Der Oktober klopft an die Tür und draußen wird es kalt. Ich blicke zurück auf einen – für mich – wichtigen und schönen Sommer. Ich habe durch Corona nicht viel unternommen, aber dennoch hat dieser Sommer bleibende Erlebnisse für mich im Gepäck gehabt: das erste Mal wieder stehen, sowie alleine aufstehen, wieder selbst etwas zu trinken einschenken zu können oder ein Brot selber zu richten und so viel mehr. Die Motorik kehrt langsam zurück und was noch viel faszinierender ist: ich spüre wieder ganz leicht meine Hände. Bisher zwar nur die Fingerkuppen, aber das ist mehr als in der Zeit davor. Ich saß kürzlich auf dem Balkon und streichelte die Gartenstühle, bis ich gefragt wurde, ob es mir gut gehe. Ja, danke, ich bin nur vom Fühlen fasziniert… Ich habe einer Freundin zur Geburt ihres Kindes ein Bild auf Leinwand gemalt. Eine andere Freundin war daraufhin total fasziniert, wie meine Motorik wieder funktioniert. Erst da wurde mir bewusst, dass es erst vor kurzem noch ganz anders war.
Ein anderes mal saß ich zuhause und fuhr total in Gedanken mit den Finger über eine neue Rundbürste. Bei jeder Berührung zuckte ich kichernd zusammen. Es war so faszinierend und gleichzeitig seltsam wieder etwas zu spüren. Ich konnte nicht mehr aufhören darüber zu streicheln, aber jedes Mal zuckte ich zusammen. Die Vorstellung wirkt jetzt etwas dämlich.
Wir nehmen so vieles nicht wahr und sehen es als selbstverständlich und gegeben hin. Oft ist es das aber nicht und man sollte sich wirklich über die kleinen Dinge freuen und sie zu schätzen wissen. Dann stellt man sich die Frage, ob man sich irgendwann an alles gewöhnt. Gute Frage! Ehrlich gesagt weiß ich das nicht.
Ich merke, dass sprechen und gleichzeitig stehen nicht einfach ist. Viel wird vom Kopf gesteuert und ist doch nicht so selbstverständlich. Meistens merkt man erst, was vorher selbstverständlich war, wenn es nicht mehr wie gewohnt funktioniert. So bringt mich ein einfaches Lachen schon aus meinem eigenen Gleichgewicht und ins Wanken. Deshalb Schaukel ich hier nun etwas weiter.
