Karussell

Vorweg möchte ich sagen – dieses Leben ist schön!

Doch, natürlich gibt es auch andere – dunkle Zeiten. Es gibt nicht nur Sonnenschein. Wenn alles zu schwer wird zieh ich mich zurück, werde leise und stoße besonders die weg, die mir nahe sind. Ich mauer mich ein und lasse niemanden an mich ran. Nicht weil ich jemanden verletzen möchte – sondern weil ich befürchte, wenn andere mir bei diesem Puzzle helfen, diese Helfer mich dann mit anderen Augen sehen. Eventuell nicht mehr so mögen oder mir nichts mehr zutrauen. Zudem ist es verdammt schwer seinen eigenen Verfall wahrzunehmen, sich einzugestehen und nach außen zu kommunizieren. Es tut weh und macht einem die eigene Sterblichkeit, das eigene versagen in diesem Kampf noch deutlicher. Und das Schlimmste wäre, ein Puzzleteil zu verlieren. Zu viele Köche, verderben den Brei – heißt es nicht so?

Ich als Patient, als Ehefrau, als Tochter, als Schwester, ich als Freundin – versuche immer zu funktionieren und stark zu sein. Weil Schwäche niemand ertragen kann und der Schmerz in den Augen der geliebten Menschen einen schirre umbringt. Also, greife ich in meine Schminke und male mir ein Lächeln aufs Gesicht, damit ziehe ich in den immer wieder kehrenden Krieg, denn ich dann abends, wenn alles still, leise wird doch verliere. Meine Tränen wischen meine Schminke, mein Lächeln ab. Nur um es Morgen wieder anzumalen. Denn, das ist unser los, das los eines chronisch kranken Menschen. Und doch halten wir an der Hoffnung, an diesem Leben fest. Denn, es gibt keine zweiten Chancen. Kein zweites Versuchen, nur diesen winzigen Strohhalm namens Hoffnung.

Ja, wir Menschen sind nicht perfekt. Keiner von uns. Wir machen alle Fehler, wir versagen – manchmal.  Aber dann vergeben wir uns wieder um nach vorne blicken zu können. Immerhin haben manche von uns den Mut, ihre Gefühle zu zeigen.  Ich bin ein absoluter Gefühlsmensch! Ich liebe es zu lachen mit vollem Herzen und lache am liebsten über mich selbst. Ich heule – ständig – nicht nur bei Filmen, auch wenn ich sauer bin und ich bin zu tiefen Gefühlen fähig. Ich zeige deutlich, wenn ich jemanden mag und genauso deutlich, wenn ich jemanden nicht mag.  Menschen die ein Gespür für Empathie haben, können mich lesen wie ein offenes Buch. Ich kann nicht Schauspielern – meine Gefühle verraten mich. Für meine Familie und Freunde würde ich fast alles tun. Aber genauso kalt oder wütend kann ich werden, wenn man mich oder meine lieben verletzt. Ich würde gerne behaupten, dass ich nicht nachtragend bin – das wäre gelogen.  Ich vergesse nicht, wenn man mich verletzt hat. Negative Ereignisse bleiben sogar besser im Gedächtnis als gute. Ich vertraue schwer bis gar nicht und wenn man mich einmal verletz hat, vertraue ich selten ein zweites mal. Mein Vertrauen ist teuer und sehr instabil – wie ein Kartenhaus in einem Tornado.  Aber nicht um dich zu ärgern – sondern aus Selbstschutz – und Selbstzweifel.

Jeden Abend vor dem Schlafengehen durchforste ich den vergangenen Tag.  Spiele Gespräche durch und wäge ab, ob ich irgendwo falsch reagiert habe? Mein Spiel mit mir selbst – Was wäre wenn ….Ich anders reagiert hätte? Was wäre wenn …..Ich nicht so sondern so geantwortet hätte?  Was wäre, wenn…?

Doch, die Vergangenheit ist geschehen – folglich kann es wieder geschehen. Und alles was passiert, hat Auswirkungen in der Zukunft der berüchtigte Rattenschwanz – Tatsachen, denen ich mir sicher sein kann. Wie diese Aussehen werden? Dass wird man dann erst sehen.

Es gibt da diesen schönen Spruch:

Ich plane nicht mehr.  Meistens wenn ich weiter geplant habe, kam das Schicksal und zeigte mir den Mittelfinger. Zudem ist Absagen doppelt Schmerzhaft.  Nicht nur meine Enttäuschung und Frust darüber wieder nicht zu funktionieren – ich sehe oder höre am Telefon die Enttäuschung bei meinen Lieben. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man oft wie folgt reagiert. 

war klar das xy absagt. Ich frag in Zukunft nicht mehr“

Ich Stolper über meine eigene Erwartung an mich selbst, aber auch an dich. Und spiele hier wieder

„was wäre, wenn ich absage? Was wäre die beste Art dir zu erklären wieso? Was wäre, wenn ich mich zwinge zu funktionieren?  Welche Auswirkungen trägt das mit sich? Komme ich die nächsten Tage dann damit klar? Halte ich die Schmerzen aus?“

Ich habe selber schon so bei Freunden reagiert und es tut mir leid. Ich habe doch überhaupt kein recht zu Urteilen. Es ist falsch, Absagen ist kein Problem.  Zumindest wurde kommuniziert!! Das zeugt doch davon, dass man der anderen Person etwas bedeutet. Schweigen ist töten auf Raten. Es gibt so viele Weisheiten, die uns Lehren möchten, dass der Schlüssel für ein Miteinander in der Kommunikation liegt. Deshalb erkläre ich mich immer wieder – auch wenn viele immer meinen „Däumi, du musst dich nicht rechtfertigen„.

Ich rechtfertige mich nicht. Ich mag nur unser Miteinander nicht verlieren.  Dieses Leben lässt mir nicht viele Optionen um meinen Lieben zu zeigen wie sehr ich sie mag. Ich funktioniere nicht und brauche viel Zeit, Ruhe und Pflege. Aber ich kann mich – manchmal – gut ausdrücken.  Und Missverständnisse entstehen, weil man den anderen nicht versteht. Darum erkläre ich mich. Darum lasse ich dich in meinen Kopf und entschuldige mich so oft. Weil du mir wirklich wichtig bist. 

Freundschaft und Liebe ist das größte was es in diesem Leben gibt.  Und ich bin glücklich und reich – weil ich so viel Liebe um mich habe. Danke!

Ein guter, wichtiger Freund sagte kürzlich zu mir, er habe das Lied „Die immer lacht“ gehört und musste an mich denken. Ich mag die Sängerin nicht, aber ich habe mir den Text durchgelesen und danke meinem Freund für’s Kompliment. Darum beende ich diesen Text mit einem Ohrwurm und einem Lächeln auf den Lippen….

„…Oh die immer lacht

Und nur sie weiß, es ist nicht wie es scheint (scheint)

Oh sie weint, oh sie weint, sie weint (weint)

Aber nur, wenn sie alleine ist

Denn sie ist, denn sie ist die eine die immer lacht….“

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