Flashbacks

Der vergessene Tacker

Ich höre von Familien und Freunden immer wieder, dass jemand zur Reha fährt. Das ist gut! Rehas können so gut tun.
Ich war 2019, nach der OP in Reha und sagte ich möchte nie wieder daran denken.

Ich versuche nur Positives an mich ran zu lassen. Diese Reha war alles andere als Positiv. Und immer wieder in unterschiedlichen Situationen kommen Erinnerungen hoch, die unangenehm sind.

Es fing schon alles in der Klinik an. Ich freute mich auf die Reha, weil ich in der Klinik nicht gut behandelt wurde. Ich lag am Ende des Flurs und wurde oft vergessen. Und wenn man nur im Bett liegen kann, Sauerstoff braucht und nicht mal auf sich aufmerksam machen kann fühlt man sich verloren. Meine Familie versuchte so oft und so viel wie möglich aber auch die Kräfte meiner Familie sind begrenzt. Niemand wusste, wann ich wohin gebracht werde und es fühlte sich vom Klinikpersonal auch niemand dafür zuständig mit mir mal richtig zu kommunizieren. Dann kam eine Schwester „hallo sie werden morgen in die Reha verlegt“ weg war sie wieder. Keine halbe Stunde später stand sie wieder in der Tür „ist bei ihnen alles gepackt? Sie werden in ca. 40 Minuten abgeholt“ damit wurde ich alleine gelassen. Danke! Könnte mir bitte jemand die Zähne putzen? Meine Sachen müssen auch gepackt werde? Hilfe?

Ja, es herrscht Personalmangel, aber jemanden im eigenen Urin liegenzulassen und zwei Tage nicht zu waschen geht einfach nicht! Vor allem wenn man Psychisch voll da ist, man es motorischen aber nicht kann. Das hinterlässt Spuren! Ganz klar.

Mein Mann war noch nicht zu Besuch und ich konnte mich nicht bewegen um das Handy nehmen und ihn anrufen.
Panik! Ich konnte ja auch nicht klingeln um der, überforderten Schwester, zu sagen, dass sie meinen Mann anrufen soll, bitte. Hätte sie wahrscheinlich eh nicht.
Mein Mann kam rechtzeitig, Gott sei Dank. Ich musste liegend Transportiert werden, mit Sauerstoff. Doch an meinen Rollstuhl hatte die Klinik nicht gedacht! Da hieß es, den müssten wir privat Hinterherschicken. Mit einem Taxi. Kostet ja nichts – danke dafür! Der Transport war absolut schräg und ich war froh, dass ich lebend in der Reha ankam. Der Krankentransportfahrer wurde sogar von seinem Kollegen während der Fahrt ermahnt „mach mal langsam die Patienten hatte eine OP an der Wirbelsäule sonst kannst du gleich wieder umdrehen“. Ich fühlte mich wirklich in guten Händen – nicht!

Die Reha – Klinik hatte einen guten Ruf, ich war neugierig und motiviert. Warum baut man Reha-Klinken für Neuropatienten eigentlich mitten auf einen Berg? Haben die Geschäftsführer Angst die Rollstuhlfahrer hauen ab? Das wäre dort nicht möglich gewesen. Die Wege von der Klinik weg, waren so steil, das hätte nicht mal ein E-Rolli gepackt! Ich kam liegend, mit Sauerstoff in der Nase dort an. Ich war überfordert und hatte Angst. Es war alles neu und ich konnte mich gar nicht bewegen. Mich nicht versorgen und war völlig hilflos. Aber niemand sprach mit mir! Ich war nur „die Patientin“! Der Pfleger, der für mich zuständig war begrüßte mich mit „ach, sie sind ja ansprechbar?“. Ich versuchte nicht durchzudrehen. Mein Mann kam am Abend und versuchte mich zu beruhigen. Ich lag drei Wochen auf dieser einen Station und eckte mit der Stationsärztin regelmäßig an. Zum Beispiel wurden mir Tabletten gebracht, die ich nehmen sollte.
1. Konnte ich das nicht alleine!
2. Kannte ich die Tabletten nicht.
Ich fragte, was das sei und wogegen die wirken sollen und bekam als Antwort „das dürfen wir ihnen nicht sagen, dass muss ihr Vormund ihnen erklären“ warte! Was ? Welcher Vormund? Ich habe und hatte keinen Vormund und nur weil ich bettlägrig war bedeutet dass, nicht dass ich nicht eigenverantwortlich Handel!
Tja, auf dieser Station gab es nur Beatmete/ Intubierte Patienten. Ich war mal wieder ein Sonderfall. Tut mir leid so bin ich nun mal!

