Obwohl ich mir die Erwerbsunfähigkeit nicht freiwillig ans Bein gebunden habe, fühle ich mich schuldig.
Ich habe eine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen. Als behinderter Mensch hat man ohnehin begrenzte Möglichkeiten, was die Berufswahl betrifft. Chirurg oder Pilot scheiden defintiv aus dem Rennen aus.
Man parkte mich vor einen Computer und ich hielt mich mit Buchhaltung über Wasser. Schon während der Ausbildung musste ich mich entscheiden ob ich die Ausbildung weiter mache oder den Tumor bekämpfe und Chemo bekomme. Fehlzeiten waren da schon nicht gerne gesehen. Ich hatte mich für meine Ausbildung entschieden.
„Und was machst du so den ganzen Tag?“
„Mir würde ja die Decke auf den Kopf fallen!“
“Du könntest doch für ein paar Stunden am Tag in einem Büro aushelfen oder Telefondienst machen!“
Infolge einer Krankheit, einer Behinderung oder eines Unfalls können junge Erwachsenen ihre Tätigkeiten nicht mehr ausüben. Sie müssen die Ausbildung, das Studium oder den Job an den Nagel hängen, weil das Leben manchmal ein Arschloch ist. Diese mistige Lage fühlt sich wie ein Fehler an, den man nicht rückgängig machen kann.
Krank zu werden, sucht sich keiner aus. Ich nicht noch all die anderen da draußen. Und doch besteht unser Alltag aus Rechtfertigungen und Erklärungen. Gehören wir nicht mehr der Gesellschaft an, sobald uns das Leben einen Strich durch die Rechnung macht?
Schämt Euch nicht für etwas, das Euch das Schicksal auferlegt hat.
Niemand muss sich rechtfertigen, weil er überlebt hat. Das gilt auch für mich.