Mein Tumor ist Schwanger

Das letzte MRT war am 6. Februar 2018, was dabei her raus kam war wie eine Ohrfeige und zeitgleich ein Befreiungsschlag. Mir geht‘s seit längerem nicht gut und ich kämpfte mit mir und meinen Mitmenschen. Es ist schwer sich selbst aber auch anderen einzugestehen, dass es einem zunehmend schlechter geht und genau zu beschreiben was denn los ist. Vielleicht konnte ich es nicht erklären, weil ich selbst nicht hinschauen wollte. Ich wollte nicht sehen, dass  die  Lähmung schlimmer geworden ist und mein Körper noch weniger mir selbst gehört und zeitgleich taten diese kleinen Sätze von Familie und Freunden weh. Es war bestimmt nicht böse gemeint woher sollten sie es denn auch besser wissen und wahrscheinlich floss da auch unterbewusst die Angst „was wenn….“ mit. Aber zuhören ich sei faul geworden deswegen habe ich vermehrt schmerzen, sowas tut weh und man fühlt sich nicht ernst genommen und zweifelt an der eigenen Wahrnehmung. Dann das MRT ich wusste ja vom MRT im November schon, dass da ein sichtbarer Wachstum zu sehen war und spürte auch dass dieses MRT mir keine schönen Bilder zeigen würde. Leider hatte ich Recht. Und hier ist auch der Befreiungsschlag, nein ich habe mir dass alles nicht eingebildet oder eingeredet! Aber um ehrlich zu sein, jetzt wünschte ich mir ich hätte mir alles nur eingebildet.

Weiteres Wachstum und weil das nicht reicht, hat sich eine Zyste im Tumor gebildet. Kein Arzt den ich bis heute gesprochen habe kann mir erklären was dieses Zyste bedeutet oder ob es so etwas schon mal gab. Das einzige was ich erfahren habe ist, dass von Tausend Patienten so etwas vielleicht zwei Mal vor kam und dass im direkten Anschluss einer Strahlentherapie – nun meine Bestrahlung liegt aber achtzehn Jahre zurück. Wie kann das sein? Es weiß keiner.  Irgendwie mein persönlicher Horrorfilm. Mein erster Gedanke war: „Oh man mein Tumor ist Schwanger.“

Der Arzt meines Vertrauens ist in Rente, Mein Ziel, dass ich mir Anfang meiner Erkrankung gestellt hatte stand vor der Tür, mein dreißigster Geburtstag und der Tumor wächst zusammen mit einer Zyste die sich niemand erklären kann. Also was nun? Die großer Feier planen und erstrecht feiern und nebenbei von Arzt zu Arzt rennen um eine Lösung zu finden. Nur gibt es keine Lösung. Das einzige was es gibt ist Hoffnung und ein, ein einziger Versuch Zeit zu gewinnen. Chemotherapie!

Ich saß bei der Neurochirurgin, sehr Jung und freundlich. Sie gab meinen Fall ans Tumorboard mit der Hoffnung auf OP oder Bestrahlung da beides einfach doch mehr bringen würde als eine Chemo. Nur leider ist beides Unmöglich. Die Risiken sind höher als die Wahrscheinlichkeit dass es etwas bringen würde. Heilung ist einfach gleich null und der Zustand wie er jetzt war, war Luxus. Nur bleibt Luxus nicht ewig.  Der Weg hin zu Schein und Glanz ist immer so lang und schwer, der Verfall geht schnell, schneller als mir lieb ist. Natürlich hab ich Angst. Es wäre gelogen wenn ich was anderes sagen würde und ich bin Sauer! Mega Sauer sogar! So viele Jahre in denen ich trotz dem Mist gelebt habe, gekämpft habe um dann wieder einmal in einem weißen Raum in der Klinik zu sitzen und das Gespräch zu führen, dass meine Mutter vor knapp Zwanzig Jahren geführt hat.

Was nun?!!! Ja was nun?! Hab ich eine Wahl!? Ja?! Wo denn?!! Verdammt noch mal was ist das bitte für eine Wahl?!!! Chemo oder warten?! Das nenn ich keine Wahl!!  Ob die Chemo überhaupt was bringt kann mir ja auch keiner sagen! Super, danke ans Universum! Aber eins sag ich dir Universum, mit mir nicht! Gut, ich kann vieles nicht mehr und okay ich habe Schmerzen, nehme ich alles in Kauf aber ich Lebe und ich werde Leben. Bewusst, Laut, Fröhlich und Mutig! Meinen Geburtstag habe ich mit so vielen tollen, lieben Menschen gefeiert. So wie ich es wollte. Laut, Fröhlich, Lange und ein bisschen Verrückt. Es war eine Motto Party und das Motto war Rockabilly. Es war so toll und es sind so starke, tolle Bilder auf dieser Feier entstanden. Und es waren so viele Menschen dabei, das war der Wahnsinn. Danke für die Tänze meine Lieben.

Ich werde meine Nichte  noch sehr lange Aufwachsen sehen, auch wenn mir gerade tausend Tränen aus den Augen strömen, Weinen ist keine Schande und kein Zeichen der Schwäche, es stört nur beim Schreiben. Ich habe so tolle Menschen um mich, die mich an ihrem Leben teilhaben lassen, ob durch Bilder, Videos, Erzählungen oder auf irgendeiner anderen Art  und solange dass So ist, so lange lebe ich!

Danke an diese wunderbaren Menschen!

Eine Antwort zu “Mein Tumor ist Schwanger”

  1. Hey Djami
    Du schreibst wunderschön… ich lese deine Texte sehr gerne auch wenn der Inhalt nicht immer Friede Freude Eierkuchen ist! Leider ist das Leben nicht immer fair!
    Lass dich nicht unterkriegen
    Bleib so wie du bist
    Ich drück dich
    Liebe Grüße Simone😘

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