Wir waren letzen Sonntag mit Freunden essen. Es war das erste Mal seit 2018, dass ich ein Restaurant besucht und tatsächlich etwas bestellt habe. Es war wirklich, wirklich schön! Und mir wurde bewusst, wie sehr ich das vermisse. Die Bedienung kam und fragte: „was möchten Sie trinken?“ Kurz fühlte ich mich überfordert: Würde ich das Glas überhaupt halten können? Was wäre, wenn es mir runter fällt? Komm ich hier aufs WC? Fragen über Fragen die in Sekunden durch meinen Kopf fliegen. Ich bestellte eine Sprite und vergaß zu fragen, ob ich einen Strohhalm dazu bekommen könne. Als die Getränke kamen, bekam ich das Glas nicht vom Tisch.
500ml Sprite mit Glas waren einfach zu schwer. Ich probierte es ein zweites Mal. Bei allen anderen sah es doch so leicht aus. Alle anderen schafften es mit einer Hand, oder hielten das Glas nur mit Zeigefinger und Daumen. Ich musste das einfach schaffen! So ungeschickt kann ich doch gar nicht sein!? Verzweiflung machte sich breit und ich wollte nicht, dass mir das jemand anmerkt. Es sollte ein schöner Abend werden. Kein emotionaler! – Stop!
Da ist er wieder: Der Druck, den man sich selber macht, weil man anders ist als der Rest der Gesellschaft! Anders als die Norm. Ich mache mir diesen Druck! Oft! Sehr oft sogar!
Tief im Inneren weiß ich, es ist nicht richtig. Und dennoch passiert es, ohne dass ich es möchte. Ein jeder möchte dazu gehören. Und dafür verletzen wir uns selbst, wenn es sein muss.
Ich habe am Ende doch nach einem Strohhalm gefragt. Aber nicht weil es so für mich einfacher war, sondern weil ich Angst hatte das Glas fallen zu lassen….