
Ich war am vergangenen Samstag auf einer Messe für und mit Jung und Krebs. Das Thema der Messe war „Leben & Tot“. Ich wusste in etwa was mich erwarten würde, ich war auf dem Sterbe Seminar und befasse mich ja viel mit meinem eigenen Sterben.

Überall gab es Informationen zu Trauer, Trauerbewältigung und loslassen, nah bleiben und Abschied nehmen. Aber auch die eigene Endlichkeit wurde Thematisiert. Suizid ohne Folgen. Würdevoll Sterben. Da stand ein Sarg offen damit Besucher Probe liegen konnten und sich eventuell Gedanken machen konnten, was für Kissen man selber im Sarg haben möchte. Eventuell ja etwas, dass einen schon lange begleitet. Die Schmusedecke oder so. Im Sarg neben dran gab es Schokoladen Herzchen. An einem anderen Stand wurden Ökologische Urnen gezeigt. Und mitten in der Halle stand ein Leichenwagen. Der Wünschewagen des ASB war auch da und zeigte sein können. Dieser Wagen ist ein Ehrenamtsprojekt und erfüllt schwersterkrankten einen Letzen Wunsch. Der Wagen hat schon einige Kilometer gesehen und ist wahnsinnig toll ausgestattet. Ein tolles Projekt. https://wuenschewagen.de/
Aber das Highlight waren die Hunde von dem Verein Emma hilft. Sissi & Helga gehen mit Frauchen regelmäßig zu schwerstkranken und schenken Trost. https://www.emmahilft.de/
Ich habe mich länger mit einer Dame unterhalten die die Leitung einer Palliativstation führt. Allerdings nicht in Freiburg. Es war spannend ihren Blick auf ihre Arbeit zu bekommen. Und gleichzeitig war ich doch davon irritiert wie sie auf meine Lebensgeschichte reagierte. Ja, zugegeben, 24 Jahre Krebspatient klingt krass. Doch wenn ich so zurück schaue ….Ich weiß nicht. Es macht auf jeden fall etwas mit einem.
Mir war vor diesem Wochenende schon bewusst, dass wir alle endlich sind. Dass niemand ewig Lebt. Und dass ich nicht „alt“ werde. Wobei ich genau, dass doch schon bin. Gerade mit meiner Lebensgeschichte und Lebenserwartung. Und ja, es macht mich etwas stolz. Gleichzeitig aber auch wehmütig. Ich habe mir gerade in den letzten Jahren eine Community aufgebaut, einen mehr oder weniger Stabilen Freundeskreis. …nun verfolgt mich den Gedanken ob ich diese ganzen Menschen eigentlich dazu eingeladen habe mich beim Sterben zu begleiten? Ich versuche meine Community auf Twitch, Instagram usw. mit zu nehmen. Teilhaben zu lassen. Aber das fällt mir zunehmend schwerer.
Ich versuche Immer alle zu schützen und merke, dass ich gerade in letzter Zeit oft gelogen habe, wenn es darum ging wie es mir geht. Aber nicht, weil ich nicht zugeben möchte wie es mir geht. Sondern weil mir selbst die Wahrheit nicht gefällt und Schmerzt. Weil ich kein Mitleid möchte und ich meinen Gegenüber nicht traurig sehen möchte. Weil ich aber auch nicht lügen möchte, ziehe ich mich zurück und vermeide Kontakt. Vermeiden Gespräche und bleibe für mich. „Ohne mich ist dieser Mensch zumindest heute nicht traurig“
Und dann erreichen mich Nachrichten, die so voller Liebe, Herz und Leben sind. Die mich so bewegen, dass ich mir sage „heute sterbe ich nicht! Heute lebe ich noch! Also Lebe“ Und so greife ich zu meinen Schmerzmittel, setzt mir die Kopfhörer auf und weil es mir zu anstrengend ist das Haus zu verlassen, treffe ich liebe Menschen im Internet und verbringe lustige, tolle Abende am PC. Lache, Weine und rede. Und merke dann mal wieder, die Welt dreht sich im immer gleichen Tempo weiter. Egal, ob ich stehen bleibe oder weiter gehe. Aber wenn ich zu lasse, dass andere Menschen mir ihre Sicht zeigen dürfen, sehe ich unter Umständen eventuell den ein oder anderen verborgenen Schatz. Denn, zusammen Lachen ist so viel mehr wert und unbezahlbar. Wir sterben alle – irgendwann, aber bis dahin haben wir die Möglichkeit gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Und ich kann bis zu einem gewissen grad die Erinnerungen an mich beeinflussen mit meinen Taten die ich heute tue. Und so sehe ich, dass ja schon mein eigenes Nimmerland habe, dass ich manche Menschen dazu einlade mit auf meine Abenteuer zu kommen und andere die genug davon haben gegen den Piraten Krebs zu kämpfen und weiterreisen. Auch das bedeutet Abschied nehmen und Leben. Und auch das ist okay.