Das Jahr 2018 hat erst begonnen, wir haben Februar somit ist das Jahr quasi noch ganz jung und schon stehen Steine im Weg die riesig wirken. Riesige, dunkle, sehr schwere Steine die einen großen Schatten werfen.
Es ist schwer den Kopf oben zu behalten und weiter zu laufen. Woher die Kraft nehmen wenn das alte Jahr schon so voller Ballast und schmerzhaft war? Ich hab ehrlich gesagt keine Antwort darauf. Das Letzte MRT liegt erst ein paar Tage zurück. Auf den Bildern ist eine Veränderung des Tumors zu sehen. Ein deutlicher Wachstum des Tumors und eine Zyste hat sich im Tumor gebildet. Ich bin irgendwie fassungslos und wie betäubt von der Veränderung innerhalb drei Monaten.
Auf der anderen Seite bin ich irgendwie erleichtert. Erleichtert weil ich mir die Symptome eben nicht einbildet oder selbst einredet habe. Dennoch kreist der Gedanke, Wie kann sich eine Zyste im Tumor bilden und was heißt das für mich? Mein Arzt hatte darauf keine Antworten. Er wirkte auf mich selber sehr geschockt und meinte, dass eine Zyste sich in einem Tumor bildet ist sehr, sehr selten und Ihm selbst nicht bekannt. Aber was sagt mir diese Aussage? Sind mein Tumor und ich so speziell und einzigartig? Ist das ein Kompliment? Ich weiß es nicht. Ich habe einen großen Fehler begangen, von dem ich selbst eigentlich jedem Betroffenen abrate, und zwar habe ich Doktor Google gefragt und durchsucht nach Zyste im Tumor, nur leider habe ich nichts dazu gefunden was mich noch mehr verunsichert und der Angst in mir noch mehr Raum gibt. Ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll. Zeitgleich merke ich aber, dass die Alltäglichen Dinge wie Zähne putzen oder Haare kämmen , Bewegungen wo die Arme gehoben werden zur Herausforderung werden und ich mir Tricks überlege das Handicap zu überwinden wie zum Beispiel Haare kämmen nur noch sitzend vor dem Waschbecken, da ich da den Arm abstützen kann. Es tut weh sich selbst einzugestehen, dass vieles komplizierter und somit auch schwerere geworden ist. Und noch schwerer ist es, dass anderen einzugestehen. Der Satz, dass der Aktuelle Zustand Luxus ist geht mir nicht mehr aus dem Kopf und es fühlt sich an als wollte mir irgendwer oder irgendwas mein Leben wegnehmen. Genauso ist es ja eben auch.
Seit März 2018 Chemo! Die Chemo bestimmt mein Leben und ist mein ständiger Begleiter und Alltagsbestimmer. Es gibt verschiedene Arten von Chemo. Ich bekomme die Chemo über Tabletten. Warum? Weil die Forschung irgendwann festgestellt hat, dass bei Hirntumoren diese Chemo ziemlich gut anschlägt und natürlich ist es günstiger als einen Patienten Tageweise in der Klinik stationär zu haben. Und auch ich bin sehr froh zuhause sein zu können und an guten Tagen mir und der Welt ein Märchen vorspielen zu können, dass es mir gut geht. Ich nenne diese Tage gute Tage weil sie im Vergleich zu den schlechten Tagen gut sind, jedoch nicht zu vergleichen mit den Tagen wenn man keine Chemo macht. Chemo vergiftet den Körper und egal welche Chemo man macht die guten Tage fühlen sich immer so an als hätte man eine Grippe. Die schlechten Tage sind so richtig Übel! Wenn einem alles weh tut, man sich selbst im Liegen nicht bewegen kann selbst wenn man möchte, der Kreislauf überhaupt nicht rund läuft und man weder Essen noch Trinken kann ohne das Gefühl zu haben es kommt gleich wieder auf demselben Weg raus und während das geschieht es einem den Magen. Der Mund ist einfach nur ein komplett Entzündetes Loch, Zähne putzen, an ein Glas mit den Lippen kommen oder Kalt, warme Getränke geschweige den Gewürzen, Brot mit einer festeren Rinde, Ein Toast mit Ecken und es Krümelt…ich könnt Stunden so aufzählen, dass verursacht schmerzen. Und wenn es im Mund keine Schmerzen verursacht, dann im Magen und Darm. Egal was ich zu mir nehme es Zerreißt mein Magen oder meinen Darm wenn nicht sogar beides an richtig schlimmen Tagen. Das Gefühl zu haben Schwach zu sein, schwach und zerbrechlich – kennt ihr bestimmt. Es ist ein scheiß Gefühl! Und es tut der Seele nicht gut. Ich kämpfe mit mir so sehr weil ich nicht mehr schwach sein möchte! Ich möchte raus gehen, Das Leben genießen, Fotos schießen, dabei sein mit meiner Familie und Freunden. Aber es geht nicht und es fällt mir so schwer immer absagen zu müssen, es tut mir leid dass ich so wenig bei euch allen Teilhaben kann. Das Gefühl neben dem Leben her zu Laufen ist mega Unangenehm und macht einen selbst sehr traurig. Und dazu immer Der Gedanke, wie lange kann ich euch noch absagen , vertrösten und enttäuschen ohne dass ihr mir böse seid und aufhört mich zu fragen ob ich dabei bin oder mit möchte. Die Angst ausgeschlossen zu werden weil meine Lieben um mich rum mich zwar verstehen irgendwo, aber zeitgleich das „Nein ein anderes mal“ nicht mehr hören können oder doch persönlich nehmen. Was ich sehr gut verstehen kann. Aber es ist wirklich nie persönlich gemeint. Ich möchte doch raus, Fotos machen, lange Gassi oder einfach mal wieder zu meinem Bruder. So lange war ich schon nicht mehr zu Besuch bei meinem Bruder und seiner Familie und im Unterbewusstsein hoffe ich so sehr, dass sie wissen wie sehr es mich schmerzt und wie leid mir das tun dass immer sie her fahren müssen. Ich möchte so gerne wie früher einfach in den Zug steigen und ein Wochenende bei ihnen sein aber das kostet so viel Kraft und ist sehr anstrengend. Es sind nicht nur die Treppen, ich finde es schon sehr anstrengend Zug oder Bus zu fahren. Und viele Menschen. In der Öffentlichkeit unterwegs zu sein.
Und im Unterbewusstsein immer der Gedanke, was ist wenn die Chemo nicht anschlägt?