Das Phantom

Das Phantom lebt nicht in der Oper, sondern in mir! Und ich versuche verzweifelt es einzuholen und sein wahres Gesicht zu sehen….
Ich weine, mich seid einer Woche in den Schlaf und gehe mit mir selber hart ins Gericht.

Warum blogge und streame ich? Die meisten Games, spiele ich eh nicht so, wie es vom Hersteller gedacht ist. Sondern so, wie ich es mit meinen Handicaps hinbekomme.
Moment! Handicaps? Du dachtest, es ist „nur“ der Rollstuhl, richtig? Falsch gedacht! Abgesehen davon, dass ich nicht laufen kann und nach längerem Spielen Spastik in den Händen und im Rücken bekomme, was Schmerzen verursacht und dazu führt, dass mir alles runterfällt, ich nicht mal mehr selbständig trinken kann, kann ich mir kaum etwas merken und mich nicht lange auf eine Sache konzentrieren. Ich kann keinem Gespräch folgen und am Ende des Satzes des Erzählers, den Anfang wiedergeben. Nun wirst Du sagen „ja dann schreib es Dir auf“ guter Einwand.
Stell Dir vor, darauf bin ich selbst schon gekommen.
Ich habe eine WhatsApp-Gruppe nur für mich alleine, wo ich alle Gedanken, die ich nicht vergessen möchte reinschreibe.

Aber, wenn ich mich darauf konzentrieren etwas zu schreiben. Konzentriere ich mich nicht mehr aufs Zuhören und mein Gesprächspartner kann mir alles erzählen es verschwindet wie eine Hintergrundmusik. Weil ich mich aufs Schreiben, das bedeutet auf die Bewegungen meiner Hände, auf das Halten des Stiftest oder das Handy konzentrieren muss ebenso darauf die Wörter richtig zu schreiben damit der Satz einen Sinn ergibt.

Also, höre ich zu vergesse aber meistens die Hälfte sofort wieder oder schreibe ich das, auf was ich mir gerade so merken konnte auf, bin dann aber unhöflich, weil ich dem Gesprächspartner nicht die Aufmerksamkeit schenke, die er/sie verdient?

Die Konzentrationsproblematik ebenso das Gedächtnisproblem ist für neue Games sehr unvorteilhaft. Ich bin sofort überfordert und es baut sich Druck in mir auf.
Oh hallo Phantom – warte auf mich….Bei anderen sieht es so leicht aus, dass muss ich doch auch können, ich bin doch nicht blöd! Man, warum stellst ich mich so doof an?!

Ich möchte mitspielen und dazu gehören. Aber ich weiß, es nervt, wenn man mir die gleiche Frage ca. 400 Mal beantworten muss. Und da setzt dann Charme und mein schlechtes Gewissen ein.
„Oh Man, XY schenkt mir seine Zeit und ich weiß, es wurde mir schon erklärt aber ich frag schon wieder?!“

Also frage ich nicht und mache Fehler. Und das nicht nur beim Bloggen, auf Twitch oder in einem Game. Sondern auch in meiner Ehe, bei Freunden und meiner Familie. Im Alltag und in der Physiotherapie. Ich frage auch nicht, weil mir die kleinen Gesten sehr wohl auffallen, auch wenn sie oft nicht bewusst gesetzt sind. Ein Seufzer, ein Schnalzen…. Ich bekomme das mit, auch wenn mein Hirn eher Gulasch ist. Wenn ich meinen Mann zum wiederholten mal frage „wann kommt der Besuch?“ Und er mir zum X.-Mal Datum und Uhrzeit nennt und dabei seufzt, passiert, dass weil er davon genervt ist, sich zu wiederholen aber nicht von mir. Allerdings ist mein Empfinden, dass der Grund, warum er sich wiederholen muss, ein Teil meines Lebens ist, also wiederholt er sich doch meinetwegen?!

Und dann der Satz, wenn mir etwas von früher einfällt „Ach, das konntest Du Dir merken?“
Ich kann nicht erklären, warum manches hängen bleibt und manches nicht. Ich habe mein Hirn nicht aufgeschnitten. Aber es ist nun mal so. Und es kann passieren, dass wir uns kennenlernen, einen schönen Abend haben. Wir uns einen Tag später treffen und ich nicht weiß, wie Du heißt oder woher wir uns kennen. Das ist nicht böse oder gegen Dich gemeint. Aber das ist wirklich schon vorgekommen.

Ich laufe weiter dem Phantom hinterher mit dem Rucksack voll eigenem Druck auf dem Rücken und dem Wunsch nach meinem alten Leben in der Tasche…

Also, warum blogge oder streame ich? Das Teufelchen in mir flüstert
„lass, dass lieber wenn machen, der es kann“
Aber aufgeben war irgendwie noch nie meine Stärke.

Ich schreibe diesen Text nicht, weil ich denke ich muss mich rechtfertigen oder um dich anzugreifen. Ich schreibe weil es mich belastet und ein Teil von mir ist.

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