In den sieben Wochen, in denen ich in der Kinderklinik lag hatte ich mehrmals die Woche Krankengymnastik. Viel konnte man ja nicht machen. Ich konnte mich ja nicht bewegen und das Gefühl kam auch erst nach und nach wieder. Aber die Frau S. und ihre Kolleginnen kamen oft auch für Atemübungen und eben zum Dehnen, die Gelenke mussten ja durch bewegt werden. Die Muskeln durften sich ja nicht abbauen. beziehungsweise es sollte verhindert werden, dass sie sich abbauen. Aber es ist schwer da etwas vorzubeugen. Von Frau S. habe ich ein Kuscheltierhund geschenkt bekommen, eher gesagt eine Handpuppe. Man kann hinter dem Kopf rein fassen und so den Mund des Hundes bewegen. Diesen Hund hatte ich Max genannt. Max ist immer noch treu an meiner Seite. Heute sitzt er an meinem Kopfkissen. Genauso wie der andere Hund den ich aus der Klinik bekommen hatte, der sitzt allerdings auf dem Schrank. Zu der Zeit hatte ich sehr, sehr viele Kuscheltiere bekommen aber behalten bis heute habe ich nu die drei Hunde. Laila, Max und Benshi. Nach einer Zeit hab ich Doppelbilder gesehen. Das heißt, dass man auf einem Auge alles zweimal sieht. Also gespaltenem Bild. Aber nur auf einem Auge. Sofort war Panik auf der Stadion, weil man Angst hatte, das bei der OP etwas schief gelaufen ist. Es wurden wieder viele Untersuchungen gemacht. Geröntgt und so was. Aber es war zum Glück nichts ernstes, es ist einfach wieder verschwunden. Die Magensonde hatte ich auch bald raus bekommen. Eins, zwei, drei und raus gezogen wurde sie, einfach so. Der Stationsarzt, Doktor L., war ein ganz netter und guter Arzt. Ich konnte meiner Laune immer freien Lauf lassen, er hatte nie etwas Persönlich genommen. Immer wenn ich zu frech wurde, hatte er den Stationsstempel auf meinem Gesicht einen Spaziergang machen lassen. Da ich mich ja nicht Wehren konnte sah ich oft total überstempelt aus. Überall stand „Kinderklinik“ auf meinem Gesicht. Aber Dr. L. sagte immer ich sei eh wie ein Bumerang und komme immer wieder zurück. Also hätte ich abhauen können und wäre ich weg gerannt, hätte jeder gewusst wo ich ausgebüchst bin. Die Station hatte wegen mir und dem Herr Doktor oft gestunken. Ganz oft in seiner Mittagspause hat er beim Türken gegenüber die Knoblauchwurst gekauft, die mir so gut schmeckt. Und dann haben wir die immer zusammen gegessen. Und da meine Zimmertür immer offen stand, da ich ja nicht selber klingeln konnte und rufen musste, hat sich der ganze Knoblauchgeruch auf der ganzen Station ausgebreitet. Das Geschrei war dann immer groß. Und wir hatten etwas zum Lachen. Der Zivi S. hatte mir einmal meinen großen Zehnagel mit Wasserfestem Edding blau angemalt. Ich wollte unbedingt Nagelack haben und er sollte es machen laut der Stationsschwester, die ja das sagen hatte. Darum hatte er gleich zum Edding gegriffen. Ich glaube ich hatte fast neun Monate einen blauen Zeh. Leider musste ich ja warten, bis der Nagel raus gewachsen war, weil wie gesagt, es ein Wasserfester Edding war. Geplant war, dass ich für eine Reha-Maßnahme gehen sollte um mein Gleichgewicht wieder aufzubauen. Die ersten Sitzversuche hatte ich ja schon in der Kinderklinik gehabt. Eigentlich war die Zeit gar nicht so schlecht, wenn es nicht so weit weg von Zuhause gewesen wäre. Ich habe dort Menschen kennen gelernt, denen es viel schlechter geht als mir, aber eben auch Leute denen es im Grunde gut geht die aber im Selbstmitleid ertrunken sind. Ein paar neue Freundschaften konnte ich dort knüpfen, die heute noch bestehen. Klar der Kontakt möchte gepflegt werden und wir hören selten etwas von einander. Aber wenn es hart auf hart kommen sollte, weiß ich, dass diese Menschen für mich da sind. Es gab dort ein Kinderhaus, das vier Gruppen hatte. Diese waren in Verschiedene Altersgruppen unterteilt. Ich war in der Gelben Gruppe zusammen mit P. und M.. Damals war ich sehr froh diese beiden um mich zu haben. Und M. habe ich einige Jahre später wieder getroffen, das war mega gut den seither haben wir regelmäßigen Kontakt was mich sehr freut. Im Untergeschoß waren zu meiner Zeit die Krankengymnastikräume und Ergotherapie räume. Eine rote Rutsche führte neben den Treppen und dem Aufzug nach unten. Oben waren die vier Gruppen und das Schwestern- und Ärztezimmer. In einem andern Gebäude, nicht weit weg war das Schulhaus und in dem Schulhaus war das Kino. Jeden Mittwoch konnten wir ins Kino gehen, Kostenlos. Es war eigentlich auch kein richtiges Kino, eher ein Raum mit vielen Stühlen und einer großen Leimwand. Da hab ich zum ersten mal „Momo“ gesehen. Ich fand den Film so toll. Und in der „Schule“ hatten wir „Die Vorstadt Krokodile“ geschaut. Den Film habe ich auch nie Vergessen. Das ist aber das einzige an was ich mich aus dieser „Schulzeit“ erinnere, lach. Leider musste ich, diese Maßnahme abbrechen. Ich hatte in den vier Monaten, sieben Lungenentzündungen. Heute denk man, dass die Lungenentzündungen eventuell von der Psyche hervorgerufen wurden. Das hat die Lunge kaputt und schwach gemacht. Klar ein Auto das mehrmals gegen einen Baum fährt ist auch bald Schrott. Logisch, irgendwo aber bei einem Menschen ist es gravierender wenn die Lunge ein Schrotthaufen ist. Klar. Die ist ja Lebensnotwendig und was machen wenn die Lunge ausfällt. Tja da kann dann kein Arzt der Welt mehr helfen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Ein Kampf
