Mietnomade

Aktueller Stand: Mitten in der Chemotherapie! Dennoch würde ich aktuell sagen es geht mir gut. Etwas müde vielleicht aber im Verhältnis zu anderen Tagen geht es mir gerade gut. Aber es ist ein anderes „Gut“ als vor Wochen noch. Man kann und sollte nie vergleichen, aber „Gut“ ist immer relativ und von der Situation abhängig  und der eigenen Einstellung, denke ich. Zudem fällt es mir persönlich wirklich schwer zuzugeben, dass es mir nicht gut geht. Es ist mir unangenehm und auf einer mir nicht erklärbaren Weise peinlich zu sagen, es geht mir nicht gut, da ziehe ich mich dann lieber zurück und bin für mich allein bis es mir wieder gut geht. Irgendwo weiß ich, dass es falsch ist es so zu handhaben. Aber es ist ziemlich schwer und gegen etwas anzukämpfen und dann auch noch gegen sich selbst, gegen eine Eigenart die man sich angeschafft hat. Vielleicht ist es eine Art Selbstschutz, ich kann es nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich mich selbst dabei ertapp wie ich um mich herum eine Mauer hoch ziehe um mich selbst zu schützen und nicht reden zu müssen und niemanden an mich ran zu lassen. Genauso schwer ist es aber diese Mauer wieder abzubauen, es ist kompliziert. Es ist ein schmaler Grat zwischen, ich Igel mich ein und ich bin für Menschen die mir wichtig sind da. Ich höre oft Sätze wie „du musst an dich selbst denken du brauchst deine Kräfte für dich“ ich finde in diesem Satz steckt sehr viel Egoismus, ja vielleicht brauche ich meine Kräfte für mich aber es tut mir auch gut anderen zu helfen oder für andere da zu sein dafür lenkt es mich von meinem eigenen Misthaufen ab und mein Weltbild dreht sich weiter. Immer nur die eigene Situation zu sehen und sich immer nur um sich selbst zu drehen bringt einen nicht weiter. Vor allem merke ich bei mir, wenn ich mich nur um mich drehe geht es mir mit jedem Tag schlechter weil ich auf jedes kleine Detail achte anstatt einfach zu leben. Viele nennen das Helfersyndrom ich nenne das Leben.

Vor zwei Tagen war ein MRT, um zu schauen ob und wie weit die Chemo anschlägt. Auch wenn ich es wirklich ungern zugebe, aber ich war sehr nervös. Vielleicht lag es auch mit daran, dass das MRT zum ersten Mal in einer anderen Klinik gemacht wurde. Ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. Keine genervten und gestressten Mitarbeiter, keine launischen Ärzte. Es war vom Umfeld her echt super angenehm. Ich bekomme das Ergebnis vom MRT allerdings erst in ca. Vierzehn Tagen, da ich ja nicht in der Klinik war wo ich auch behandelt werde. Somit habe ich die Bilder bekommen darf das nun abgeben bei meinem behandelnden Arzt dann setzt sich das Gremium wieder zusammen die besprechen das und melden sich bei mir. Von dem Ergebnis ist abhängig ob die Chemotherapie für zwölf Monate verlängert wird oder nur bis September geht. Wobei das nur irgendwie ironisch gemeint ist, denn sechs Monate Chemotherapie sind eindeutig genug Nebenwirkung. Somit heißt es nun warten.

Der Arzt der gestern beim MRT dabei war hat mich dann gefragt warum überhaupt ein MRT gemacht wird er wusste einfach gar nichts, woher auch er hat ja nicht meine Akte. Ich habe ihm dann kurz und knapp mein Lebenslauf geschildert, wenn man das so nennen möchte. Und dabei kam mir der Gedanke, ich sollte mal wieder einen Text schreiben. Warum Mietnomade warum habe ich diese Überschrift gewählt? Persönlich finde ich es wichtig sich mit den Dingen die einen umgeben und umfassend zu beschäftigen. Ich habe nun seit 19 Jahren diesen Hirntumor und werde wohl nie ohne ihn leben können. Da war schon so viel, ob Op, Bestrahlung, mehrere Chemotherapie und andere pflanzlicher Therapien und er ist immer noch da. Er ist einfach nie weggegangen und wird es wohl auch nicht damit muss ich leben. Aber sehen wir es mal andersrum, der Tumor muss auch mit mir leben! Und ich für meinen Teil mache was ich möchte mit meinem Körper und höre nicht auf den Tumor. Vor vielen Jahren habe ich meinen Tumoren Namen gegeben. Anton, Fridolin und nun Berta. Ich habe versucht es mit Humor zu nehmen auch wenn das bei vielen vielleicht negativ aufstößt oder einfach nicht verstanden werden kann, aber ich sage immer, ich habe keine Wahl weil aufgeben gibt es nicht. Und nun gibt es das Kapitel mein Tumor ist schwanger, darum dachte ich, ich erzähle auch von den anderen Gedanken. Mietnomaden! Ein Mietnomade ist jemand der einfach nicht auszieht und macht was er will und Chaos hinterlässt, so denke ich über meine Tumore. Sie ziehen nicht aus, sie stellen nur Chaos an, sie stören mich in meinem Leben! Und ich kann einfach gar nichts dagegen tun. Dennoch denke ich, es ist wichtig zu wissen dass es so ist und sich trotzdem sein Spaß damit zu machen, denn es ist sowieso schon ernst genug. Ich stell mir oft vor was diese Tumore so machen ob sie eine Party feiern, ob sie mit vielen Farben in meinem Hirn einfach rum schmeißen und alles bunt machen, ich weiß es nicht. Aber es ist eine schöne Vorstellung wenn man merkt dass wieder irgendwas nicht funktioniert und weiß dass der Tumor dran schuld ist weil er wieder irgendwo drückt. Dann habe ich doch lieber diese bunte verrückte Bilder und Ideen im Kopf als traurigen, ernst zu werden. Ich würde meinen Tumoren total gerne eine Kündigung schreiben, nur weiß ich nicht wo ich sie hinschicken soll. Und selbst wenn was würde ich da reinschreiben? Ich weiß es nicht.

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