meine Mutter einfach schon weiter ist im Verstehen und Akzeptieren. Was gleichzeitig bedeutet, dass sie schon lange, die Kunst des Genießens des Moments, begriffen hat. Ich bewundere meine starke Mutter immer wieder.
Palliativ bedeutet nicht, morgen tot zu sein! Aber, dass wir alle sterben, ist klar. Wir leben nur, in den Erinnerungen der anderen ewig. Deshalb ist es wichtig, einen eigenen Fußabdruck zu hinterlassen. Einen einmaligen! Individuellen. Einen, den andere Sehen und eventuell zum Vorbild nehmen. Villeicht ist das zu groß gedacht? Ich bin ja gar nicht so groß, dennoch glaube ich, dass wir immer von anderen lernen können. Zudem, dass sind meine Gedanken. Die müssen nicht auf jeden zutreffen.
Ich kämpfe immer noch mit meiner Geduld und meinem Verständnis dafür, wie die Dinge laufen. Ich versuche, nicht frustriert zu sein, aber es ist schwierig, wenn ich immer wieder auf Hindernisse stoße.
Ich spreche davon, dass ein vermeintlich „gesunder“ Mensch in der Krankenkasse bisher nicht in der Lage war, meinem Sanitätshaus grünes Licht zu erteilen. Das Sanitätshaus konnte bisher noch nicht einmal Ersatzteile für den Wiedereinsatz meines neuen Rollstuhls bestellen. Die Erprobung war bereits im Januar!
Ich bin mittlerweile mehr im Bett, als dass ich lebe. Weil mir jegliche Kraft fehlt und Schmerzen mich auffressen.
Ein anderer Mitarbeiter von meiner Krankenkasse hat den Widerspruch für meinen Antrag der Medikamentenstudie zum falschen MDK weitergeleitet. Dieser falsche MDK hat die Studie mit den falschen Gründen abgelehnt. Aber hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Ich warte weiterhin geduldig und telefoniere abwechselnd mit der Krankenkasse und dem Sanitätshaus. Derzeit schlafe ich etwa 16 Stunden pro Tag und verbringe mit viel Glück und Schmerzmitteln etwa 4 Stunden im Sitzen.
Trotzdem versuche ich, mit Lea Gassi zu gehen, da sie nicht ewig bei uns sein wird. Der Zahn der Zeit, nagt an ihr. Außerdem versuche ich, für meine Familie und Freunde da zu sein. Zum Glück kann ich auch im Liegen telefonieren. Allerdings definiere ich Leben anders.
Im August steht das nächste MRT an. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse. Gleichzeitig bin ich ziemlich gelassen, da wir ohnehin nichts tun können.
Es wird jedoch spannend, wenn sich die Schmerzklinik meldet. Vielleicht finden wir dort bessere Alternativen, die meinen Magen nicht belasten. Wir werden sehen.
Gerne führe ich hier alles weiter, obwohl dieser Text nicht so tiefgründig ist wie die vorherigen, ich muss mit meinen Kräften haushalten.
Ich blicke der Zukunft mit großem Interesse entgegen und finde immer einen Grund zum Lächeln. Den Kopf unter die Decke verstecken, bringt eben nur kurzweilig etwas.
Also, weiter geht’s!
Ich bleibe weiterhin optimistisch. Nur weil etwas negativ klingt, verliere ich nicht die Hoffnung. Es ist völlig normal, auch mal negative Gefühle zu haben. Niemand ist durchgehend positiv.