
Für den nächsten Text, hör dir gerne das Lied Flüsterton – von Mark Forster an.Erwartungen sind Wünsche oder Erfahrungen aus der Vergangenheit. Schon als kleines Mädchen stellte ich Erwartungen an mein Leben.
„Ich werde die beste Eiskunstläuferin! Ich werde Beruflich groß rauskommen und viel Verdienen! Ich werde mindestens zwei Kinder haben und in einem schönen Haus wohnen!“
Dann kam die Diagnose und mein Weltbild lag in Scherben vor meinen Füßen. Seither jage ich meinen Erwartungen an mich selbst hinter und enttäusche mich regelmäßig selber.
Die ganze Gesellschaft stellt Erwartungen an einen. Bin ich schlank genug? Muss ich abnehmen, um in die neue Mode zu passen? Bin ich hübsch genug? Muss ich besser werden? Was macht das mit einem? Ich selber stelle hohe Erwartungen, an meinen Mann, meine Familie und an meine Freunde. Aber vor allem an mich selbst. Ich sage so oft „man sollte diese oder jenes tun“ und zwinge mich zu funktionieren wie es „normale“ Menschen machen. Ich zwinge mich, mich zu vergleichen und scheitere regelmäßig. Was das mit mir macht? Mein Selbstwertgefühl fährt Achterbahn, meine Psyche sagt mir regelmäßig, dass ich nicht gut genug bin. Und wenn dann wirklich etwas schiefgeht, wie letzte Woche – ich bekam eine Tablette nicht aus dem Blister – dann bricht mein Nervenkostüm zusammen und ich kämpfe den ganzen Tag mit Tränen. Mir ist durchaus bewusst, dass ich mir diesen Druck mache und es zum Teil unnötig ist. Mein Körper reagiert mit Schmerzen, Fieber und Erkältungssymptome. Ich verkrieche mich im Bett und möchte niemanden an mich ran lassen. Licht & Geräusche stören und ich möchte nur meine Ruhe. So stelle ich mir eine Depression vor. Essen? Nein danke, da schreit mich nur mein Gewissen an „du bist schon fett genug“. Erwartungen sind wie Gift. Und gerade in der heutigen Zeit, mit Instagram und Co. Ist es so leicht sich zu vergleichen. Ich möchte doch auch, tanzen, singen, Games zocken wie andere. Hallo Neid, du undankbare Freundin. Aber das kann ich nicht! Bin ich deswegen minderwertig? Oder einfach nur anders? Ich bin ehrlich, es fühlt sich nicht gut an, immer anders zu sein. Ich falle auf! Immer! Ob ich möchte oder nicht.
Wenn das Selbstwertgefühl Achterbahn fährt, reicht schon ein kleiner Satz mit Ironie oder Sarkasmus und ich gerate in einen Strudel aus Angst und Selbstzweifel. Ich verstehe Sarkasmus nicht. Auch nicht an guten Tagen. Aber an schlechten Tage, zweimal nicht. Dann flüstert mein Selbstwertgefühl „nichts kannst du und jeden verlierst du! Zu Recht“. Ich möchte keinen Streit. Ich vertrage keinen Streit.
Und auch damit falle ich wieder auf. Auch, wenn das überhaupt nicht meine Intension ist. Erwartungen und Ziele liegen nah beieinander, und sind doch meilenweit voneinander entfernt.
„…… Wenn du mich zu gut verstehst, dann ham‘ wir ’n Problem. Wenn alles leuchtet
in tausend Farben. Wenn’s so laut ist, das alles pfeift. Dann leuchte ich auch Mittendrin…..“