Schubladendenken? Blödsinn mit Methode!

Die Frage „wo gehöre ich hin?“ Begleitet mich seit ich denken kann. Und es gehörte schon immer zu mir, dass ich meinen Namen Buchstabieren und erklären muss.

Denn mein Name zieht immer wieder Blicke auf sich, da er arabischem Ursprungs ist. In Afrika hingegen bin ich „die deutsche“, weil ich nicht so dunkel bin und keine perfekte Aussprache habe.

Schon als Kind, wurde unsere Mutter, bei verschiedenen Gelegenheiten, nicht für unsere leibliche Mutter gehalten.

„Wie? Die blonde Frau ist eure Mutter? Wie geht das denn?“ Bei meinem Bruder sogar noch mehr, als bei mir. Mein Bruder sieht meinem Vater sehr ähnlich.

Meine Mutter, eine hübsche Frau mit blonden Haaren und blauen Augen verliebte sich in meinen Vater. Einen dunklen, attraktiven Mann mit dunklen Augen und dicken, lockigen dunklen Haaren.

Ich habe wenig von meinem Vater. Die Kräftigen, leicht lockigen Haare, die Lippen, das Temperament und den Dickkopf. Charakterlich bin ich mehr wie er, aber äußerlich sieht mein Bruder aus wie Papa. Bis auf die Augen, denn wir beiden haben die blauen Augen unsere Mutter.

Ich lebe in Deutschland und bin „deutsche“ gleichzeitig bin ich aber auch „die Ausländerin“.

Ich werde angesprochen, weil ich das Symbol „Fatimas Hand“ trage, dabei bin ich islamischen Glaubens. Ich trage ein arabisches Tattoo auf dem Dekolleté, welches im Sommer sichtbar ist, da kommt dann direkt die nächste Schublade, in die ich gesteckt werde. „Wieso? Bist du konvertiert?“ Nein! Bin ich nicht. Ich wurde in den Islam geboren.

 Ich für meinen Teil würde im Leben niemanden Anfeinden, weil er/sie etwas Afrikanisches im Wohnzimmer hat oder eben etwas typisch deutsches. Diese Diskussion über Aneignung ist absolut kindisch! Wenn wir nichts voneinander annehmen, können wir uns doch gar nicht weiter entwickeln. Natürlich ist es wichtig alles, und ich meine alle was wir tun, mit dem nötigen Respekt zu machen!Genau da fängt in meinen Augen das eigentliche Problem an. Wir Menschen fordern Respekt, respektieren einander aber nicht! Wir leben mit unseren Schubladen, in die wir unser Umfeld stecken. Keiner ist davon geschützt und jeder der sagt, er denkt nicht in Schubladen, lügt sich selber an. Ich bin auch nicht frei davon. Da geht es nicht nur um große Themen wie Hautfarbe, Religion oder die Wahl der Liebe, das fängt schon viel früher an. Wenn wir zum Beispiel hören, dass eine Frau mehrere Kinder von verschiedenen Vätern hat, zack Stempel darauf! Aber warum? Wir kennen das Leben der Frau doch gar nicht und da fordere ich Respekt! Man sollte jede Frage stellen dürfen, klar, aber niemand hat das Recht über andere zu urteilen. Fang lieber bei dir selber an, denn du bist auch nicht perfekt. Wir können diese Welt nur besser machen, wenn wir uns reflektieren und die anderen so annehmen wie sie sind.

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