Als ich endlich aus dem Bett rausgeholt wurde, sitzen üben konnte. Stellte man mir das Mittagessen vor die Nase. Reis mit Karotten und Fleisch. Die Schwester legte mir die Gabel vor die Hand, hängte die klingel hoch und meinte sie komme gleich wieder. Ging raus und schloss die Tür von außen. Inzwischen saß ich da! Alleine, konnte kaum einen Finger bewegen und hatte Hunger! Als sie nach einer halben Stunde immer noch nicht zurück war, versuchte ich heulend und verzweifelt an die Gabel zu kommen. Die Tür bekam ich nicht auf, die Klinke war zu hoch, die Klingel war ebenso außerhalb meiner Reichweite und rufen konnte ich nicht dank meines wenigen Sauerstoffs. …als mein Mann zum Kaffee in mein Zimmer kam, saß ich völlig aufgelöst in meinem Rollstuhl und überall war Reis mit Karotte. Die Gabel lag neben meinem Reifen und mein linker Arm hing schmerzhaft neben der Armlehne. Und ich hatte immer noch Hunger!

Das ist nur eine von vielen Erinnerungen an die Reha. Dass ich zwei Stunden im eigenen Kot lag, hatte meinen Mann dann zum Ausrasten gebracht.

Waschen oder Duschen war so selten, ich musste förmlich darum Betteln. Und wie gut, die Pfleger waren zeigte sich daran. Dass der vergessene und übersehene Tacker in meinem Kopf eine beginnende Blutvergiftung ans Licht brachte. So eine Tacker soll nun mal nicht 6 Wochen im Kopf bleiben.

Das Ende der Reha hatte ich beschlossen, nachdem ich aufgrund von meiner Psyche kreisrunden Haarausfall bekam. Den übrigens mein Mann und ich bemerkte, nicht das Pflegepersonal. Gut war auch der Psychologe. Ich hatte zur Einlieferung darum gebeten Psychische Hilfe zu bekommen. Der Psychologe kam nach einigen Wochen und meinte ich bräuchte Ernährungsberatung wegen meinem Übergewicht und weil ich seid ich da war, mich ja nur Übergebe. Der Ernährungsberater kam, sah mich an und meinte „Sie haben ein schmales Gesicht, Hände und Füße. Sie haben kein Problem mit der Ernährung“. Oh wow !! Danke ? Und weg waren beide wieder und ich wiedr mir selbst Überlassen.

Ich bin nach Hause, ohne dass ich stehen konnte, ohne dass ich selbst wirklich essen konnte. Mein Mann hatte diese Entscheidung mit mir getragen, obwohl dir ganze Arbeit bei ihm auf den Schultern lag. Er hat bis heute nie ein Wort des Bedauerns darüber geäußert. Ohne meinen Mann hätte ich diese Zeit nicht überstanden und wäre heute nicht da wo ich bin. Ohne meinen Mann und meine Familie wäre diese Zeit mein Ende gewesen und dass nicht wegen dem Hirntumor. Ich bin reich, weil ich diese Menschen und Freunde um mich habe, die mir helfen, mich Auffangen, stützen aber auch ihre ehrlichen Meinungen mitteilen. Ich bin reich und dankbar! Eine Reha kann wirklich gut sein, daran glaube ich immer noch. Nur fahre ich niewieder freiwillig in Reha!

Der beginnende Haarausfall

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