Vertraute Fremde

Manchmal werden fremde Menschen zu verbündeten und Vertraute Menschen zu fremden.

Manchmal hat man das Gefühl alle zu kennen, vertrauen zu können, sicher zu sein. Stabil zu stehen und das Sicherheitsnetz gut sehen zu können – dann dreht man sich einmal um, aber die Welt dreht sich weiter und man hat das Gefühl, man erkennt niemanden mehr. Ein Wimperschlag – weg ist das aufgebaute Vertrauen, welches immer total empfindlich und zerbrechlich ist. Wie diese bekannten Kartenhäuser, so zart und sensibel sind die Wände meines Vertrauens. Zu schnell kann alles umgepustet werden und zu einfach entstehen Risse.

Hallo Selbstzweifel, du alte Bekannte, dich erkenne ich immer! Auch wenn du dich verkleidest. Oft, oder fasst immer Zweifel ich dann vor allem mich selbst an. „Habe ich mich wirklich so geirrt? Bin ich wirklich so naiv? Wieso habe ich mal wieder so vertraut?“

Ich bin der Typ Mensch, ich suche den Fehler immer bei mir. Ich gehe mit mir härter ins Gericht als jeder Richter es je könnte. Ich zerfetze mein Selbstwertgefühl und bin unbarmherzig und unfair. Mit fast jedem anderen habe ich Verständnis, übe Nachsicht und kann mich ihn die Person hineinversetzen auch wenn mir verzeihen schwerfällt, versuche ich es immer und suche förmlich nach einem Grund für das Verhalten andere Menschen – mit mir selbst nicht.  Mich selbst steinige ich – unaufhaltsam, unnachgiebig.

Dann vertraut man sich wem an, man schafft es sich zu öffnen. Diesen inneren Kampf zu gewinnen und es kommt als Antwort auf eine Nachricht, die tief aus dem Herzen kam ein „Ach, das wird schon…“ ich möchte sensibilisieren deswegen bin ich hier und lasse dich an meinem Leben teilhaben. Rational ist mir das bewusst, dass es irgendwie immer weiter geht. Aber ich habe genug Trauma durch mein jahrelanges Kranksein, dass meinem Trauma es ziemlich piepe ist, ob es irgendwie weiter geht! Jetzt bin ich am Zweifeln und öffne mich bei dir, dann komm mir nicht mit „ach, das wird schon.“. Traumatisierte Menschen – also mir – hilft im ersten Moment – keine Realität oder Rationalität.  Es ist mir und vielen anderen bewusst, dass da unser Trauma uns triggert. Aber da hilft Realität nicht.  Im Gegenteil, dass lässt mich so fühlen, als ob ich zu blöd sei. Das unterstützt nur den Trigger, da es sich so anfühlt als hätte ich mal wieder etwas falsch gemacht. Oder als sei ich zu blöd, zu naiv. Es geht nicht darum, dass trösten per se blöd ist.  Dem ist nicht so – trösten ist gut. Wenn man zuhört und ernst nimmt. Wenn man mich und meine Gefühle ernst nimmt und mir das auch signalisiert. Auch trösten braucht Fingerspitzengefühl und Empathie. Trösten will gelernt sein.

Empathie bedeutet nicht, dass man nichts sagt, sondern das nötige Gefühl mitbringt. Nein, wenn etwas Kacke ist, hilft eine Schleife darum natürlich nicht. Aber man kann es mit Deo versuchen, oder einer Wäscheklammer auf der Nase. Verstehst du was ich meine? Natürlich sollte man sich nichts schönreden, aber eine schlechte Nachricht muss nicht immer mit dem Holzhammer bearbeitet werden. Jede Medaille hat mindestens zwei Seiten. Dreh sie doch mal um und guck was da hinter ist.

Ich für meinen Teil, suche nun das kleine Mädchen namens Vertrauen in mir, nehme sie an die Hand und zeig ihr, dass es immer irgendwie weiter geht.

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