Es ist Luxus, dass die Menschen nachts im Dunkeln z.B. das Bad und zurück ins Bett finden. Ich könnte das nicht und ich kenne einige andere, die das auch nicht können.
Unsere Augen machen viel mehr als nur sehen. Unser Kopf leistet viel mehr als “nur“ denken oder Nahrungsaufnahme. Ebenso machen unsere Beine viel mehr als einfach nur zu laufen. Alles hängt miteinander zusammen und funktioniert – im Normalfall – auf faszinierende Weise; wie ein Uhrwerk. Funktioniert irgendetwas nicht wie üblich, merken wir erst für wie selbstverständlich wir das Leben und unseren Körper halten.
Für die Meisten ist es selbstverständlich, dass ein Kleinkind irgendwann das Laufen anfängt, dann irgendwann das Radfahren, Schwimmen, auf einem Bein zu hüpfen oder Seil zu springen. Für mich ist das alles eben absolut nicht selbstverständlich!! Unser Körper leistet täglich erstaunliches und wir sind dafür so blind und nehmen es als “normal“ hin. …Wie ignorant der Mensch doch ist…
Zum Laufen brauche ich nicht nur Unterstützung und etwas zum Festhalten, sondern auch Licht. Wenn um mich herum alles dunkel ist, kann ich mich nicht orientieren und somit ist dann auch mein Gleichgewichtssinn ausgeschaltet. Flackernde oder fahrende Lichter irritieren mich und erschweren die Situation zusätzlich. Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin.
Schon früher sagte ich immer zu meiner Familie: „Ich muss meine Füße sehen“ und das hat sich bis heute nicht geändert. Oft werde ich deswegen belächelt, weil ich nicht richtig ausdrücken kann was ich meine und andere dann nicht verstehen, warum das so ist. Wenn ich aber nicht sehe, wo ich hintrete bzw. wo der Weg lang führt, kann ich nicht laufen. Auch wenn mir jemand die Augen zum Spaß auch nur kurz zu hält, habe ich, selbst wenn ich dabeisitze, Schwierigkeiten, mich zu orientieren.
Das sind keine Ausreden. Laufen oder Stehen erfordert viel Konzentration. Sich dabei auch noch zu unterhalten ist wirklich schwer. Ich kann so schon nur schwer Gesprächen folgen, wenn um mich herum viel los ist, aber im Laufen und dann noch im gedämmten Licht geht gar nichts. Da könnte man mir die schönste – oder schlimmste Nachricht erzählen, ich würde es nicht mitbekommen und bin wahrscheinlich auch noch gereizt, weil ich Überfordert bin. Das meine ich dann gar nicht böse.
Ich habe mich früher oft gefragt warum Babys weinen, wenn sie offensichtlich Satt und frisch gewickelt sind. Sie haben doch für den Moment dann alles. Heute verstehe ich, dass viele Babys oft weinen, wenn sie Überfordert sind von den vielen Eindrücken die auf sie niederschmettern. Es geht mir heute ganz oft selber so. Die Welt ist so schnell und für die meisten Menschen ist es Routine wie sie ihren Tag gestalten. Mir ist es oft zu schnell. Ich verstehe dann keinen Spaß, keinen Satz mehr und fühle mich von jedem und allem Angegriffen. Ich denke es wird noch eine ganze Weile brauchen bis ich mit dem Tempo der Gesellschaft mithalten oder im Dunklen das Gleichgewicht halten kann. Und so lange gehe ich mein Tempo und weiß & hoffe meine Lieben warten an der nächsten Sinnbildlichen Parkbank weiterhin auf mich.